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Veröffentlicht: 10.04.2017, 13:54 Uhr

Ostereimuseum Luther-Eier auf der Alb

Das Ostereimuseum in Erpfingen auf der Schwäbischen Alb stellt Tausende Eier aus. Die Ostergeschichte und die Spice Girls sind auf fragilen Schalen zu sehen.

von Alice Kruglikow, Otto-Hahn-Gymnasium, Böblingen
© Andrea Koopmann

Sonnenstrahlen durchfluten den hellen Raum. Eine kleine, hölzerne Treppe führt in die nächste Etage. Die Wände sind liebevoll mit einem zarten Blumenmuster bemalt, alle Farben perfekt aufeinander abgestimmt. Die sorgfältig ausgewählten Landschaftsbilder passen zum Inhalt der Vitrinen. In ihnen sind Ostereier. Mit Liebe zum Detail gestaltet und verziert, stehen sie zu Tausenden im Ostereimuseum des kleinen Ortes Erpfingen auf der Schwäbischen Alb. Neben der Dauerausstellung gibt es jährliche Sonderausstellungen, für die von verschiedenen Künstlern neue Ostereier angefertigt werden. Das Thema der aktuellen Ausstellung lautet: „Grün ist mein Kleid – Fantasien auf Eiern“. Und eine weitere Besonderheit ist dieses Jahr zu bestaunen, denn anlässlich des Jubiläums „500 Jahre Reformation“ wurde eine Sondervitrine gestaltet, die mit speziell für dieses Ereignis angefertigten Hühner-, Gänse- und Straußeneiern für sich allein steht: „Die Martin-Luther-Vitrine ist das Resultat einer langen Planung. Die mit Zitaten und Bildern bemalten Eier erinnern an die Reformationszeit“, erklärt Anna Barkefeld. Die gebürtige Hannoveranerin leitet seit 20 Jahren hauptberuflich das Ostereimuseum.

Kunsthistorikerin aus Tübingen

Während das Museum im Winter für seine Besucher geschlossen ist, arbeitet sie an der nächsten Ausstellung und schreibt Romane oder Kinderbücher. „Langweilig ist es hier noch nie geworden“, sagt die Kunsthistorikerin, die in Tübingen studiert hat und dann zwei Jahre am Kunstmuseum Spendhaus in Reutlingen als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig war. Als 1997 die Stelle am Ostereimuseum Sonnenbühl ausgeschrieben wurde, bewarb sie sich und bekam die feste halbe Stelle. Dabei ist die Existenz des ersten deutschen Ostereimuseums dem Zufall geschuldet. Erpfingen gehört zur Gemeinde Sonnenbühl und ist ein Luftkurort.

Mit Malkursen und Café

Für die kalten Monate gibt es auf der Schwäbischen Alb Wintersportangebote. Im Sommer können die Kurgäste wandern oder Fahrrad fahren. „Mitte der achtziger Jahre kam im Ort die Idee auf, unseren Feriengästen in der Übergangszeit von Winter zu Sommer auch ein Angebot bieten zu können. Ein paar aktive Frauen starteten deshalb einen Frühlingsmarkt und gründeten dann eine Eier-AG“, berichtet Anna Barkefeld schmunzelnd. Daraus entstand dann 1993 das Museum. Das leuchtend gelbe Gebäude, das früher mal eine Schule war und umgebaut wurde, steht Besuchern von März bis November offen. Besonders beliebt ist das Museum bei Familien mit Kindern, für die sogar Eier-Malkurse mit einer Künstlerin angeboten werden. In der obersten Etage gibt es ein kleines Café.

Der sitzt derweil im Eier-Gefängnis

Es leuchtet in einem strahlenden Rot. Die Leute zieht es immer wieder in seinen Bann, keiner der Besucher läuft einfach vorbei: Das sogenannte Coca-Cola-Ei zählt zu den beliebtesten Eiern des Museums. In den Originalfarben bemalt, steht es in einer Vitrine mit vielen anderen Eiern. Es entstand im Auftrag des Herstellers für eine Werbeaktion. Der Künstler Günther Eisen spendete es danach dem Museum. Und gleich daneben sitzt der Nikolaus. Die winzige Figur ist in einem ausgeblasenen Ei eingesperrt, die Gefängnistür, die kunstvoll am Ei angebracht ist, ist mit einem dicken Schloss verriegelt. „Denn was macht der Nikolaus über die warmen Tage? Er sitzt im Eier-Gefängnis“, lacht die Museumsleiterin. Ein paar Vitrinen weiter erzählen die bemalten Eier mit ihren Bildern die Ostergeschichte. Sie wurden auf einem dunklen Samtstoff plaziert, die Leute schauen mit großen Augen auf die kleinen, aber detailreichen Kunstwerke.

Schmuckstück der Vergangenheit

Manche von ihnen können nicht fassen, dass diese Eierschalen tatsächlich handbemalt sind. Und manche Eier sind gar nicht mehr als Eier wiederzuerkennen: Ein prunkvolles Ei fällt mit seinen goldenen Details und den blau glitzernden Steinen besonders ins Auge. Die Steine werfen das Licht zurück und das Ei glänzt in der indirekten Beleuchtung des Museums. Es sieht aus wie ein Schmuckstück aus der Vergangenheit. Ungefähr 9000 Eiern bietet das Museum ein Zuhause, die genaue Zahl weiß mittlerweile niemand mehr. Eine große Mehrheit der Eier, etwa achtzig Prozent, ist tatsächlich echt. „Das ist etwas, worauf wir auch ziemlich stolz sein können“, betont die Museumsleiterin. Die meisten Ostereier sind ausgeblasen, allerdings gibt es auch Eier aus der Anfangszeit des Museums, die noch voll sind.

Bis zu 1500 Euro

Hühnereier, Straußeneier, Enteneier, Finkeneier – es ist alles dabei. In der Dauerausstellung sind rund 1000 Eier ausgestellt, fast jedes stammt aus einem anderen Ort und aus einer anderen Zeit: So gibt es auch Eier, auf denen noch die Spice Girls zu sehen sind, und Eier, die beispielsweise russischer oder australischer Herkunft sind. Manche von ihnen sind echte Antiquitäten, die bis zu 1500 Euro kosten können. „Es ist aber schwer, sich für ein Ei zu entscheiden. Schauen Sie sich die gefrästen Eier an oder die mit den Perlen! Jedes Ei hat etwas an sich“, meint eine Besucherin beim Anblick dieser Kunstwerke. Sie kommt aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. „Während ich meine Eierschalen jeden Sonntag in den Müll werfe, gibt es tatsächlich Leute, die aus quasi Nichts etwas so Wunderschönes erschaffen.“

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