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Veröffentlicht: 17.03.2017, 12:56 Uhr

Radsport Jedes Jahr fährt er 16 000 Kilometer auf dem Rad

Abstrampeln für eine mögliche Profikarriere: Junior-Vizeweltmeister Niklas Märkl über Radrennen, engagierte Eltern und sein großes Ziel, die Tour de France.

von Sarah Laible, Heinrich-Heine-Gymnasium, Kaiserslautern
© Studio Zubunt

Das Thermometer zeigt 40 Grad, als Niklas Märkl nach knapp drei Stunden als Zweiter der Junior-U-19-Straßenrad-WM 2016 das Ziel erreicht. Bei 136 gefahrenen Kilometern ist das eine Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 45 Stundenkilometern. Der Halbinselstaat Qatar, der wie ein Zipfel mitten in den Persischen Golf ragt, war zum ersten Mal Austragungsort der Straßenrad-WM. Die Rennstrecke führte die 185 Athleten durch die Hauptstadt Doha und wüstengeprägte Landschaften. Tausende Fans jubelten hinter weißen Barrieren. Niklas Märkl und sein Team, bestehend aus Nationaltrainer, Physiotherapeut, Mechaniker und vier weiteren Radsportlern, waren eine Woche vor dem Startschuss im Ritz-Carlton-Hotel in Doha ankommen.

Wenn der erst 17-Jährige aus Queidersbach in der Westpfalz von seinem bisher bedeutendsten Erfolg im Oktober 2016 erzählt, merkt man, dass er eine gewisse Reife entwickelt hat. „Während des Wettkampfs denke ich nur an das Ziel. Das ist es, was mich antreibt“, sagt Märkl, der als die große deutsche Nachwuchshoffnung im Straßenradsport gilt. Er hat dunkelbraunes Haar, das sein markantes Gesicht schmal wirken lässt, und blaue, tiefliegende Augen.

Seit er sechs ist, trainiert er eisern

Seit er sechs Jahre alt ist, trainiert er fünf- bis sechsmal in der Woche für sein großes Ziel: die Tour de France. Der große, schlaksige Radsportler besucht zurzeit das Heinrich-Heine-Gymnasium in Kaiserslautern, das talentierte Leistungssportlerinnen und Leistungssportler fördert. Den Spagat zwischen Schule und Sport bekommt Niklas einigermaßen gut hin. Viele Lehrer nehmen darauf Rücksicht, dass er nach Schulschluss noch stundenlang trainieren muss. Manche von ihnen waren früher selbst erfolgreiche Sportler und können sich daher gut in seine Lage versetzen. „Ohne die Unterstützung der Lehrer wären Schule und Sport kaum unter einen Hut zu bringen.“ Er weiß, dass Talent allein nicht reicht. Wer nicht bereit ist, die nötige Fleißarbeit zu leisten, wird auf die Dauer nicht erfolgreich sein. Besonders im Winter, wenn der eiskalte Fahrtwind ins Gesicht peitscht, muss man die Zähne zusammenbeißen. Innerhalb eines Jahres legt er in seinen Trainingseinheiten etwa 16 000 Kilometer zurück – das ist in etwa der Luftlinienweg von Berlin nach Sydney.

Funktionieren wie eine gut geölte Maschine

Trainer und Unterstützt wird er von seinen Eltern, die auch in Doha am Straßenrand mitjubelten. „Meine Eltern sind eine große Stütze, vor allem emotional.“ Als Radsportler muss man nämlich wie eine gut geölte Maschine funktionieren. Das gilt vor allem vor und während des Wettkampfs. „Für mich ist es einfacher, Rennen zu fahren, wenn ich weiß, dass meine Eltern mir den Rücken freihalten.“ Auch sonst kümmern sich seine Eltern um das Drumherum: Sie fahren ihren Sohn zu den Wettkämpfen und sorgen sich um das Equipment. Sein Vater, der eine Kfz-Werkstatt besitzt, war früher selbst begeisterter Radsportler und ist heute Radsporttrainer am Heinrich-Heine-Gymnasium. Kann man vom Radsport leben? Der frischgebackene Junior-Vizeweltmeister schmunzelt: „Man kann sich zwar seinen Lebensunterhalt verdienen, auch gut verdienen, aber man kommt in der Regel nicht an die Gagen gutbezahlter Bundesliga-Profis heran. Mehrere Wohnungen oder einen Ferrari sein Eigen nennen zu können ist ziemlich schwer zu erreichen. Aber wenn das so weiterläuft wie bisher, dann könnte es vielleicht doch klappen.“

Das kostet im Jahr rund 25 000 Euro

Allerdings muss eine Menge Geld und Zeit investiert werden. Vor allem die Aero-Ausrüstung, die den Luftwiderstand minimiert, ist teuer. Allein das Zeitfahrrad, das Niklas für die Disziplin Einzelzeitfahren benötigt, kostet 10 000 Euro, das „normale“ Rennrad für die langen Strecken 8000 Euro. Hinzu kommen Sprit- und Versorgungskosten bei Wettkämpfen. Innerhalb eines Jahres belaufen sich seine Ausgaben auf etwa 25 000 Euro. „Vieles bekomme ich von meinen Sponsoren bezahlt, wie zum Beispiel die Ausrüstung. Den Rest finanzieren meine Eltern. Ein kleines Taschengeld verdiene ich auch. Wenn ich ein gutes Wochenende habe, gehe ich mit 150 bis 200 Euro Prämiengeld heim.“

Geld ist aber nicht der Grund, warum er täglich viele Stunden auf dem Rad verbringt. Wenn er den Startschuss hört, ist es so, als ob sich ein Hebel umlegt: Der Puls wird schneller, der Atem flacher und die Anspannung löst sich. Das ist echtes Radler-Herzblut, was dann durch die Adern pulsiert. Auch bei der Siegerehrung in Doha, als er zwischen dem Sieger aus Dänemark und dem Drittplazierten aus der Schweiz stand, sah man ihm diese Leidenschaft für den Sport an. Die Siegerehrung nahm die 71 Jahre alte Radfahrlegende Eddi Merckx vor. „Das war ein sehr besonderer Augenblick für mich“, strahlt Niklas.

Sogar auf der Toilette nicht aus den Augen gelassen

Unmittelbar nach der Einfahrt ins Ziel wurde er von einem sogenannten Chaperon, einem Helfer des Anti-Doping-Kommissars, in Empfang genommen und zur Doping-Kontrolle begleitet. Er und die anderen zwei Sieger mussten Urin- und Blutproben abgeben. „Ich werde sogar auf der Toilette nicht aus den Augen gelassen. Die Kontrollen sind sehr streng und gründlich. Für viele wäre das ein großer Eingriff in die Privatsphäre. Aber es gehört nun einmal dazu, man gewöhnt sich dran.“ Die vielen Kontrollen sind nicht ungerechtfertigt. Der Radsport sticht mit besonders vielen Doping-Fällen hervor. „Doping ist ein absolutes No-Go. Für mich ist es wichtig, den Fairness-Gedanken des Sports aufrechtzuerhalten.“ Im Sommer will er sein Fachabitur machen. „Danach will ich ins Development-Team und dann Profi werden“, sagt er mit zuversichtlicher Stimme.

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