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Studie zur Mediennutzung : Facebook ist out

Facebook wird mittlerweile seltener aufgerufen als Whatsapp. Bild: dpa

Jugendliche finden Whatsapp und Instagram besser als Facebook. Eine neue Studie zeigt zudem deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Andere Angebote werden kaum genutzt.

          Nur wer Facebook nutzt, gehört zu den Coolen und kann mitreden? Dieser Trend gilt in Deutschland für Jugendliche unter 18 Jahren längst nicht mehr. Das belegen erste Ergebnisse der JIM-Studie 2016 (Jugend, Information, (Multi-)Media) des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest (Mpfs). Demnach nutzen nur 43 Prozent der Jugendlichen zwischen zwölf und 19 Jahren mehrmals pro Woche Facebook; 2015 waren es noch 51 Prozent. Den weitaus größeren Teil machen dabei die Achtzehn- und Neunzehnjährigen aus; für Jüngere hat Facebook kaum mehr Bedeutung.

          Nach Einschätzung von Thomas Rathgeb, Leiter der Geschäftsstelle des Mpfs und Abteilungsleiter für Medienkompetenz, Programm und Forschung an der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg, hängt das mit dem Siegeszug von Whatsapp zusammen. Der Instant-Messaging-Dienst, der 2014 von Facebook gekauft wurde, steht laut der JIM-Studie sowohl bei den Jungen als auch bei den Mädchen hoch im Kurs. So nutzen 95 Prozent der Jugendlichen aller Altersgruppen regelmäßig Whatsapp.

          Facebook sei differenzierter als Whatsapp, sagt Rathgeb. Auf Facebook müsse man ein Profil anlegen, das zu pflegen einen gewissen Aufwand bedeute. Whatsapp sei demgegenüber entschlackt und erfülle die für Jugendliche zentrale Funktion: zu kommunizieren. Der Anbieter stille damit die pragmatischen Bedürfnisse der Jugendlichen.

          Instagram und Snapchat vor allem bei Mädchen beliebt

          Instagram steht mit 51 Prozent auf Platz zwei, Snapchat mit 45 Prozent auf Platz drei der Kommunikationsanwendungen, die von den Jugendlichen mehrmals pro Woche genutzt werden. Im Vergleich zum Vorjahr, in dem die Verwendung von Instagram noch bei 44 Prozent und die von Snapchat bei 31 Prozent lag, ist der Anteil visueller Kommunikation deutlich gestiegen. Die JIM-Studie stellt dabei eine Geschlechterdifferenz fest: Das digitale Bild ist demnach vor allem bei Mädchen sehr beliebt. 60 Prozent der Mädchen und 44 Prozent der Jungen nutzten regelmäßig Instagram. Snapchat verwendeten 55 Prozent der Mädchen und 36 Prozent der Jungen. Dass Mädchen sehr aktiv kommunizierten und eine starke Affinität zu Fotos hätten, habe sich auch schon in früheren Erhebungen gezeigt, sagte Thomas Rathgeb am Dienstag.

          Jugendliche wollen vor allem kommunizieren - Whatsapp passt ihnen dafür am besten.
          Jugendliche wollen vor allem kommunizieren - Whatsapp passt ihnen dafür am besten. : Bild: dpa

          Anders als in der Gründungsphase vielerorts noch angenommen wurde, hat sich der Hype um das Videoportal YouNow im Nutzungsverhalten der Jugendlichen dagegen nicht bestätigt. Laut Rathgeb gibt es nur einen minimalen Anteil von unter einem Prozent, der YouNow nutzt. Diese Plattform sei keine reale Situation für Jugendliche. Das gleiche gelte für Chat- und Videoangebote wie Tinder oder Persicope. Auch Twitter ist für Jugendliche nicht attraktiv: Laut Rathgeb nutzen nur neun Prozent der Jugendlichen diesen Mikrobloggingdienst regelmäßig.

          Whatsapp ganz oben

          Für die JIM-Studie 2016 wurden die Jugendlichen außerdem nach den für sie drei wichtigsten Apps befragt. Hier zeichnet sich ein ähnliches Bild ab: 95 Prozent aller Jugendlichen, die Apps auf dem Handy installiert haben, zählten demnach Whatsapp zu den wichtigsten Angeboten. 37 Prozent nannten Instagram. Gut jeder Vierte führte Snapchat, Youtube und Facebook an.

          Der Mpfs erhebt in Zusammenarbeit mit dem Südwestrundfunk seit 1998 „unabhängige Basisdaten zum Medienumgang von Kindern und Jugendlichen in Deutschland“. Die JIM-Studie 2016 enthalte neben den angeführten Zahlen auch „Basisdaten zum Freizeitverhalten“ der Jugendlichen sowie „Mediennutzungsdaten zu Internet, Fernsehen, Radio, Büchern und digitalen Spielen“. Laut Forschungsverbund wurden für die aktuelle Befragung 1200 Jugendliche zwischen zwölf und 19 Jahren im Frühsommer 2016 telefonisch befragt. Die Gesamtergebnisse der Studie werden am kommenden Freitag vorgestellt.

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