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Rolf-Joseph-Preis : In seinem Sinne erinnern

  • -Aktualisiert am

Bild: von Zubinski GbR

Der Rolf-Joseph-Preis wird an Schülergruppen verliehen, die sich mit der jüdischen Vergangenheit in Deutschland oder dem jüdischen Leben heute beschäftigen.

          Schabbat Schalom!“ Es ist Freitagabend im September und der Beginn des Schabbat. Der große helle, mit Gold und Silber verzierte Raum erstrahlt durch den riesigen Kronleuchter. Im vorderen Teil liegt die Bima, eine podestähnliche Erhöhung aus Stein. Dort befinden sich zwei Menora, die siebenarmigen Leuchter, und die Orgel sowie die Empore für den Chor. Von der Straße aus wirkt die unscheinbare Fassade des Vorderhauses wie eine beschützende Mauer. Sie birgt im Hinterhof ein Gebäude mit einem rosettenförmigen Fenster, in das ein Davidstern eingearbeitet ist. Dieses Gebäude, zu dem man durch eine Sicherheitsschleuse mit Kontrolle kommt, ist die Synagoge der liberalen jüdischen Gemeinde in der Pestalozzistraße in Berlin-Charlottenburg. Die Gemeindemitglieder freuen sich auch über nichtjüdische Besucher und erklären gerne den Ablauf eines Gottesdienstes.

          Wertvolle Begegnungen zu ermöglichen

          Auch der Holocaust-Überlebende Rolf Joseph war zeit seines Lebens Mitglied der Gemeinde. Hier lernte er vor 15 Jahren eine Klasse des Evangelischen Gymnasiums zum Grauen Kloster in Berlin kennen. Die Schüler besuchten die Synagoge mit ihrem Lehrer Albrecht Hoppe im Rahmen des Religionsunterrichtes. Rolf Joseph bot an, in die Schule zu kommen und seine Geschichte zu erzählen, und erweckte großes Interesse. Die Jugendlichen trafen sich auch außerhalb des Unterrichts weiter mit ihm und fingen an, seine Geschichte aufzuschreiben – „für ihn und für uns“, wie Simon Strauß, einer der ehemaligen Neuntklässler, heute sagt. „Längst war er da für uns zu mehr als einem Geschichtenerzähler geworden, hatte einen ganz eigenen Platz im Leben eines jeden von uns eingenommen. Irgendwo zwischen liebgewonnenem Großvater und bewundertem Lebensidol.“ Strauß ist Teil der sechsköpfigen „Joseph Gruppe“. Nach einigen Jahren schrieb sie die Lebensgeschichte Rolf Josephs als Buch nieder und veröffentlichte es mit Hilfe des schulischen Fördervereins. Um die Erinnerung an ihn wachzuhalten und seinem Erbe als Mittler gerecht zu werden, wurde nach Josephs Tod im November 2012 der Rolf-Joseph-Preis gestiftet, damit andere Schüler ähnlich wertvolle Begegnungen mit jüdischem Leben machen können. So entstand ein Wettbewerb, bei dem Acht- bis Zehntklässler dazu motiviert werden, sich mit dem Judentum damals und heute auseinanderzusetzen.

          Hinter jedem Stein steckt ein Schicksal

          Die zehnte Klasse des Gymnasiums zum Grauen Kloster, die im vergangenen Jahr den Preis gewonnen hat, wurde bei einer Stolpersteinverlegung von Albrecht Hoppe motiviert, sich am Wettbewerb zu beteiligen. Dafür beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler mit der jüdischen Familie Lipsky. Sie wurde zur Zeit des Nationalsozialismus aus Berlin deportiert und getötet. Lediglich eine Tochter, die vorher aus Deutschland geflohen war, überlebte. So war es möglich, dass Nachkommen der Lipskys der Stolpersteinverlegung beiwohnten. „Man soll innehalten und sich herunterbeugen, um die Inschriften zu lesen. Hinter jedem Stein steckt ein Name, ein Schicksal und das Leben eines Menschen. Man soll demnach mit dem Herzen stolpern“, erklärt Claudia Syll, die Mutter einer Schülerin der teilnehmenden Klasse. Um den Schülern Geschichte greifbar zu machen, hatte sie der Lehrerin eine Stolpersteinverlegung gegenüber der Schule vorgeschlagen, wo die Lipskys einst wohnten.

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