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Vogelvoliere : Fürs Tokoweibchen schwiegen die Love-Mobiles

  • -Aktualisiert am

Die Voliere Zürich setzt sich für Vögel ein, betreibt Artenschutz und eine Tierpension mit Babyklappe.

          Warme, feuchte Luft, Wassergeplätscher, erdiger Geruch nach Tieren und Gezwitscher von mehr als hundert Vögeln. In der Besucherhalle der Voliere Zürich findet man eine kleine tropische Welt, in der man das stetige Treiben der Stadt und das kalte Wetter völlig ausblenden kann. Das gedämpfte Licht in der Halle ermöglicht einen guten Blick in die acht großen Volieren. Hinter den Glasscheiben hüpfen und fliegen exotische Vögel von Ast zu Ast und klettern an aufgehängten Vorrichtungen umher. Neben Pflanzen und Bäumen stehen in der Halle drei Bänke, von denen aus man die Vogelwelt bewundern kann. Überall ist Leben und Bewegung in den Volieren.

          Aus dem Nest gestürzte Wildvögel

          Das erste Vogelhaus der Voliere Zürich wurde 1903 am Alpenquai eröffnet. Seit 1937 befindet es sich am Mythenquai direkt am See. Die Besucherhalle ist jedoch nicht alles. Hinter den Kulissen, vor den Augen der Besucher versteckt, liegen die Vogelpension und die Pflegestation. Die Pflegestation ist die meist frequentierte Notfallstation der Schweiz für verletzte, erkrankte oder aus dem Nest gestürzte Wildvögel. An 365 Tagen im Jahr werden während den Öffnungszeiten gefiederte Notfallpatienten aufgenommen, außerhalb der Öffnungszeiten stehen die sogenannten Babyklappen zur Verfügung. Diese Boxen werden beheizt und erlauben Passanten, einen gefundenen Vogel dort hineinzulegen, so dass er am nächsten Morgen vom Tierpfleger gefunden und betreut werden kann. Marc Stähli, einer der zwei Mitarbeiter der Voliere Zürich, hat auch schon Igel oder Fledermäuse in den Boxen gefunden. „In der Zeit der Jungvögel findet man schon jeden Morgen einen verletzten Vogel in der Babyklappe, im Herbst und Winter seltener“, sagt der 36-jährige Tierpfleger aus Schlieren.

          Heuschrecken und eine Kiste voller Würmer

          In der Vogelpension befinden sich die Feriengäste, Vögel, deren Besitzer sie anlässlich ihrer Ferien dort abgeben können. Der große Raum ist vollgestellt mit Käfigen, in denen kleine und große Papageien und andere gefiederte Gäste untergebracht sind. Auf dem großen Tisch in der Mitte wird das Futter in Schalen gemischt. Da die meisten Vögel keine Vegetarier sind, findet man auf dem Tisch ein Terrarium gefüllt mit Heuschrecken. In einer Ecke steht eine Kiste voller lebendiger Würmer.

          In Jeans und Pullover, mit kurzgeschnittenen, braunen Haaren, die unter einer weißen Mütze hervorschauen, ist Marc Stähli mit der Fütterung seiner vielen Schützlinge beschäftigt. Er öffnet den Käfig eines Graupapageis, um die Futterschalen herauszunehmen. Der Papagei streckt ihm den Kopf entgegen und lässt sich einen Moment lang im Nacken kraulen. „Man kann leider nicht den ganzen Tag nur mit Papageien spielen“, sagt Marc Stähli. 80 Prozent der Arbeit als Tierpfleger seien Reinigungsarbeiten. Vögel machen mehr Dreck, als man meint.

          Seine Favoriten sind die Aras und Loris

          Seit zehn Jahren arbeitet Stähli bei der Voliere Zürich. Er hat seine Ausbildung in der Gastronomie gemacht und arbeitet Teilzeit in beiden Bereichen. Die Voliere Zürich lernte er zunächst als Ferienort für seine Papageien kennen und begann einige Jahre später dort zu arbeiten. Wie man mit Vögeln umgeht, wusste er. Seinen ersten Vogel hielt er, als er zwölf Jahre alt war. „Es war schon immer mein Hobby. Das Fachwissen habe ich mir schon lange angeeignet.“ So arbeitete er sich ohne eigentliche Tierpfleger-Ausbildung in der Voliere Zürich ein. Im vergangenen Sommer machte er die Ausbildung zum Tierbetreuer. Seine Favoriten sind die Papageienarten Aras und Loris. In Zukunft würde er gern 100 Prozent als Tierpfleger arbeiten, einfach sei das aber nicht: „Ich bin allergisch auf alle Tiere, die Fell haben, da sind die Möglichkeiten schon begrenzt.“

          Zuchtprogramm für Schwalbensittiche

          Neben der Vogelpflege widmet sich die Voliere Zürich der Aufklärungsarbeit. Die 1900 gegründete Voliere-Gesellschaft Zürich hat es sich als Ziel gesetzt, den Natur- und Tierschutz, aber vor allem den Vogelschutz der Gesellschaft nahezubringen. Rund 700 Mitglieder unterstützen die Arbeit der neun Team-Mitarbeiter. Dank Spenden und Sponsoren kann sie jährlich mehr als 2000 Vögeln ein vorübergehendes oder permanentes Zuhause bieten.

          Die Voliere Zürich beteiligt sich auch an einem Zuchtprogramm für Schwalbensittiche. Die bunten Papageien kommen in Australien und Tasmanien vor und sind vom Aussterben bedroht. „Das Ziel wäre es, irgendwann Schwalbensittiche in ihrer Heimat aussetzen zu können“, sagt Stähli. Höhepunkte seiner Arbeit sind es, wenn es bei den Exoten Nachwuchs gibt. So gelang hier im Sommer 2015 schweizweit die erste Zucht des Kronentokos. Sie erregte damit großes Aufsehen während der Street Parade, die während des Geburtstermins am Mythenquai vorbeizog. Damit das empfindsame Tokoweibchen nicht unter Stress gesetzt wurde, verzichteten die Love-Mobiles vor Ort gänzlich auf Musik, und es wurde eine Spendenaktion für die Neuankömmlinge ins Leben gerufen. Marc Stähli hofft auf baldigen Nachwuchs bei den Loris. „Es ist auch toll, dass uns Vögel wie Waldschnepfen, Zwergrohrdommeln und Wintergoldhähnchen in die Pflegestation gegeben werden. Das sind Arten, die man sonst nicht zu Gesicht bekommt.“

          Quelle: F.A.Z.

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