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Veröffentlicht: 23.02.2012, 08:00 Uhr

Verwaiste Kinder Jede Träne ist eine Liebeserklärung

Angela und Franziska haben ihre Mütter durch Brustkrebs verloren. Und seither ist ihr Leben auf den Kopf gestellt.

von Sarah Brajkovic, Katharina Honsberg Kantonsschule Limmattal, Urdorf
© Claudia Weikert, Labor Frankfurt Jugend schreibt

Zwei Mädchen in einem Einkaufszentrum im Westen von Zürich. Im zweiten Stock gehen sie zu einer Praxis. Angela Wafaa ist 16 Jahre alt und kommt aus der Nähe von Zürich. Sie hat wellige, dunkelbraune Haare. Ihre haselnussbraunen Augen sind durch einen dunklen Lidstrich betont, und ihr recht dunkler Teint strahlt. Sie redet und lacht mit dem anderen Mädchen im Wartezimmer. Ihr Name ist Franziska Miesner, sie ist 18 Jahre alt, kommt aus Deutschland und wohnt seit mehr als einem Jahr in der Nähe von Zürich. Obwohl sie ihre dunkelblonden Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden hat, fallen ihr immer wieder einzelne Strähnen ins Gesicht und verdecken ihre grünen Augen. An ihrem Armband hängt eine rosa Schleife, ein internationales Symbol für die Solidarität mit von Brustkrebs betroffenen Frauen.

Eine ältere Frau mit kurzen blonden Haaren tritt hinein. Lächelnd begrüßt Erica Schulz beide Mädchen. Angela und Franziska waren mehrfach einzeln bei der Psychologin, denn beide teilen dasselbe Schicksal: Sie haben ihre Mutter aufgrund einer Krebserkrankung viel zu früh verloren.

Franziska erzählt

Franziska holt tief Luft: „Meine Mutter litt neun Jahre an Brustkrebs. Anfang August 2006 lag sie schon fast ein halbes Jahr lang im Krankenhaus, und für mich war es schon fast zur Normalität geworden, sie nur zwei Mal in der Woche besuchen zu können. Als ich sie an einem Samstag mit meinem Vater besuchen wollte, ging es ihr schon so schlecht, dass sie mich kaum erkannte. Mein Vater musste ihr immer wieder sagen, dass ich mich auch in dem Krankenzimmer befinde.“ Franziska wischt sich eine Träne weg. Angela betrachtet sie voller Mitgefühl, denn sie hatte damals die Chance, die Hand ihrer Mutter zu halten, als diese starb. Am nächsten Tag ist Franziskas Mutter friedlich eingeschlafen. „Ich konnte leider nicht bei ihr sein, aber mein Vater erzählte mir, dass er mir ausrichten sollte, dass sie mich über alles liebt und dass das ihre letzten Worte seien“, sagt Franziska.

Auch die Psychologin ist gerührt von dieser Geschichte. „Die Erinnerungen an deine Mutter sind in deinem Herzen aufbewahrt, und niemand wird sie dir jemals wegnehmen können. Und vergesst nicht, dass jede einzelne Träne eine Liebeserklärung an eure Mutter ist.“

Wie ein Wasserfall geweint

Für beide Mädchen war die Beerdigung emotionsreich. „Ich musste während der ganzen Zeremonie unaufhörlich weinen, besonders als ich das Bild meiner Mutter auf dem Altar gesehen habe, da wollte ich einfach nur noch raus. Doch ich hatte meiner Mutter zuvor versprochen, dass ich stark bleiben werde“, erzählt Angela, während sie einen kleinen Engel, den sie von zu Hause mitgebracht hatte, zwischen ihren Händen hält. „Bei mir war es genauso“, ergänzt Franziska. „Ich fand es besonders traurig, als der Pastor seine Rede hielt und zwischendurch vergangene Geschichten von mir und meiner Mutter erzählte. Ich habe nur noch wie ein Wasserfall geweint. Auch danach, als alle zu mir strömten, um mir ihr Beileid zu bekunden, bin ich in ein weiteres Loch gefallen. Zuvor war immer noch das Gefühl da, dass meine Mutter jetzt einfach gleich um die Ecke kommt und alles wieder in Ordnung ist, aber ab dem Moment wurde mir langsam klar, dass ich von nun an ohne Mutter aufwachsen werde.“

Ein seltsames Gefühl macht sich im Raum breit. Erica Schulz schaut für einen kurzen Moment hinaus in die Dunkelheit: „Die Beerdigung war eure letzte Chance, euch noch einmal zu verabschieden. Und wie ich es von euch weiß, habt ihr diese Chance genutzt. Ihr habt die Beerdigung euren Müttern zuliebe durchgehalten. Seit diesem Zeitpunkt geht ihr einen Schritt weiter in eurem Leben.“

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