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Einsatz gegen Gewalt Einfühlsam und konsequent

 ·  Täglich bemüht sich Eric Gumlich, Konflikte und Gewalt an Schulen zu entschärfen. „Cool sein, cool bleiben“ lautet der Leitspruch des entspannten Sozialpädagogen. Aber immer wieder stößt er an seine Grenzen.

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© Hannah Samland Vergrößern Eric Gumlich ist Schulsozialarbeiter an der Gerhart-Hauptmann-Schule in Rüsselsheim

Gemeinsam mit seiner Familie wohnt er in einer Altbauwohnung im Darmstädter Martinsviertel. Das Gebäude mit dem orangefarbenen Treppenhaus strahlt Gemütlichkeit aus, vermittelt Ruhe und Wärme. Auf den ersten Blick erinnert es an „Hippie“, auf den zweiten an klassischen Schick und auch ein wenig an Nostalgie. Ganz oben, direkt unter dem Dach liegt seine Wohnung. Das Helle und die Offenheit der Räume lassen einen entspannen. Es duftet nach Kaffee. Gäste sind willkommen. Im Wohnzimmer sitzt Eric Gumlich vor seinem Bücherregel. Hinter weißen Vorhängen reicht es vom Boden bis unter die Decke und füllt die gesamte Wand mit Büchern.

Eric Gumlich ist Pädagoge, Sozialpädagoge und das aus Leidenschaft. „Ich brauche den Kontakt zu verschiedenen Menschen, die bunte Mischung machts“, sagt er. Sozialarbeit für die „Gesellschaft zur Förderung der beruflichen Bildung“ an der Gerhart-Hauptmann-Schule in Rüsselsheim, Deeskalationstraining für das „Frankfurter Kinderbüro“ und eine aktive Mitgliedschaft im Anti-Mobbing-Verein MIPS, „Mobbing-Intervention und -Prävention e.V.“, Gumlichs Berufsleben hat viele Schauplätze. „Ich möchte allen in der Schulgemeinschaft, Lehrern, Schülern und Eltern bei sozialen Fragen helfen. All meine Arbeitsfelder laufen in der Menschlichkeit zusammen.“, erklärt er und richtet sich dabei voller Energie auf seinem Hocker auf.

Motivation und Zielstrebigkeit treibt ihn an, von Hektik und Ungeduld ist nichts zu spüren. Lehrkräfte bezeichnen ihn als eine Erleichterung, das bemerkt er nebenbei und überspielt das Kompliment sogleich, indem er berichtet wie pragmatisch er sich seiner Arbeit annehme.

„Cool sein, cool bleiben“

Gumlich hat Sozialpädagogik studiert und in verschiedenen Schulen und Jugendzentren gearbeitet. Bei der Frage, was ihn an seiner Arbeit fasziniert, distanziert er sich vom Begriff der Faszination. Vielmehr berichtet er davon, wie ihn die Macht schockiert, die Menschen durch Gewaltausübung verliehen wird. „In all den Jahren Sozialarbeit habe ich viel gesehen“, erklärt er und blickt dabei nach draußen in die Sonne, um sich zu erinnern. „Jugendliche, die ihr Elternhaus verlassen, um im Heim zu leben, Kinder, die immer wieder in Prügeleien verwickelt werden und auch Schüler, die nicht nur schulmüde sind, sondern keine Lust mehr haben zu leben“, sagt er. Solche Fälle beschäftigen ihn. Voller Anspannung verschränkt er die Arme, lehnt sich zurück und atmet tief: „Die Aggression hinter all dem fällt mir auf, häufig resultiert sie aus den schwierigen Lebensverhältnissen in denen die Kinder groß werden.“

Solch dramatische Situationen möchte er durch seine Arbeit nicht nur lösen, sondern ihnen von Anfang an entgegen wirken. „Cool sein, cool bleiben“ heißt eine seiner Veranstaltungen zur Gewaltprävention, ein Leitspruch den Eric Gumlich selbst verkörpert. Ebenso wie sein Zuhause, strahlt auch er Ruhe aus. Ohne Anspannung sitzt er auf seinem Hocker vor dem vollen Bücherregal in seinem Wohnzimmer, mit beiden Beinen ruhig und fest auf dem Teppich unter seinen Füßen. Bodenständigkeit braucht er in seinem Beruf, sein Feingefühl vermag vieles zu erleichtern.

Der Sozialpädagoge versteht, was in Jugendlichen vor sich geht und versucht ihre Konflikte nachzuvollziehen. „Gerade, wenn ich negative Verhaltensmuster verändern möchte, muss ich sie thematisieren, ohne ihnen zu viel Aufmerksamkeit und Bedeutung zu verleihen, denn Nachahmung kann ja keiner gebrauchen“. Um dies zu verhindern verwendet Gumlich verschiedene Methoden, sodass die Schüler sich spielerisch an heikle Themen herantasten können. Über Spaß motiviert er sie dazu Probleme in Angriff zu nehmen und neue Perspektiven zuzulassen. „ Ich versuche eine Balance zwischen Neugier und Distanz zu erzeugen und den Schülern die Angst vor fremden oder stressigen Bedingungen zu nehmen“, erklärt er.

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