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Visagistin : Ein Lächeln zaubern

  • -Aktualisiert am

Eine Visagistin hat sich auf Krebspatientinnen spezialisiert. Den Kundinnen verhilft das zu mehr Selbstsicherheit und Wohlbefinden.

          Buntstifte, Spiegel und einen Schemel, mehr hatte Irene Zepp im zarten Alter von fünf Jahren nicht nötig, um ihrem Gesicht ein bisschen Farbe zu verleihen. Gute 50 Jahre später tut sie nichts anderes, aber sie macht es professionell. Die Visagistin aus dem rheinland-pfälzischen Schalkenbach bei Ahrweiler machte ihr Hobby zum Beruf. In der Welt der Schönheit berät sie, verkauft und schminkt. Als Make-up-Artist und Fachverkäuferin in der Parfümerie Pierre in Mayen gibt sie jeder Frau die Möglichkeit, durch Tipps und Tricks mehr aus sich herauszuholen. Doch vor wenigen Jahren wurde sie nachdenklich. „Da fehlte noch ein Puzzleteil zum Glück“, erinnert sich die Natur- und Tierliebhaberin.

          Große Beunruhigung

          Was erfüllt mich? Wozu bin ich alles fähig? Was kann ich damit überhaupt anfangen? Fragen über Fragen, die sie quälten. Durch Zufall fand sie ihre Antwort: Eine gute Bekannte, die an Brustkrebs litt, begegnete ihr und war der Schlüssel zu Irene Zepps Glück. „Ich will dich schön machen, Rita!“, dachte sie sofort. Denn die erfahrene Visagistin ist der Meinung: „Eine Frau soll Frau bleiben, egal, welche Krankheit versucht, ihr die Schönheit zu nehmen.“ Eine weitere persönliche Erfahrung gab ihr schließlich den letzten Anstoß. Auch in ihrer Brust wurde ein Knoten entdeckt, der große Beunruhigung in ihr verursachte. „Gott sei Dank ist alles noch mal gutgegangen“, sagt sie lächelnd.

          Man sieht es ihr nicht an

          Nach Absprache mit ihrer Ärztin aus dem Marienhaus Klinikum Bad Neuenahr bot sie von da an Schminkseminare für krebskranke Frauen an, um deren Selbstsicherheit und Wohlbefinden trotz Haarausfall zu erhalten. „Die Frau, ihre Seele, ist und bleibt dieselbe“, sagt Irene Zepp überzeugt. Vor allem will sie damit ausdrücken, dass die Schminke nicht zum Versteck des eigentlichen Gesichts werden soll. Die Visagistin spricht dabei lieber von einer Art „Schutzmäntelchen“ oder „Tarnkäppchen“. „So kann die Frau über ihre Krankheit sprechen, wenn sie es möchte, doch man sieht es ihr nicht sofort an“, erklärt sie stolz.

          Sie vertraut ihrer Vorstellungskraft

          Und genauso, wie die Frau dieselbe bleibt, ändert sich auch nichts an der Vorgehensweise beim Schminken. Bei der Produktauswahl muss nur auf Unverträglichkeiten wie Allergien geachtet werden, doch das sei schließlich immer der Fall; das Auftragen der Schminke ist ebenfalls vergleichbar mit der Vorgehensweise bei gesunden Kunden. Daher hat die Visagistin keine speziellen Schulungen gemacht, die üblichen Pinselstriche kannte sie bereits aus ihrem Hauptberuf in der Parfümerie, wo sie ihre Seminare ebenfalls in Kooperation mit dem Mayener Krankenhaus anbietet. „Was wirklich notwendig ist als Make-up-Artist, ist Vorstellungskraft. Man muss die Frau vor sich bereits am Anfang schon so sehen, wie sie am Ende aussehen soll. Das ist vor allem bei Krebs-Patientinnen und deren Haarausfall wichtig“, erklärt sie.

          Die eine oder andere Träne

          Irene Zepps Schmink-Workshop findet großen Anklang. Nicht nur Ärzte heißen ihre Idee gut, sondern auch die Patientinnen selbst, die meist sehr emotional auf den Vorher-nachher-Effekt reagieren. „Meine Kundinnen blühen regelrecht auf, da bleibt teilweise auch nicht die eine oder andere Träne aus. Und genau das erfüllt mich: zu wissen, dass ich es geschafft habe, Frauen in solchen Situationen und mit solchen Schicksalsschlägen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.“

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