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Trump-Film : Die Kings of Kallstadt

  • -Aktualisiert am

Eine Pfälzer Filmemacherin wollte ein Denkmal über das Dorfleben kreieren und hat eine Dokumentation über ihre Heimat gedreht. Auch Familie Trump kommt vor.

          Begeisterte Besucher schlendern durch die Weiten der Weinberge, die Kallstadt umgeben. Vorbei an Vinotheken und Gaststätten, die zur Einkehr einladen, geleitet durch den Duft von neuem Wein und Zwiebelkuchen. Die aus Sandstein gebauten Fachwerkhäuser entzücken nicht nur an den Herbstwochenenden. „Die Menschen aus Kallstadt versprühen für mich persönlich den meisten Charme“, sagt Simone Wendel, eine gebürtige Kallstädterin. „Jeder, der zum kleinen Dörfchen dazugehören möchte, ist herzlich willkommen“, erklärt sie. Die Kallstädter hätten einen stark ausgeprägten Menschensinn und hohen integrativen Faktor, weshalb jeder dort ideal leben könne. Dies erfüllt die blonde Frau mit Stolz: „Ich wollte eine Hommage oder, besser gesagt, ein Denkmal an das Dorfleben kreieren, aber auch an die Menschen.“

          Vom gemütlichen Weindorf nach Amerika

          Das Wichtigste in der Welt seien Menschen, die ein Zuhause erst heimisch machen. Das ist der Grund, warum die 42-jährige Mannheimer Regisseurin den Film „Kings of Kallstadt“ drehte. Im Fokus der Dokumentation stehen ebenso zwei US-Giganten, deren Vorfahren aus dem 1200 Seelen starken Kallstadt stammen: Heinz Ketchup und die Trump-Dynastie. Die Menschen an der Weinstraße sind bekannt für ihre Neugierde. Diese Eigenschaft scheint auch in Donald Trumps Großvater geschlummert zu haben, als er beschloss, von dem gemütlichen Weindorf ins große Amerika auszuwandern. Frederick Trump, 1869 in Kallstadt geboren, stammte als eins von sechs Kindern eines Winzers aus einfachen Verhältnissen. Der gelernte Friseur wollte in den Vereinigten Staaten sein Glück machen – so wie viele andere Pfälzer auch.

          Goldgräber bezahlten bei ihm mit Nuggets

           „Frederick eröffnete während des Goldrauschs in Alaska eine Wirtschaft. Goldgräber, die kein Geld hatten, bezahlten bei ihm mit Goldnuggets.“ Das erwirtschaftete Geld und Gold schickte der Geschäftsmann nach New York City, wo bereits seine zwei Schwestern lebten. Diese kauften für ihn Immobiliengrundstücke, die heute einen Großteil von Manhattan ausmachen. Ihn hatte Amerika früh in den Bann gezogen, seine Frau Elizabeth nicht. Sie wollte anfangs nur für ein Jahr in die Staaten reisen und nach Kallstadt zurückkehren. Doch alles kam anders. „Nach dem Tod von Frederick Trump übernahm Elizabeth das entstandene Immobiliengeschäft und führte es zu einem wahren Imperium.“ 1927 stieg Frederick Trump Junior, der Vater von Donald, in das Geschäft „Elizabeth Trump & Son“ ein. „Das Immobilienimperium Trump wurde also von einer Frau geschaffen.“

          Er wirkte uninteressiert an seinen Wurzeln

          Während der fünfjährigen Entstehungsdauer des Films lernte Wendel den Cousin von Donald, John Trump, kennen, als er für einen Familienbesuch anreiste. „John ist ein netter, freundlicher Mann, dem der Bezug zu seinen Kallstädter Wurzeln wichtig ist“, sagt Wendel. Durch ihn ergab sich die Chance, den US-Präsidenten kennenzulernen. In den Aufnahmen zu „Kings of Kallstadt“ wirkt er eher uninteressiert an Kallstadt und seinen deutschen Wurzeln, auch wenn er behauptet, stolz auf seine Herkunft zu sein. „John ist in der weiblichen Familienseite aufgewachsen, während Trump von klein auf auf Business gedrillt wurde. Die beiden Männer haben eine unterschiedliche Sozialisierung und somit eine andere Sichtweise auf ihre familiären Hintergründe.“ Die Regisseurin wurde zur Steubenparade eingeladen und zum Filmfestival von Michael Moor. Dort bekam die in Mannheim lebende Frau einen Award für ihre Dokumentation verliehen und feiert seitdem internationale Erfolge.

          Weder gut noch schlecht

          Mittlerweile ist der Film auf Netflix erhältlich und findet Anklang bei Trump-anhängern und -gegnern. Trotzdem betont Simone Wendel: „Meine Theorie war es nicht, Donald Trump gut oder schlecht dastehen zu lassen, genauso wenig eine politische Stellungnahme abzugeben.“ Ihre Intention war es, die Geschichte des Dorfes und von dessen Menschen an die Welt weiterzugeben. „Ich liebe es, in verschiedene Leben einzutauchen und andere Menschen zu beobachten“, offenbart die lebensfrohe Frau. „Die Medienwelt ist unstetig, immer muss man etwas Neues hervorbringen.“ Sie hat eine Vorliebe für die Routine, denn obwohl in Kallstadt auf den Straßen immer etwas los ist, bleibt das kleine Dorf vom Kern her unverändert.

          Quelle: F.A.Z.

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