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Kleine Fische, Teil 12 Blut auf dem Boden

02.09.2008 ·  Dem miesen Kerl im Park war Sara gerade noch entkommen. Aber sein Geruch scheint noch auf ihrer Haut zu liegen und sie versucht immer wieder, ihn abzuwaschen. Teil 12 des Fortsetzungsromans von Martina Wildner.

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Pia, Denny, Sara und Nick sind die vier Helden des Romans „Kleine Fische“, der die Abenteuer der Jugendlichen im Großstadtsommer schildert. Mit vier unterschiedlichen Stimmen erzählt Autorin Martina Wildner die Geschichte der jungen Leute, deren Wege sich auf seltsame Weise kreuzen.

Sara erwachte am frühen Nachmittag. Sie hatte gestern ewig nicht einschlafen können. Dieser Dreckskerl! Dabei hatte sie wahrscheinlich noch Glück gehabt. Sie hatte sich losreißen und davonlaufen können.

Sara stand auf und schlurfte ins Badezimmer. Sie betrachtete ihren Körper, dann roch sie an ihren Unterarmen, da, wo sie der Kerl gepackt hatte. Sie verzog das Gesicht. Das war doch nicht möglich! Sie rochen immer noch nach seinen schwitzigen Fingern! Überhaupt roch sie am ganzen Körper nach diesem Kerl. Er war natürlich betrunken gewesen. Betrunken, verschwitzt und ungewaschen.

Sara stieg unter die Dusche und wusch sich mit drei verschiedenen Duschbädern: mit Papas, mit Mamas und dann mit ihrem eigenen, das nach Kokos und Mandeln duftete. Zum Schluss duschte sich abwechselnd heiß und kalt ab. Plötzlich hörte sie ihr Handy klingeln. Sara drehte das Wasser ab, sprang aus der Duschkabine und schnappte sich ein Handtuch. Dabei rutschte sie aus und knallte mit der Unterlippe auf dem kleine Glastischchen, auf dem Mamas Parfümflaschen standen. Sara fiel zu Boden. Dort blieb sie einen Moment regungslos liegen.

Blut tropft auf die Fliesen

Als sie sich endlich aufrappelte, sah sie, wie das Blut auf die weißen Fliesen tropfte. Rasch drückte sie ihr Handtuch fest gegen ihre Lippe. Das Handy hatte aufgehört zu klingeln. Die Platte des Glastischchens war zerbrochen, die Flacons lagen auf dem Boden, zwei waren zerbrochen. Ein schwerer, süßlicher Geruch breitete sich aus.

Sara ging zum Spiegel. Vorsichtig nahm sie das Handtuch ab. Was sie sah, genügte: Das Blut schoss förmlich aus einem v-artigem Spalt in ihrer Lippe und rann das Kinn hinab, von wo es ins Waschbecken tropfte. Sara wurde schwindlig und konnte sich gerade noch hinlegen. Sie dachte: Meine Lippe! Ich bin entstellt. Für immer.

Dann wanderte eine merkwürdige Schwärze vom Hinterkopf aus über die Augen.

Die bisherigen Folgen sind hier nachzulesen Fortsetzungsroman „Kleine Fische”.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
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