http://www.faz.net/-gum-8wz46
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F+ Icon
F.A.Z. PLUS
abonnieren
Best Ager - Für Senioren und Angehörige

Veröffentlicht: 26.04.2017, 13:17 Uhr

Rettungssanitäter Rettungssanitäter sind in drei Minuten abfahrbereit

Andrea Meier und ihre Kollegen des Schweizer Kantonsspitals verschaffen sich zügig einen Überblick. Aber nicht alle Patienten möchten sich helfen lassen.

von Jael Meier, Kantonsschule Zürcher Oberland, Wetzikon

Das plötzliche Piepsen reißt die sechs Rettungssanitäter aus ihren Gedanken. Zwei Männer und zwei Frauen in gelbroten Leuchtjacken und -hosen gehen zügig-diszipliniert die Treppe in die Fahrzeughalle hinunter. Darunter ist Andrea Meier. Die 30-Jährige arbeitet seit zwei Jahren als diplomierte Rettungssanitäterin im Kantonsspital Schaffhausen. Davor war sie als Pflegefachfrau im Krankenhaus in Winterthur. Als sie die Ausbildung zur Rettungssanitäterin an der Höheren Fachschule in Zofingen beendet hatte, ging sie nach Schaffhausen, wo sie in einer WG lebt.

Reglos in der Wohnung

Ein Mann liegt regungslos in seiner Wohnung wenig außerhalb von Schaffhausen. Die Polizei ist schon vor Ort, lautet die Mitteilung der Sanitätsnotrufzentrale in Zürich. Auf dem Übersichtsplan, der im Vorraum der Halle am Kantonsspital auf einem Bildschirm zu sehen ist, verschaffen sich die Schaffhausener Rettungssanitäter einen Überblick, wo sie hinmüssen. Mit dem Fax in der Hand, das im gleichen Augenblick angekommen ist und über die Art des Einsatzes informiert, zieht sich die rothaarige Frau schwarze, hochgeschnürte Einsatzstiefel an und springt auf den Fahrersitz des gelbroten Rettungswagens. Ihr Kollege nimmt den Platz neben ihr ein. Zwei weitere Sanitäter steigen in einen zweiten Rettungswagen ein. Vom Piepen bis jetzt sind nicht einmal drei Minuten vergangen. „Das ist auch gut so, denn nach drei Minuten müssen wir ausgerückt sein“, sagt Andrea Meier, stellt Blaulicht und Sirene an und gibt Gas. „Bis zum Einsatzort dürfen wir nur 15 Minuten haben.“

Der Bezirksarzt stellt den Totenschein aus

Am Einsatzort ist es wichtig, dass alle genau wissen, was sie machen müssen. „Während eines Einsatzes bildet man zu zweit ein Team“, erklärt Meier. Dieses Mal ist sie fürs Fahren und Bereitstellen der Trage zuständig, ihr Kollege ist für die Behandlung und Betreuung des Patienten zuständig. Als die vier Rettungssanitäter nach einer Stunde zurückkehren, informieren sie die zwei zurückgebliebenen Kollegen, was passiert ist. „Er war schon seit einem Tag verstorben, als wir gekommen sind.“ Als die Vier dies feststellten, informierten sie den Bezirksarzt, der den Totenschein ausstellen muss. Die Polizei, die schon vor Ort war, klärte ab, ob man von einer natürlichen Todesursache ausgehen konnte. „Wir können nur klären, wann er gestorben ist. Alles Weitere müssen die Polizei und der Arzt klären“, sagt Andrea Meier.

Zur Entspannung ins Engadin

„Die unregelmäßigen Arbeitszeiten sind die Schattenseiten an meinem spannenden Beruf.“ Sie muss jedes zweite Wochenende und jeden zweiten Feiertag arbeiten. „Es ist schwierig, sich mit Freunden zu treffen, da diese oft nur am Wochenende frei haben. Doch dafür kann ich unter der Woche shoppen gehen ohne die große Menschenmasse.“ In ihrer Freizeit geht sie gerne mit ihrem Freund biken, wenn sie Zeit haben, fahren sie ins Engadin. Einmal in der Woche geht sie in eine Kletterhalle. Als Rettungssanitäterin muss sie fit sein, denn das medizinische Gerät und der schwere Einsatzrucksack wiegen etwa 20 Kilogramm. „Weil ich nicht so einen muskulösen Körper habe, muss ich schon aufpassen, dass ich mich fit halte“, sagt die schlanke Frau grinsend.

„Für mich war das ein Wunder“

„Im Durchschnitt haben wir pro 24 Stunden elf Einsätze. Das Spannendste an meinem Beruf finde ich, dass jeder Einsatz anders ist. Während unserer Einsätze behandeln wir alle Altersgruppen, von Säuglingen bis zu hochbetagten Menschen. Und dann gibt es aber auch noch Einsätze, da ist viel los“, sagt sie begeistert. „Wir hatten einmal einen Einsatz, da hieß es, eine junge Frau sei von einem Zug überfahren worden. Da denkt man natürlich, jetzt kommt etwas ganz Schlimmes auf einen zu“, berichtet sie. „Als wir am Unfallort ankamen, konnten wir die Frau, die sich nur das Schlüsselbein gebrochen hatte, bergen. Für mich war das ein Wunder.“ Nicht alle Einsätze nehmen so ein gutes Ende. „Die wirklich schlimmen Einsätze sind die, bei denen Kinder sterben. Doch das habe ich zum Glück noch nie erlebt“, gibt sie erleichtert zu. Aber auch die harmlosen Einsätze seien nicht immer schön, nicht alle Patienten wollen sich helfen lassen. „Es kann schon vorkommen, dass wir mit verbaler und körperlicher Gewalt konfrontiert werden. Aber solche Situationen sind selten.“

Putzen und schnell essen

Ihr Arbeitstag dauert zwölf Stunden. Wenn sie gerade keinen Einsatz hat, muss sie die Einsatzprotokolle in den Computer übertragen. Ferner ist jeden Tag eine bestimmte Aufgabe zu erledigen. Heute ist das Putzen des Wagens an der Reihe. „Hier muss alles geputzt werden, was irgendwie angefasst werden kann.“ Während dieser Arbeit muss sie aber immer ausrückbereit sein. Der Rettungsdienststützpunkt ist ein unscheinbares, graues Gebäude, das wenig einladend aussieht. Innen fällt auf, wie sauber und aufgeräumt alles ist. Es gibt eine Küche, eine Sitzecke mit Fernseher und kleine Ruheräume mit Betten für die Nachtschicht. „Man muss aber schnell essen, denn wenn ein Einsatz kommt, ist nachher alles wieder kalt“, sagt Meier lächelnd.

Sohn Jack Oscar geboren Jason Statham ist Vater

Jason Statham und Rosie Huntington-Whiteley sind Eltern geworden, Serien-Star Johnny Galecki verliert seine Ranch durch ein Buschfeuer, und Krimiautorin Nele Neuhaus hat heimlich ihren Partner geheiratet – der Smalltalk. Mehr 0

Frankfurter Allgemeine Stil auf Facebook
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden
Zur Homepage