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Schüchterne Männer : Die Verführer aus dem Seminarraum

  • -Aktualisiert am

Vielleicht helfen Blumen Bild: ddp

Frauen anzusprechen, fällt vielen Männern schwer. In einem „Pick Up“-Kursus sollen sie zu Verführern werden und lernen, wie man Telefonnummern sammelt. Der Trainer selbst ist offenbar erfolgreich. Er hat eine Beziehung und „nebenher noch andere Geschichten am Laufen“.

          „Progressive Seduction“ findet in „Torino“ statt. Turin ist ein Raum in einem Kölner Businesshotel, mit Teppichboden, schweren Vorhängen, Flipchart und fast leeren Eddings. Hier finden normalerweise Vertreterseminare statt. An diesem Wochenende aber treffen sich elf Männer, um zu Verführern ausgebildet zu werden. Sie wollen wie Style werden. Oder Mystery, oder Joker. Wie einer der Superhelden der Pick-Up-Szene, die von sich behaupten, jede Frau rumzubekommen, weil sie etwas begriffen haben. Die elf Männer wollen auch begreifen.

          „Pick Up“ ist ein Begriff aus Amerika, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. „Yes we can“, das lernte auch der „Rolling Stone“-Autor Neil Strauss, der über die Recherche zu einem Artikel über Pick-Up-Künstler selbst zu einer Ikone der Szene wurde. Strauss hat eine Glatze und eine große Nase, er ist schmächtig, und seine Stimme ist hoch. Im Backstage-Bereich der Schwerenöterband Mötley Crüe lernte er früher keine Frauen kennen. Seit seiner Verwandlung in den Pick-Up-Künstler Style aber hat Strauss mit vielen Frauen geschlafen und schließlich sogar die Gitarristin von Courtney Loves Band erobert. Sein Buch, das er darüber verfasst hat, heißt auf Englisch schlicht „The Game“.

          Fast alle Teilnehmer des Seminars kennen das Buch. Sie kennen auch andere Bücher wie „Lob des Sexismus“ oder „Wie Sie jede Frau rumkriegen“. Viele sind Mitglieder im Pick-Up-Forum. Dort tauschen sie Ratschläge aus: wie man fremde Frauen richtig anspricht („Opener“), wo man sie am ehesten trifft („Club Game“, „Street Game“), welches Parfüm man tragen sollte. In der Rubrik „Die Kunst der Verführung“ schreiben Mitglieder Geschichten über die „Targets“, die weiblichen Gefechtsziele, die sie mit Hilfe der Pick-Up-Kunst zum „Lay Close/Fuck Close“ bewegen. Strategieberichte aus der erotischen Kampfzone. Man muss nur ein paar Techniken beherrschen, dann besiegt sich der Feind wie von selbst.

          Wie spricht man eine fremde Frau richtig an? Darüber tauschen sich Männer im Pick-Up-Forum aus.
          Wie spricht man eine fremde Frau richtig an? Darüber tauschen sich Männer im Pick-Up-Forum aus. : Bild: ddp

          400 bis 500 Euro für ein zweitägiges Seminar

          Das Pick-Up-Forum wird von der Firma Progressive Seduction betrieben, das Unternehmen sitzt in Kronberg im Taunus und bietet neben dem Forum auch Seminare an. In Köln findet ein zweitägiger Anfängerkurs statt, erste Schritte zur „ultimativen Entwicklung zum Ladies’ Man“. Ladies’ Men: Das sind James Bond, Giacomo Casanova, George Clooney. In Köln treten an: elf Männer im Alter zwischen 20 und 45 Jahren, sie haben 400 bis 500 Euro für das Seminar bezahlt. Sie sitzen auf plüschbespannten Konferenzstühlen, trinken Kaffee und bemühen sich um eine gelassene Haltung, während sie auf Sergej Linz warten, der ihr Meister sein soll.

          „Gentlemen. Ich begrüße euch zu einem der besten Workshops eures Lebens.“ Sergej Linz hat seine Haare hoch gegelt. Er trägt ein Kangol-Freizeithemd, die breite Brust schmücken zwei Holzkettchen. Im Forum nennt sich Linz nach der ägyptischen Gottheit Ra. Linz ist ein gedrungener Kerl mit starkem Kinn und starkem Bartwuchs. Seit der Grundschule sei er ständig verliebt, zumeist in mehrere Frauen gleichzeitig. Jetzt lebe er in einer Beziehung. „Nebenher habe ich aber noch andere Geschichten am Laufen.“

          Aufgewachsen im Kölner Stadtteil Chorweiler Nord, ist seine Geschichte eine Erfolgsgeschichte: Sohn russischer Immigranten, jetzt Unternehmer und Management-Student. Er hat auch als Polizist gearbeitet. „Lügen ist zwecklos“, sagt Linz. Er läuft auf und ab und wirft den fast leeren Edding in die Luft. Er untermalt seine Worte mit Bewegung. „Körpersprache ist der wichtigste Teil der Kommunikation.“ Bei der Vorstellungsrunde sollen „die Gentlemen“ sagen, warum sie hier sind.

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