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Studieren mit Eltern : Papa, Mama, die Uni und ich

Familienausflug zur Universität: Die Eltern wollen mitreden und die Kinder lassen es sich gefallen Bild: Valentine Edelmann

Studienort, Wohnheim, Bafög: Eltern reden heutzutage wie selbstverständlich mit, wenn es um das Studium ihrer Kinder geht. Die finden das nicht peinlich, sondern bequem. Und wie reagieren die Hochschulen? Sie veranstalten Elternabende.

          Es ist Samstag, Viertel nach neun am Morgen, und Lilli Löffel hat längst einen Plan. Zuerst will sie den Dresdner Campus sehen, dann die Fakultät kennenlernen, anschließend das Mensaessen testen und noch einige Wohnheime anschauen. „Schaffen wir das alles?“, fragt die Achtunddreißigjährige aus Gotha und blickt leicht besorgt auf das Programm; neben ihr stehen ein roter Rollkoffer und Tochter Katrin. „Wir müssen nämlich am Nachmittag noch weiter.“ Katrin ist 16 und macht nächstes Jahr Abitur. Danach will sie internationale Beziehungen studieren. „Das hat sich in den letzten Monaten so herausgebildet“, sagt sie. „Und es wird ja langsam Zeit“, ergänzt ihre Mutter.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          „Das schaffen Sie schon“, sagt Alexandra Schröder, 29, die solche Situationen kennt. Seit einem Jahr organisiert sie sechsmal im Jahr die Eltern-Campus-Tour an der Technischen Universität Dresden - auch an diesem „Uni-Tag“, der wie in jedem Frühjahr Abiturienten Studienwahl und Orientierung an der Hochschule erleichtern soll. Seit einigen Jahren schon erscheinen dabei immer mehr Eltern, zum Teil sogar ohne ihre Sprösslinge. Auch diesmal laufen auffällig viele Leute jenseits der 35 durch das Hörsaalzentrum, wo sich alle Studiengänge an Info-Ständen vorstellen. „Viele Eltern freuen sich über das Angebot und die Tour“, sagt Schröder. Einige hätten selbst hier studiert und schwelgten in Nostalgie, die meisten aber wollten unbedingt jedes Detail und häufig mehr als ihre Kinder wissen.

          „Stop!“, ruft Lilli Löffel, als Schröder im Uni-Gelände zügig durch ihre Schaubilder blättert und gerade die Herkunft der Studenten - je zur Hälfte aus Sachsen sowie dem Ausland und den alten Bundesländern - aufzählt. „Das ist doch interessant! Können Sie das näher erläutern?“ Ein paar Schritte weiter, im Hörsaal, vertieft sich die Mutter umgehend in einen Vorlesungsplan. „Was ist das für eine interessante Zeitangabe?“, will sie wissen. „Und finden alle Vorlesungen in diesem Gebäude statt?“

          Das mehr als finanzielle Interesse der Eltern am Studium ist ein Phänomen, auf das sich immer mehr Universitäten einstellen. Unis wie Frankfurt organisierten im Mai einen „Elternsprechtag“, in Kassel gab es bereits im Januar einen Elternabend (“Mein Kind will studieren“) und in Aachen Vorträge zum Thema „Was muss ich als Mutter/Vater bei der Studienentscheidung meines Kindes beachten?“. „Eltern beteiligen sich heute generell stärker“, sagt Stefan Grob vom Deutschen Studentenwerk. „Für viele ist das Studium ein Projekt, das sie gemeinsam mit ihren Kindern angehen.“ Und das mit aller Konsequenz: Mütter und Väter kommen mit zur Erstsemesterbegrüßung, zur Wohnheimplatzvergabe und zum Bafög-Amt.

          Viele junge Studenten sind unselbständiger geworden

          Was diesen Eltern selbst seinerzeit sicher noch peinlich gewesen wäre, ist für ihre Kinder heute selbstverständlich. Das Verhältnis zwischen den Generationen sei heute eher partnerschaftlich, sagt Grob. Zudem seien die Studenten wegen des G8-Abiturs und des Wegfalls der Wehrpflicht immer jünger und durch die Umstellung auf Bachelor heute bereits mit 21 Jahren Absolventen - ein Alter, in dem früher das Studium gerade einmal ernsthaft anfing. „Die Abnabelung vom Elternhaus findet jetzt häufig erst nach dem Studium statt“, sagt Grob. Mit der Folge, dass viele Eltern wie selbstverständlich die Angelegenheiten ihrer volljährigen Kinder in die Hand nehmen - und die finden das auch noch bequem. „Boomerang kids“ nennt man diesen Nachwuchs in den Vereinigten Staaten, weil er immer wieder nach Hause kommt. Eltern, die zu viel Anteil am Leben der Kinder nehmen, haben ebenfalls ihren eigenen Terminus: „Helicopter parents“ - weil sie beobachtend über den Sprösslingen kreisen.

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