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Erste Hilfe 2.0 : Schüler beraten Schüler im Web

  • -Aktualisiert am

Während einer Schulung der „Juuuport-Scouts“ Bild: juuuport

Jugendliche „Scouts“ helfen über die Online-Plattform „Juuuport“ , wenn es für andere Teenager im Web brenzlig wird. Mobbingfälle zu lösen gehört zu den Hauptaufgaben.

          Ob sich das Phänomen Mobbing durch das Internet verstärkt, ist in der Wissenschaft bislang noch nicht geklärt. Viele Experten gehen aber davon aus, dass es unter Kindern und Jugendlichen inzwischen Gruppen gibt, die sich rein auf Cybermobbing konzentrieren. Da viele Jugendliche ihre Probleme und Sorgen bevorzugt unter Gleichaltrigen und vor allem über das Internet klären, entstehen Anlaufstellen für Betroffene im Internet. So zum Beispiel die Selbstschutz-Plattform „juuuport“. Hier unterstützen und beraten jugendliche „Scouts“ hilfesuchende Teenager, die Probleme im und mit dem Web haben. Hierbei sind soziale Fälle, wie Mobbing nicht das einzige Thema, auch Anwendungsfragen rund um soziale Netzwerke und sonstige Online-Dienste werden beantwortet.

          Karin Wunder leitet das Projekt der Niedersächsischen Landesmedienanstalt

          Die Niedersächsische Landesmedienanstalt initiierte juuuport von seiner Trägerin, konzipierte wurde das Projekt in der Abschlussarbeit von Karin Wunder im Studiengang Online-Redakteur an der Fachhochschule Köln. Wunder leitet auch heute das Projekt. Der Name „Juuuport“ ist eine Wortneuschöpfung aus den Begriffen “You“, “Jugend” und “Port”. „Port“ steht sowohl für den Hafen als auch für die Anschluss- und Schnittstelle. Im übertragenen Sinn symbolisiert der Hafen Sicherheit und Schutz. Um die junge Zielgruppe zu verdeutlichen, wird das “u” im Namen verdreifacht.

          „Ein Außenstehender im selben Alter ist ein toller Helfer“

          Mobbing ist für Karin Wunder kein neues, jedoch ein akutes Problem, insbesondere dann, wenn es um Cybermobbing geht: „Mobbing im Netz ist einfach schwer zu fassen, verletzende Inhalte verbreiten sich unglaublich schnell.“ Entsprechend dieser Geschwindigkeit soll „Juuuport“ Betroffenen ebenfalls schnell, anonym und vor allem vor Ort – nämlich online - Hilfe bieten. Gerade bei sensiblen Themen wie Mobbing sind spezielle Methoden gefragt, denn häufig fühlen sich Leittragende gedemütigt oder sogar schuldig, „ein Außenstehender im selben Alter ist da ein toller Helfer, denn er versteht die Welt des anderen“, erzählt Karin Wunder. Grundsätzlich soll die Online- Plattform Jugendliche dabei unterstützen ihren Umgang mit Medien, speziell mit Online-Medien zu verbessern. „Es ist wichtig, dass die „Scouts“ so viel wie möglich an der Entwicklung von „Juuuport“ beteiligt sind“, betont sie. Nur so könne die Plattform dauerhaft an die Bedürfnisse der Nutzer – egal ob „Scout“ oder Hilfesuchender – angepasst werden. Zusätzlich gebe es professionelle Richtlinien. „Die Jugendlichen wissen aber meistens selbst, was sie wollen“, sagt Wunder.

          Hilfesuchende können die Scouts online über das Forum und die Beratung kontaktieren

          Die „Scouts“ im Alter von 15 bis 22 werden von Medienpädagogen ausgebildet und setzen sich ehrenamtlich für die Hilfe von Opfern und Hilfesuchenden ein. Insgesamt arbeiten dreißig Jugendliche für die Webseite, etwa zwanzig von ihnen sind laut der Projektleiterin regelmäßig dabei und gelten als „harter Kern“ des Teams. Aktuell können sich alle interessierten Teenager aus ganz Deutschland als „Scout“ bewerben. „In der Regel eignen sich die meisten Interessenten für den Job, da sie von Grund auf sozial engagiert sind“, erklärt Wunder. Während ihrer Aktivität als „Scout“ können die Jugendlichen zur Weiterbildung fortlaufend neue Schulungen in verschiedenen Regionen Deutschlands besuchen. Die professionelle Betreuung erfolgt zentral über Karin Wunder, als „Ansprechpartnerin für alles“ und über verschiedene Betreuer aus den Bereichen Recht, Online-Beratung und Pädagogik, die ständig für die Scouts zur Verfügung stehen. Die „Scouts“ selbst verfügen über ein eigenes Intranet innerhalb von „Juuuport“. „Letztlich stehen alle Beteiligten in ständigem Austausch. Egal ob per Mail, Chat, Skype oder in Person“, betont die Projektleiterin.

          Schutz vor einem neuen Gefahrenpotenzial

          „Juuuport“ begann vor zwei Jahren als kleines Start-Up, inzwischen erhalten die Helfer täglich mehrere Hilfeanfragen über das Forum und die Einzelberatung. Auch verlieh die EU-Initiative „Klicksafe“ dem „Scout-Netzwerk“ den “klicksafe Preis für Sicherheit im Internet“. Die Idee, die hinter „Juuuport“ steckt, orientiert sich an der sogenannten „Peer to Peer“ Kommunikation und ist damit ein moderner Ansatz: Betroffene aus einer Altersgruppe unterstützen sich gegenseitig. Der Vorteil hierbei liegt darin, dass Jugendliche ab der Pubertät verhaltensrelevante Werte vor allem von Gleichaltrigen übernehmen, mit denen sie sich identifizieren können. Dieses Phänomen versucht das System von „Juuuport“ für sich zu nutzen. Momentan gehört das Portal noch zu den exotischen Anlaufstellen, zwar finden Suchmaschinen die Seite ohne Probleme, vor allem auch über Begriffe zu Mobbing, die Klickzahlen sind jedoch ausbaufähig. „Wir verzeichnen aktuell monatlich etwa 4.000 Besucherinnen und Besucher, wobei in den Schulferien die Frequenz immer etwas niedriger ist, was darauf schließen lässt, dass sehr viele Mobbing-Fälle im schulischen Umfeld ihren Anfang nehmen.“, berichtet Karin Wunder.

          Beratung im Team: „Juuuport-Scouts“ lösen Probleme im Web

          Bisher bekomme das Team jedoch positive Rückmeldung von den Nutzern und auch die „Scouts“ selbst seien mit dem Konzept zufrieden. Da es sich bei der Hilfe von „Juuuport“ um ein ausgesprochen persönliches Thema handle, sei die Erfolgsquote des Angebots nur schwer zu bewerten. Karin Wunder berichtet von Hilferufen, welche aus völlig unterschiedlichen Situation kommen: „Manchen Nutzern ist schon mit einem kleinen Tipp geholfen, andere befinden sich in selbstgefährdender Verfassung, sodass wir professionelle Hilfe holen müssen“. Ziel sei es auch, Kinder und Jugendliche mit dem „Scout“-Team online vor einem neuen Gefahrenpotenzial zu schützen. Nicht etwa nur vor heiklen Inhalten im Netz, welche von Erwachsenen verbreitet werden, sondern auch vor Jugendlichen selbst.


           


           

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