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Pianist : Exot im Orchester

  • -Aktualisiert am

Lukas Maria Kuen sitzt am Klavier des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks. Das ist selten hierzulande, ein Pianist mit fester Anstellung.

          Ein Mittwochvormittag, kurz vor Probenbeginn, im Herkulessaal in der Münchener Residenz. Lukas Maria Kuen sitzt schon am Flügel. Einige andere Musiker, die gerade auf die Bühne kommen, gehen an ihm vorbei, begrüßen ihn, manche bleiben kurz stehen und plaudern. Lukas Maria Kuen ist mittendrin im Geschehen, und trotzdem ist er ein Exot im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Denn der 40-Jährige ist als fester Pianist beim Bayrischen Rundfunk angestellt - eine Seltenheit in Deutschland.

          Mehrere Stimmen gleichzeitig spielen

          Das Klavier hat im Orchester tatsächlich die Rolle eines Außenseiters. Lukas Maria Kuen erklärt: „Das Klavier im Orchester gibt es eigentlich erst von ungefähr 1900 an, in der sogenannten klassischen Moderne.“ In dieser Zeit hätten Expressionisten wie zum Beispiel Bartók und Strawinsky, die auch selbst Pianisten waren, versucht, den Orchesterapparat zu erweitern und dabei auch das Klavier eingesetzt, so Kuen. Nach dem Ersten Weltkrieg hingegen habe eher eine Reduzierung der Instrumente stattgefunden, in der das Klavier dadurch wichtig wurde, dass es mehrere Stimmen gleichzeitig spielen konnte.

          In klassischen Orchesterwerken aus der Zeit vor dem 20. Jahrhundert gibt es oft keine Klavierstimme. Daher haben viele Orchester auch keinen eigenen Pianisten. In den meisten Ensembles gebe es stattdessen eine feste Aushilfe, erklärt Kuen, die dann mitspielt, wenn ein Klavier oder ein anderes Tasteninstrument benötigt wird. Er als festes Orchestermitglied muss außerdem auch bei Solistenproben und dem Vorspiel von neuen Bewerbern dabei sein.

          Dozent an der Hochschule für Musik und Theater

          Zusätzlich zu diesen Verpflichtungen ist Kuen zum Teil noch als Solist oder mit Kammermusik unterwegs. Der aus Erlangen stammende Musiker studierte von 1993 bis 2000 Klavier, Liedbegleitung und Kammermusik in München. Dort hat er heute auch eine halbe Dozentenstelle an der Hochschule für Musik und Theater. Bevor Kuen 2010 als Pianist beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks begann, spielte er in anderen Orchestern, dieses ist jedoch seine erste feste Stelle.

          Die Musik des 20. Jahrhunderts sei ihm sehr ans Herz gewachsen, sagt er. Und das Orchester spielt sehr viel von dieser modernen klassischen Musik. So kommt es auch, dass Kuen sagen kann: „Es ist eigentlich in jedem Programm mindestens ein Stück dabei, in dem ich mitspiele.“ Das ist auch dieses Mal im Herkulessaal der Fall. Auf dem Programm stehen der zweite Akt des „Nussknackers“ von Tschaikowsky und das Werk „idyl“ von Matthias Pintscher, das im Konzert am darauffolgenden Tag vom Orchester in Europa uraufgeführt wird.

          Mit dem Chefdirigenten des Cleveland Orchestra

          Im „Nussknacker“ sitzt Lukas Maria Kuen nicht am Klavier, sondern an der Celesta, einem Tasteninstrument mit einem glockenähnlichen Klang. Manchmal spiele er auch Orgel oder Keyboard, wenn das Stück es erfordere, sagt Kuen. In Pintschers Werk aber hat der Pianist ein großes Solo am Flügel. Außerdem spielt das Orchester noch das Violinkonzert des Komponisten Jean Sibelius - allerdings ohne Lukas Maria Kuen, denn in dem Stück gibt es keine Stimme für Klavier oder ein anderes Tasteninstrument.

          Dirigiert wird das Konzert von dem Österreicher Franz Welser-Möst. Er ist Chefdirigent des Cleveland Orchestra in den Vereinigten Staaten. Dort sei eine feste Besetzung für das Klavier im Orchester nicht so ungewöhnlich, sagt er, in Deutschland schon. Was das Besondere an der Rolle des Pianisten sei? „Er muss sich anpassen“, erklärt Welser-Möst. Zum Beispiel müsse der Pianist einschätzen können, wie lange ein Bläser oder Streicher, mit dem er zusammenspielt, braucht, um seinen Ton voll zu entwickeln.

          „Das ist eine etwas spezielle Geschichte“, sagt auch Lukas Maria Kuen. Dazu sei viel Erfahrung und Wissen notwendig. „Ein Geiger zum Beispiel spielt schon früh in Jugendorchestern, für Pianisten ist das aber etwas ganz Neues.“ Für Kuen ist das Spielen im Orchester eine Leidenschaft, weil es auch viel mit Kammermusik gemein habe. Der besondere Reiz dabei? „Solo und das Zusammenspiel mit anderen sind im Orchester vereint.“

          Quelle: F.A.Z.

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