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Marco Weiss : Vom Knast in die „Bild“

Mit längeren Haaren und neuer Brille: Marco Weiss ist erwachsen geworden Bild: dpa

Marco Weiss kehrt mit seiner Geschichte dorthin zurück, wo sie in der Öffentlichkeit begann. Die Bild-Zeitung druckte an diesem Donnerstag Auszüge seiner Biografie „Marco W. - Meine 247 Tage im türkischen Knast“ vorab, das morgen im Buchhandel erscheint. Der Prozess läuft allerdings noch.

          Das öffentliche Leben von Marco Weiss begann in der Bild, und dorthin kehrt er mit einem Vorabdruck seiner Biografie nun zurück. Im April 2007 berichtete die Zeitung erstmals von einem 17-jährigen Schüler aus Uelzen, der in einem türkischen Gefängnis sitzt. Er sollte eine 13-Jährige Engländerin im Urlaub vergewaltigt haben. An diesem Donnerstag druckte die Bild vorab das dritte Kapitel seines Buches „Marco W. - Meine 247 Tage im türkischen Knast“. Obwohl der Prozess noch immer nicht zu Ende ist, spricht Marco auf zweihundert Seiten ausführlich über die Nacht mit Charlotte und sein Erlebnisse „im Knast“.

          Bis auf wenige Details kennt man den Inhalt dieses Auszuges schon, wenn man den Prozess bis hierher verfolgt hat. Spannender dürften die Kapitel „Die Drogenspritzer“, „Kopf runter“ oder „Der Terrorist ist sehr nett“ sein, in denen er den Alltag im türkischen Gefängnis schildert.

          „Sie war sauer!“

          Es ist die Sprache eines Schülers, sie klingt authentisch. Das vermeintliche Vergewaltigungsopfer Charlotte, die „aus rechtlichen Gründen“ Carolina genannt wird, „stach“ Marco in dem Fünf-Sterne-Hotel, in dem er mit seinen Eltern in der Türkei Urlaub machte, „in einer Gruppe junger Engländer, die unheimlich viel Alkohol tranken - auch die Mädels“, zunächst gar nicht „ins Auge“. Sie habe ihn „mit tief ausgeschnittenen Top“ und „einem ziemlich kurzen Jeansrock“ in der Disco angesprochen.

          Einen Abend später habe Carolina in kurzen Shorts „gesteckt“, auf das Bett gewiesen und ihn gefragt: „Willst du nicht zu mir kommen?“ Nach eindeutigen Annäherungsversuchen ihrerseits („Die will wirklich was von mir“) habe sie seine Jeans aufgeknöpft, den Reißverschluss nach unten gezogen, fast gleichzeitig ihre Shorts bis auf die Knie heruntergestreift - „als wollte sie mich überzeugen: Das gehört dir!“ Marco schreibt weiter, dass „ehe es richtig angefangen hatte“, bei ihm schon alles vorbei gewesen sei. Daraufhin hätte Carolinas Stimme vibriert und er gemerkt: „Sie war sauer!“

          Anwalt legt Mandat nieder

          Das Buch kommt an diesem Freitag in den Handel. Für Matthias Waldraff ein unmöglicher Zeitpunkt. Er ist einer der beiden Verteidiger und hat wegen der angekündigten Buchveröffentlichung sein Mandat niedergelegt. Er habe stets versucht, Schaden von Marco abzuwenden, und nun sehe er keine Möglichkeit mehr, dies zu tun.

          Verleger Carlos Schumacher vom Hamburger Kinderbuch Verlag weist Vorwürfe zurück, dass er den weiteren Verlauf des Verfahrens negativ beeinflussen könne. Schumacher geht von der Unabhängigkeit der türkischen Justiz aus. Es sei arrogant zu glauben, dass sich die Richter von dem Buch beeinflussen ließen. Außerdem habe Marco jederzeit gewusst, was der Verlag tue, und habe dem Zeitpunkt der Veröffentlichung zugestimmt.

          „Wir ziehen den Vorabdruck vor!“

          Er gibt allerdings zu, dass das Buch nun früher als geplant erscheint. Bild habe angerufen und gesagt: „Wir ziehen den Vorabdruck vor!“ Eigentlich seien alle davon ausgegangen, dass es am letzten Gerichtstermin an diesem Dienstag zum Freispruch komme. Es kam aber nicht dazu. Der Prozess wurde von den türkischen Richtern abermals um Monate vertagt.

          Die Bild-Zeitung kann die Frage nach der Verantwortung dem Verlag überlassen: „Es stellt sich für uns die Frage gar nicht, denn wir zitieren aus einem Buch, das im Handel frei erhältlich ist“, sagte ein Sprecher gegenüber FAZ.NET. Bei Amazon lag das Buch schon vor Verkaufsstart auf Platz 64.

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