http://www.faz.net/-gum-804ul

Orchesterwarte : An der Klassik schwer zu tragen haben

  • -Aktualisiert am

Orchesterwarte des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks kümmern sich um Instrumententransport und Bühnentechnik. Das ist eine Herausforderung,

          Meine Damen und Herren des Orchesters, bitte auf die Bühne, das Konzert beginnt in fünf Minuten!“ Hinter der Bühne des Herkulessaals sammeln sich die Musiker. Durch eine Klingel aufgerufen, nimmt auch das Publikum die Plätze ein. Nicht mehr lange, und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks lässt sinnliche Töne fließen. Von Geigen, Bratschen und Trompeten über Celli, Kontrabässe und Klarinetten bis hin zu Pauke, Klavier und Harfe. Alles erklingt im Einklang, ein Schauspiel der Töne und Harmonien wird hier geboten.

          International gerne gesehen und ohne Rast ist dieses Orchester viel unterwegs. Auch in München, da das Orchester keinen eigenen Saal hat und ständig zwischen Gasteig und Residenz pendelt. „Natürlich müssen die Instrumente der Musiker mit auf Reisen und von A nach B“, sagt Martin Wosnik, ein großer, braunhaariger Mann, vor dem Konzert. „Und genau dafür gibt es uns, die Orchesterwarte.“

          Sie beobachten den Bildschirm und greifen rasch ein

          Mit der Aufgabe des Services vertraut, kommen sie mit auf Tourneen, im Gepäck die Instrumente. Auch sind sie verantwortlich für Bühnenaufbau und Technik. Auf einem Bildschirm im Büro beobachten sie das Geschehen von einem Standpunkt aus, der schnelles Eingreifen möglich macht. Die Stimmung ist heiter. „Natürlich gibt es auch ein paar Diven im Orchester“, berichtet Wosnik lachend.

          „Bei unserer Aufgabe ist Musikverständnis sowie Ahnung von Instrumenten nicht fehl am Platz.“ Etwas von der Kälte der frischen Luft frierend, reibt Wosnik seine großen Hände, um etwas Wärme in die Finger zu bekommen. „Man muss tatsächlich auch etwas von Musik verstehen und nicht nur stark sein. Die Instrumente dürfen durch das Auf und Ab und den Transport in den Kisten keinesfalls beschädigt werden. Die größten Kisten sind über zwei Meter hoch, und die schwersten kommen an 200 Kilo ran. Manche müssen da schon ins Fitnessstudio.“ Ein Arbeitskollege stößt dazu und berichtet: „Trotzdem kommt es mal zu Unfällen. Das kann ziemlich teuer werden.“

          Auch bei ihnen ist Abendgarderobe angesagt

          Noch sind die Männer in Zivil, doch während des Konzerts ist auch bei ihnen Abendgarderobe angesagt. „Wir müssen immer für einen Zwischenfall bereit sein. Vor allem, weil wir heute live auf Sendung sind, können wir nicht mit Jogginghose hinauslaufen. Das Wichtigste ist immer, dass du allen das Gefühl gibst, die Sache seriös im Griff zu haben, sowohl den Musikern als auch den Zuschauern gegenüber.“

          Jetzt steht das Konzert kurz bevor, und er beeilt sich, um noch einmal den letzten Check durchzuführen, was Bühnenaufbau und Licht angeht. Vereinzelt sitzen schon die Zuschauer auf ihren Plätzen, wahrscheinlich Stammhörer. Ein Blick zu den Musikern verrät, dass manche teils aufgeregt, teils froh sind, spielen zu dürfen. „Einmal wurde eine Musikerin mitten im Konzert ohnmächtig, zu allem Übel an einem Livetag. Raustragen, ärztliche Hilfe holen ist dann unsere Aufgabe, da ja niemand anderes da ist. Und das Ganze, während das Konzert weitergeht.“ Was für ein Job: Sicherheitsbeamter, Bühnenaufbau, Rettungsdienst, Instrumententransport und Musikerservice in einem. Und alles in einem perfekten Timing. „Einmal hatten wir nur 45 Minuten für einen kompletten Aufbau an einem anderen Ort, da der ursprüngliche Spielort kurzfristig verlegt worden war. Das sind die Momente, in denen der Stress richtig beginnt.“

          Pauken und Notenständer werden eingepackt

          Auf Reisen verläuft auch nicht immer alles perfekt. Je nach Land herrschen andere Sitten. „Zum Beispiel hatten wir einen Vorfall in den USA. Diese verbaten die Einreise mit geschützten Materialien wie Elfenbein. Und nun hatten wir so viele Instrumente, in manchen auch Spuren von Elfenbein. Von den Instrumenten musste jedes Einzelne untersucht werden. Wir taten alles dafür, dass wir trotzdem mit allen unseren Instrumenten einreisen konnten. Bis wir alle Instrumente durch den Zoll hatten, war eine halbe Ewigkeit vergangen.“

          Dann nimmt das Konzert seinen Lauf, glücklicherweise ohne einen Zwischenfall. Gespielt werden Werke von Pjotr I. Tschaikowsky, Matthias Pintscher und Jean Sibelius. Nach einem langen Beifall verabschieden sich die Künstler. Nun beginnt wieder die Arbeit der Orchesterwarte. Alles muss verpackt und verräumt werden, darunter Pauken, Noten, Notenständer und noch viel mehr. Wieder in Zivil herrscht eine angenehme Stimmung. Man spürt die Freude über den Feierabend.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Vergewaltigung als Kriegswaffe : Das Ende der Ignoranz

          Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg und Angelina Jolie wollen Frauen vor sexueller Gewalt im Krieg schützen. Ihre Initiative stellt der Nato nachträglich ein Armutszeugnis aus.

          TV-Kritik: „Hart aber fair“ : Heuchelei als Geschäftsmodell

          Abbau von Arbeitsplätzen bei Siemens, miserable Arbeitsbedingungen von Paketzustellern: Bei Frank Plasberg werden Konzerne als vaterlandslose Gesellen beschimpft. Es geht aber auch um die Verantwortung der Konsumenten.

          Schneeschmelze : Meteorologen warnen vor Hochwasser

          Der Wintereinbruch hat deutschen Straßen zum Wochenstart chaotische Zustände beschert. Nun taut der Schnee. Es droht Hochwasser. Ein Castor-Transport muss verschoben werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.