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Veröffentlicht: 10.04.2017, 13:40 Uhr

Teezeremonie Abschalten und Tee trinken

Schaum in der Schale geht gar nicht: In einem Zürcher Museum hält die japanische Teemeisterin Soyu Mukai eine strenge Zeremonie ab. Die Gäste sind fasziniert.

von Vilma Rantanen, Kantonschule Zürcher Oberland, Wetzikon

Mit Hilfe der japanischen Teezeremonie können wir unsere innere Ruhe finden“, begrüßt Teemeisterin Soyu Mukai die Gäste. Sie führt die Teilnehmer in den authentisch japanisch gebauten Teeraum des Museums Rietberg in Zürich. Der Raum in der Remise der ehemaligen Villa Wesendonck, wo Richard Wagner zwischen 1857 und 1858 Zuflucht gefunden hatte, ist klein und schlicht eingerichtet. Es sind acht Matten ausgelegt, in einer Nische hängt eine japanische Schriftrolle, davor steht eine kleine Vase mit Blumen. Bevor die Teilnehmer den Raum betreten, müssen sich alle vor der Teemeisterin leicht verbeugen. Im Teezimmer knien sich die Gäste am Rand auf eine Matte. In der Mitte erklärt Soyu Mukai: „Alle Bewegungen, die ich mache, sind bewusst. Ich mache keine Bewegung oder Handlung per Zufall. Alles hat seinen genauen Ablauf.“ Sie trägt einen silbernen Kimono, der mit Blumen verziert ist. Ihre dunklen Haare sind zu einem Knoten zusammengebunden.

Respektvolle Verbeugung

Bevor die Zeremonie beginnt, knien sich alle Teilnehmer nacheinander vor die Nische mit der Schriftrolle hin, verbeugen sich leicht und sehen sich das Gebilde in Ruhe an. Vor jeder Zeremonie wird eine Schriftrolle vom Teemeister ausgesucht, die eine zur Situation passende japanische Redewendung trägt. Mit der Verbeugung möchte der Gast seinen Respekt zeigen. Danach setzen sich alle wieder an ihren Platz. Die 58-jährige Soyu Mukai zeigt den Ablauf Schritt für Schritt. In der Mitte des Raumes befindet sich ein kleines Loch im Boden, worin sich ein Topf mit heißem Wasser über einigen glühenden Kohlen befindet. Bevor man den Tee zubereitet bekommt, erhält jeder Gast eine trockene Süßigkeit, die er vor dem Tee essen muss. Auch hier gibt es genaue Regeln, wie und mit welcher Hand man diese in die Hand nehmen muss und essen sollte. Das Papierchen, worauf die Süßigkeit gelegen hat, versteckt man irgendwo, wo man es wieder leicht hervornehmen kann, um später die Finger daran zu reinigen.

Nur ganz wenig Pulver

Bei japanischen Teezeremonien gehört meistens ein mehrgängiges Menü dazu, dieses wird aber im Museum weggelassen. Eine original japanische Teezeremonie kann gut vier Stunden dauern. Im Museum erklärt Soyu Mukai vieles nebenbei. Um es nicht jedem Einzelnen beizubringen, zeigt die Teemeisterin mit Hilfe einer Teilnehmerin den genauen Ablauf, damit anschließend alle Gäste gleichzeitig ihren Tee genießen können. Nachdem die Süßigkeiten gegessen sind, beginnt die Zubereitung. Soyu Mukai bereitet den Tee aus einem grünen Pulver zu. Mit einem dünnen Löffel aus Holz wird dieses Pulver ins heiße Wasser gegeben. Dieser wird vor Gebrauch mit einem roten Tuch, das Soyu Mukai bei sich trägt, gereinigt. Es wird nur ganz wenig Pulver ins Wasser gegeben, da der Tee stark und konzentriert ist. In einer kleinen Teeschale werden das Teepulver und das heiße Wasser mit einem schwingbesenartigen Werkzeug aus Bambus vermischt, bis sich ein dünner Schaum auf dem Tee bildet.

Dreimal im Gegenuhrzeigersinn

Der Gast kann nun die Teeschale auf die linke Hand legen. Mit der rechten Hand wird die Schale dreimal im Uhrzeigersinn um eine halbe Drehung gedreht. Danach kann der Tee in drei gleichmäßigen Zügen getrunken werden. „Man sollte alles austrinken. Wenn Schaum übrigbleibt, ist das unfreundlich“, erklärt Soyu Mukai. Dann bedankt man sich mit einer kleinen Verbeugung, eine weitere wichtige Geste. Jedes Mal, wenn der Gast etwas vom Teemeister serviert bekommt, verneigen sich beide leicht. Nachdem der Gast den Tee ausgetrunken hat, reinigt er mit seinen Fingern die Stelle, an der er getrunken hat, dreht die Schale wieder dreimal im Gegenuhrzeigersinn und gibt die Schale der Teemeisterin zurück.

Sie hat sogar einen Professortitel

Soyu Mukai ist vor 33 Jahren in die Schweiz gekommen. Ursprünglich kommt sie aus Kumamoto, einer Stadt auf der südlichsten der großen Inseln Japans. In Japan hat sie die Urasenke Teeschule besucht, eine der größten Teeschulen, die auch weltweit bekannt sind. „Es ist ähnlich wie das Schulsystem. Man beginnt auf der Anfängerstufe und kommt dann immer weiter.“ Nach 17 Jahren in der Teeschule hat Soyu Mukai den Teemeistertitel erlangt. Sie hat sich weitergebildet und einen Professortitel bekommen. „Eine Ausbildung zum Teemeister dauert etwa acht bis zehn Jahre, je nachdem, was für eine Zubereitung man lernt. Zum Beispiel gibt es Zubereitungen, die man nur im Sommer macht, somit haben die Schüler diese nur etwa achtmal gemacht.“

Gesprochen wird kaum

In die Schweiz gekommen ist sie ursprünglich als Laborantin und hat zuerst in der Krebsforschung gearbeitet. Seit 23 Jahren macht sie beim Museum Rietberg in Zürich Teezeremonien. Aber auch zu Privatanlässen führt sie solche Zeremonien durch. Außerdem bietet sie diverse Workshops an, zum Beispiel einen Kurs, wie man den Kimono richtig anzieht. „Leute kommen oft privat zu mir und wollen eine Teezeremonie für einen Geburtstag oder sonstige Feste. Einmal ist sogar ein Paar hierhergekommen und hat seine Hochzeit gefeiert.“ Während der ganzen Zeremonie ist es still, es wird kaum gesprochen. Die Stimmung ist entspannt und auf eine Weise meditativ. Mit dieser Ruhe kann man wieder in den Alltag zurückkehren.

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