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Maskenbildner : Wenn Solisten im Lauf des Abends altern

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Wolfgang Witt ist Maskenbildner am Opernhaus Zürich. Ein Gespräch über Löwenmähnen, aufgeklebte Nasen und Perückenprobleme mit Ersatzsängern.

          Schon beim Betreten des kleinen Raums mit den großflächigen Fenstern an der einen Wand ahnt man, welcher Beruf hier ausgeübt wird. In der Mitte steht ein Tisch, und unter den Fenstern sind Ablagen. Auf den Ablageflächen stehen unter anderem Modellierköpfe mit Perücken. In einem angrenzenden Raum sind große Spiegel, davor Stühle, auf weiteren Ablageflächen Make-up-Produkte und Pinsel. Im Hintergrund hört man einen Sänger, begleitet von einem Klavier, der eine Arie übt. Es ist der Arbeitsplatz von Wolfgang Witt und seinem Team von Maskenbildnern am Opernhaus Zürich. An einem normalen Arbeitstag stellt Wolfgang Witt alles Nötige bezüglich Gesicht und Frisur für die Verwandlung der Solisten in ihre Rollen her.

          Von Büffel und Ziege

          Da sind zum Beispiel die benötigten Perücken. Diese müssen auf jede Person angepasst werden, denn die Perücke muss genau mit dem Verlauf des Haaransatzes übereinstimmen. Etwa neunzig Prozent aller Perücken sind aus echten Haaren hergestellt, die restlichen sind aus synthetischen Haaren oder Tierhaaren. Dabei werden Haare vom tibetischen Büffel oder selten Haare der Angoraziege verwendet.  Die echten Haare für Perücken werden von einer europäischen Firma geliefert, die die Haare präpariert und färbt. Diese Haare stammen von indischen Frauen, die sich die Haare wachsen lassen und dann abschneiden, um sie in einem Tempel als Opfergabe für die Götter zu geben. Der Tempel hat keine Verwendung für diese Haare, so kaufen die Haareinkäufer der europäischen Firma die Haare dem Tempel ab. Die Haarlänge kann zehn bis achtzig Zentimeter betragen. „Der große Vorteil an Perücken mit echten Haaren ist, dass man alles machen kann, was man mit den eigenen Haaren auch machen kann“, erklärt der 49-Jährige. Aus diesen Haaren werden auch Bärte, Schnurrbart und Koteletten hergestellt.

          Für den Zauberer von Oz

          Neben den Perücken werden hier auch „die Special Effects“, wie sie Witt nennt, gefertigt. Das ist ein dreidimensionales Make-up, zum Beispiel Nasen oder andere Körperteile, sowie Wunden und Narben, die dem Solisten angeklebt werden. Um diese wie auch die Perücken zu befestigen, werden verschiedene Kleber verwendet, ein Acrylkleber, ein Silikonkleber oder ein Kleber, der früher aus Pflanzenharz bestand, jetzt aber synthetisch hergestellt wird. Welcher Kleber wann benützt wird, ist situationsabhängig: „Mit dem einen Kleber befestigt man Perücken, mit dem anderen Ohren.“ Am wichtigsten sei, dass die Sänger nicht allergisch auf den Kleber reagieren.

          Ein Opernsänger betritt nach einem Ausprobieren einer komplizierten Maske den Raum, er trägt eine riesige Perücke, die eine Löwenmähne darstellt, und eine Löwenschnauze auf dem Nase- und Mundbereich, da er beim Stück „Der Zauberer von Oz“ mitspielt. „Na, gut gebrüllt, Löwe?“, fragt Witt belustigt. „Roar!“, antwortet der Sänger mit seiner kräftigen Stimme.

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