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Veröffentlicht: 26.04.2017, 13:10 Uhr

Notfallseelsorge In aller Seelenruhe

Andreas Burg bemüht sich, Dampf aus dem System zu nehmen: Der junge Pfarrer wird als Notfallseelsorger zu kleinen und großen Katastrophen gerufen.

von Johannes Heuft, Megina-Gymnasium, Mayen

Es ist Sonntagabend, Andreas Burg sitzt vor dem Fernseher, der wöchentliche actionreiche Blockbuster läuft. Dann ertönt ein lautes Geräusch. „Piiiiiiep, piiiiiiep.“ Der Funkmeldeempfänger beendet den gemütlichen Abend. Burg ist seit sieben Jahren ehrenamtlicher Notfallseelsorger. „Es kann immer irgendetwas passieren“, sagt der katholische Priester, der einen Bart und eine Brille trägt. „Vor allem nachts, dort sind statistisch gesehen die meisten Einsätze der Notfallseelsorge.“

Theologie in Trier

Der aus Reil an der Mittelmosel stammende und nun in Waldbreitbach im Landkreis Neuwied wohnende Burg, der wie sein Vater und Bruder in der Jugendfeuerwehr und später in der Feuerwehr war, studierte nach dem Abitur in Trier Theologie. Nebenberuflich fuhr er in der Zeit Krankenwagen. Über einen Studiengang des Priesterseminares lernte er die Notfallseelsorge kennen. Ein Grund dafür, dass er diesen Weg eingeschlagen habe, liege vor allem in den Werken der Barmherzigkeit aus dem 25. Kapitel des Evangelisten Matthäus, die ihn faszinieren und zum Handeln motivieren und somit auch zur Notfallseelsorge. Dabei muss er längere Strecken zurücklegen, weil sein Einsatzgebiet den Landkreis umfasst. Bis vor kurzem war er im Kreis Mayen-Koblenz tätig. Die Leitstelle der Rettungsdienste oder der Feuerwehr des jeweiligen Kreises zieht die Notfallseelsorge im Ernstfall zur Hilfe.

Rollenspiele für die Angehörigen

Dafür muss natürlich auch geprobt werden, was nicht ganz so einfach sei wie etwa bei der Feuerwehr. Doch sollte die Kooperation mit anderen Hilfskräften geübt werden, um im Notfall richtig zu handeln. „Wir üben sogenannte Großschadenslagen mit Feuerwehr und Rettungsdienst. Von der Einsatzstruktur her sind wir an den Rettungsdienst angeschlossen. Wir haben in Koblenz zum Beispiel mal ein Schiffsunglück mit einem Passagierschiff geprobt. Häufig übt man aber auch mit Hilfe von Rollenspielen und versucht gewisse Situationen nachzuspielen.“ Das Verhalten spielt gerade bei der psychosozialen Notfallversorgung, wie die Notfallseelsorge aktuell genannt wird, eine besondere Rolle, nämlich wie man den Angehörigen und Verbliebenen begegnet.

Für sie da zu sein

„Ruhig bleiben, den Überblick bewahren, ein bisschen Dampf aus dem System nehmen, versuchen, ein ruhender Pol zu sein in einer Ausnahmesituation. Es geht um Empathie. An der Seite der Menschen sein, Menschen beistehen und für sie da sein. Wir nehmen uns Zeit“, erklärt Burg. Dabei sei es nicht immer einfach, seine eigenen Gefühle in den Hintergrund zu stellen. „Natürlich hat man da Gedanken, der Fluchtreflex, den Raum verlassen zu wollen, ist natürlich da. Ich nehme Dinge mit ins Gebet, und teilweise ist es auch Überwindung“, gesteht der 33-Jährige.

Tod eines Kindes - der schlimmste Einsatz

Gerade bei schlimmen Einsätzen können sich auch persönliche und den Glauben betreffende Fragen ergeben. So beim plötzlichen Tod eines Kindes, „der bei weitem schlimmste Einsatz überhaupt“. Dabei ist der plötzliche Kindestod kein Unfall, sondern ein Kind hört von jetzt auf gleich auf zu atmen oder das Herz bleibt stehen. Die Grausamkeit dieses Schicksals ist auch für einen Nichtangehörigen nur schwer zu fassen. „Es ist einfach nur grauenhaft, man kann auch als Außenstehender nichts sagen, ist absolut hilflos, kann nichts erklären. Immer wenn Kinder beteiligt sind, verlieren wir alle unseren professionellen Abstand. Es ist ganz schwierig zu abstrahieren, bei Kindern funktionieren wir anders.“

Um das Elend ertragen zu können

Hier sind einmal mehr mentale Stabilität und Belastbarkeit vonnöten. Diese sollten vorhanden sein, wenn man Notfallseelsorger werden will, um das Elend ertragen zu können. Ebenso sollten eigene unverarbeitete traumatische Erlebnisse nicht gegeben sein. „Notfallseelsorge kann nicht jeder, weil man in Situationen hineingerät, die einfach schwer auszuhalten sind. Der Job ist es, auszuhalten und da zu sein“, erklärt Burg. Körperliche Voraussetzungen, um Notfallseelsorger zu werden, gibt es hingegen nicht. Er erzählt von einem Einsatz bei einer muslimischen Großfamilie, der es wichtig war, dass der Tote nach 24 Stunden in der Türkei beerdigt sein sollte. „Das Flugzeug war gebucht, man war dabei, die Leiche aus dem Wohnzimmer zu tragen, aber die Leiche war von der Polizei beschlagnahmt. Hieran sieht man auch einfach die Unterschiede der Kulturen. „Jede Kultur und Religion geht anders mit dem Thema Tod und Bestattung um.“

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