http://www.faz.net/-gum-8mnzz

Puppenspiel : Hauke Haien erwacht in Lübeck zum Leben

  • -Aktualisiert am

Zwei Puppenspieler ziehen die richtigen Fäden und widmen sich dem Figurentheater. Seit Schulzeiten möchten sie eine Illusion schaffen, die andere verzaubert.

          Das Licht in dem kleinen Saal des Figurentheaters Lübeck geht langsam aus, so dass die letzten Gespräche im Publikum verstummen. Ein Scheinwerfer geht an und beleuchtet eine Marionette, einen alten Mann mit großer Nase und faltigem Gesicht. Er sitzt auf einer kleinen alten Holzkiste. Vor ihm steht größere Holzkiste, auf der sein Arm liegt. Zuerst bewegt sich nur seine Hand, dann der ganze Arm und im Anschluss auch der Kopf. Im Zusammenspiel mit der Stimme des Puppenspielers erwacht die Marionette endgültig zum Leben und murmelt ein paar mathematische Formeln vor sich hin.

          Mit Elan, Energie und viel Poesie

          Während diese Puppe Berechnungen durchführt, die zum Bau eines neuen Damms nötig sind, fliegt von der gegenüberliegenden Seite der Bühne voller Elan und Energie eine weitere Marionette heran: Hauke Haien. Seine großen, extremen Bewegungen bringen seine Frische und Jugendlichkeit zur Geltung, die im Gegensatz zu dem Verhalten des alten Mannes steht. Mit diesem kleinen Auszug aus Theodor Storms „Der Schimmelreiter“ beginnt die Vorführung des Stückes „Poesie der Theaterfiguren“ im Lübecker Figurentheater, das Stephan Schlafke und seine Frau Silke Technau in der heutigen Form seit neun Jahren betreiben. Das beschauliche Figurentheater befindet sich neben dem Theaterfigurenmuseum in einer kleinen Gasse der Lübecker Altstadt. In den historischen Backsteinhäusern, die im 16. Jahrhundert erbaut wurden, werden das Puppenspiel und dessen Traditionen seit 30 Jahren erfahrbar gemacht. Dass es Stephan Schlafke und Silke Technau an diesen Ort führte, ist kein Zufall.

          Schüler-AG und später die Amateurbühne

          Schon vor 40 Jahren, gleich nach dem Abitur, fing Silke Technau das Puppenspielen an, arbeitete mit verschiedenen Regisseuren und älteren Puppenspielern und eignete sich so ihr heutiges Wissen an. Stephan Schlafke entdeckte seine Begeisterung für das Puppenspiel schon früher. Bereits während der Schulzeit nahm er an einer Arbeitsgemeinschaft teil und eröffnete nach dem Abschluss mit ein paar Freunden eine Amateurbühne. Beide haben eine umfassende Ausbildung, die sie sich unter anderem mit Seminaren zu Bau und Spiel und Sprecherziehung zusammengestellt haben. Heute ist Figurenspiel sogar ein eigener Studiengang in Berlin oder Stuttgart. Das Lübecker Puppentheater betreiben sie hauptberuflich. Von den Einnahmen können Stephan Schlafke und seine Frau leben.

          Häufiges Umgreifen schadet dem Spielfluss

          Das Repertoire, mit dem Stephan Schlafke und Silke Technau arbeiten, reicht von Stabmarionetten über Handpuppen bis hin zu Kaukautzky-Puppen. Im Unterschied zu Stabmarionetten braucht man für jede Fadenmarionette einen Spieler - und damit ein ganzes Puppenspieler-Ensemble, was nicht immer finanzierbar ist. Eine Marionette müsse mit mindestens neun Fäden ausgestattet sein, um sie lebendig wirken lassen zu können, erklärt Schlafke. Jedoch zählt auch eine Puppe mit einem einzigen Faden am Körper schon als Marionette. Nach oben hin ist der Anzahl der Fäden kaum eine Grenze gesetzt, doch wird es mit zunehmender Anzahl an Fäden auch schwerer, die Bewegungen der Puppe real zu gestalten. Durch häufiges Umgreifen der Fäden geht der Spielfluss verloren.

          „Tote Materie zum Leben erwecken“

          Bei Kaukautzky-Puppen hängt sich der Spieler den Körper der Puppe um den Hals und leiht ihr sein eigenes Gesicht, sodass seine Mimik die Puppe noch realer agieren und reagieren lässt. Die Hände der Puppe stimmen in diesem Fall entweder direkt mit denen des Puppenspielers überein, oder der Puppenspieler führt Stoffhände. In jedem Fall muss der Puppenspieler an den Hintergrund angepasst gekleidet sein, um „unsichtbar“ zu werden und nur die Puppe für sich sprechen zu lassen.

          Weitere Themen

          Du musst nicht lügen Video-Seite öffnen

          Facebook : Du musst nicht lügen

          Eigentlich sehen die Regeln von Facebook vor, dass ein Nutzer mindestens dreizehn Jahre alt sein muss. Jetzt präsentiert das Unternehmen eine Spezialversion seines Messengers für Kinder.

          „Vivre Pour Le Meilleur“ Video-Seite öffnen

          Johnny Hallyday : „Vivre Pour Le Meilleur“

          Frankreichs Elvis Presley ist tot: Johnny Hallyday wurde 74 Jahre alt. Der Rockstar füllte Fußballstadien mit seinen Konzerten. Doch er konnte nicht nur Rock, sondern auch Chanson. Im Video singt er sein bekanntes Lied „Vivre Pour Le Meilleur“.

          Topmeldungen

          Besser mieten, kaufen, wohnen : So erstklassig sind Deutschlands 1-b-Städte

          Alle wollen nach Berlin, München oder Hamburg? Wer eine Immobilie kaufen will, sollte dort nicht länger suchen. Anderswo lässt es sich komfortabler wohnen – und viel mehr Geld verdienen. FAZ.NET zeigt die attraktivsten Städte abseits der Metropolen.

          Chaos bei den Liberalen : Die unklare Kante der FDP

          Die FDP wird in dieser Wahlperiode Opposition sein. Sagt Christian Lindner. Oder vielleicht, hoffentlich, unter gewissen Umständen doch regieren. Sagen andere in der Partei. Ja, was denn nun?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.