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Veröffentlicht: 26.04.2017, 13:55 Uhr

Schulprüfung Ohne Förderkurs besteht kaum jemand die Prüfung

Nach sechs Jahren Grundschule brüten nervöse Schweizer Kinder über dem Aufnahmetest zum Gymnasium. Das ist nur ein erster Kraftakt Richtung Matura.

von Manuel Zeier, Kantonšschule Zürcher Oberland, Wetzikon

Von seinem Feriengeld von 84 Franken hat Tim bereits drei Siebtel aufgebraucht. Vom Rest plant er, zwei Drittel für einen neuen Fußball auszugeben. Zu seiner Überraschung kostet der Fußball weniger als erwartet. Nach dem Kauf hat er noch 20 Franken von seinem Feriengeld. Wie viele Franken ist der Fußball günstiger als erwartet?“ Einmal im Jahr, in der ersten Märzwoche, herrscht im Schulzimmer Totenstille, und nervöse Kinder sitzen an ihren Tischen. Der eine zerbricht sich den Kopf über dieser Aufgabe. Die andere wischt sich ihre schwitzenden Hände an der Hose ab. Eine dritte Schülerin schaut verunsichert auf ihren Glücksbringer und hofft das Beste.

Nach sechs Jahren Grundschule entscheiden die Kinder im Alter von etwa zwölf Jahren in diesem Moment über ihre Zukunft. In der Mathematikprüfung müssen die Schüler Geometrie- und Satzaufgaben lösen, im vergangenen Jahr zum Beispiel die obengenannte. Im Fach Deutsch müssen sie einen Aufsatz schreiben, ihr Verständnis eines Textes unter Beweis stellen und Grammatik- und Wortschatzübungen lösen. Diese Prüfungen finden für die Primarschüler alle an einem Tag statt.

Diese coolen Typen gibt es selten

Im Kanton Zürich gibt es jährlich Aufnahmeprüfungen fürs Gymnasium. Es ist der direkteste Weg, um später studieren zu können. Anstatt die Sekundarschule im Dorf zu absolvieren, wollen diese Kinder ins Gymnasium. „In diesen Stunden lastet ein unglaublich großer Druck auf den Schülern“, sagt Martin Zimmermann, „es gibt selten diese coolen Typen, die einfach in den Raum spazieren und die Prüfung gelassen schreiben.“ Er ist Rektor der Kantonsschule Zürcher Oberland, einem von 28 Gymnasien im Kanton. Während sein Hemdkragen über dem weinroten Pullover zum Vorschein kommt und er sich seine schwarze Brille richtet, sieht er aus wie der typische Rektor. Überdies ist er Koordinator der kantonalen Aufnahmeprüfungen. In dieser Funktion sorgt er unter anderem dafür, dass die Prüfungen rechtzeitig geschrieben und gedruckt werden. Die Aufgaben erstellt eine Kommission aus Primar-, Sekundar- und Gymnasiallehrern. Danach werden diese von einer anderen Kommission begutachtet. Denn von der Prüfung hängt schließlich die Zukunft von mehr als 2000 Schülern ab.

Ist das nicht übertrieben?

„Diese Arbeit erstreckt sich über ein ganzes Jahr. Der Prozess ist sehr intensiv, weil vieles ausprobiert, überarbeitet, verworfen, neu formuliert und wieder überprüft werden muss“, erklärt Martin Studer, Mitglied der Kommission, die die Prüfung erarbeitet. „In der Entstehungsphase der Sprachprüfung gibt es immer wieder Aufgaben, die selbst bestandene Mittelschullehrer und Mittelschullehrerinnen nicht den Erwartungen entsprechend lösen können. Solche Aufgaben ersetzen wir dann natürlich durch andere, weil wir ja eine stufenadäquate Prüfung anstreben.“ Ist es denn nicht übertrieben, die zukünftige Karriere eines Menschen von einer Prüfung im Alter von zwölf Jahren abhängig zu machen? „Das ist eine der Möglichkeiten, die Sache zu betrachten, es gibt überall im Leben solche Grauzonen“, sagt Martin Zimmermann, „die Prüfungsergebnisse werden aber mit den Vornoten ergänzt; so wird dieser Faktor etwas gedämpft. Aber sollte ein Schüler die Prüfung vielleicht mit Glück bestehen, gibt es immer noch die Probezeit“, relativiert er die Situation.

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