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Veröffentlicht: 17.03.2017, 12:35 Uhr

Sportinternat 20 Kilometer auf der Loipe

Gina kommt aus der Eifel und besucht in Thüringen ein Sportgymnasium. Denn die Schülerin ist ein Skilanglauf-Ass und kann fern der Heimat besser trainieren.

von Caroline Jüngermann, Megina-Gymnasium, Mayen

Was haben Andrea Henkel, Jens Filbrich und Manuela Henkel gemeinsam? Sie sind erfolgreiche Sportler, die im thüringischen Oberhof trainierten, und Idole der Skilangläuferin Gina-Marie Puderbach, die seit einem halben Jahr auf den Loipen ihrer Vorbilder fährt. „Skilanglauf ist in meiner Heimat eine relativ seltene Sportart“, sagt das aus Anschau in der Vordereifel stammende, blonde Mädchen. Vor ihrem Wechsel auf das Sportgymnasium Oberhof betrieb sie schon sechs Jahre lang Leistungssport. „Mit drei Jahren stand ich das erste Mal auf Skiern“, sagt die 16-Jährige stolz. Ihr Vater hat sie früh an den Sport herangeführt. Sie fuhren auf der Hohen Acht, dem mit 747 Metern höchsten Berg der Eifel. Bei einer Skifreizeit entdeckte sie ihre Freude an dem Sport, gewann regionale Rennen und konnte so am Nachwuchstraining des Skiverbandes Rheinland teilnehmen.

Im Sommer wird auf Asphalt gerollert

Wie trainiert man in der Eifel eine Sportart, die eine dichte Schneedecke voraussetzt? „Grundlage für den Sport ist erst einmal eine gute Ausdauer.“ Die könne man mit Laufen steigern, die Technik kann mit Rollski verbessert werden. Dabei verwendet man Holme, die etwas kürzer als Langlaufski sind, aber zusätzlich an den beiden Enden von Rollen getragen werden. So kann im Sommer auf Asphaltboden „gerollert“ werden. „Man hat auch spezielle Schuhe, die man in den Bindungen in der Mitte einrastet.“ Beim klassischen Rollskilauf werden sie vorne fixiert, die Ferse bleibt beweglich, „damit man sich abdrücken kann und nicht wegrutscht“. Neben der klassischen Technik kann der Schuh auf beiden Seiten fixiert werden, dann wird vom Skating gesprochen. „Das kennt man vom Biathlon, der im Fernsehen läuft.“ Die Sportler führen dabei schlittschuhartige Bewegungen aus und stoßen sich wie beim klassischen Stil mit Skistöcken ab.

Olympiastützpunkt für Skilanglauf

Seit dem Schulwechsel auf das Sportinternat in Oberhof, einen Olympiastützpunkt für den Skilanglauf, bieten sich für Gina neue Möglichkeiten: Sie trainiert in einer kleinen Gruppe mit anderen Leistungssportlern und ihrem Trainer. Dabei nutzen sie ein Kraftstudio: „Man muss für den Skilanglauf ziemlich viele verschiedene Muskelgruppen trainieren.“ Es gibt einen wöchentlich wechselnden Trainingsplan, der Krafttraining mit Medizinbällen und Radfahren beinhaltet. Jeden Tag trainiert Gina mindestens dreieinhalb Stunden. Daheim wäre das nicht möglich gewesen. „Dort musste ich erst zu speziellen Trainingswegen gefahren werden, um dort zu rollern.“ In Oberhof sind die Wege zum Training zu Fuß erreichbar. Die Schule ist an den Wintersport angepasst: Damit die Sportler in der Hauptsaison entlastet werden, schreiben sie vor und nach dem Winter mehr Klausuren. Der Stoff ist nicht reduziert, sondern anders verteilt. Die Schule beginnt früher, endet manchmal vormittags, so kann zweimal am Tag trainiert werden. Statt der in Thüringen üblichen zwölf Jahre Schule besuchen die Sportler sie ein Jahr länger bis zum Abitur.

220 Kilometer in drei Tagen

Gina gefällt die Gemeinschaft. „Man wird von den anderen mitgezogen, aber man kann sich auch einfach unterhalten, weil es Gleichaltrige sind.“ Mit ihr trainieren die besten Sportler ihrer Altersklasse deutschlandweit. „Das nimmt mir die Angst vor den Rennen, weil ich weiß, wie ich stehe.“ Bei den Wettkämpfen müssen sie Strecken von 1,5 bis 20 Kilometer auf Skiern laufen. „Bis jetzt war ich im Sprint und in der Mittelstrecke besser“, sagt sie, doch das kann sich mit dem intensiveren Training ändern. An einem Wochenende reiste ihre Gruppe nach Fläming bei Berlin, um auf Radwegen in drei Tagen 220 Kilometer zurückzulegen. „Durch die Wettkämpfe und das Training reist man viel und lernt viele neue Leute kennen, das ist schon sehr cool.“ Der Energieumsatz steigt. „An einem Tag verbrennen wir bis zu 1000, 2000 Kalorien zusätzlich.“ Einen Ernährungsplan muss Gina nicht einhalten: „Ich esse viel Obst, aber auch ab und zu Schokolade.“ Bei Wettkämpfen habe sie es in der letzten Saison ein paarmal unter die besten sechs geschafft. Später möchte sie studieren, vielleicht Medizin: „Leistungssport kann man nicht ewig betreiben, es ist eine tolle Sache, man erlebt viel, trotzdem muss man an später denken.“

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