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Modelcasting : Hungerkur mit magerem Erfolg

  • -Aktualisiert am

Bild: Philip Waechter, Labor Frankfurt

Acht Wochen lang zwingt sich Lara zu Sport und Gemüse. Dann ist der etwas andere Vorstellungstermin gekommen: das Modelcasting. Sie wird vermessen, gewogen und lernt was fürs Leben.

          Zitternd stand Lara Brombacher vor dem Eingang des Hotels und war von dem hohen Gebäude, den riesigen Türen und den vielen Lichtern im Inneren beeindruckt. Hier findet es also statt, dachte sie sich. Es war ihr allererstes Modelcasting. Mit ihrer Familie und ihrer besten Freundin, die sie unterstützten, ist sie nach Hamburg gefahren für ihr Vorhaben, das anfangs spaßeshalber entstand. Mit viel Sport und einer gesunden Ernährung erreichte Lara nach den Sommerferien ihr Idealgewicht.

          Eine fixe Idee

          Durch Castingshows im Fernsehen, Gespräche im Freundeskreis, Zeitschriften und durch das Internet wurde sie auf das Thema Modeln aufmerksam. Sie wollte nun wissen, ob ihre Figur und ihr Gesicht ausreichen würden, um sich als Model bewerben zu können oder als Model zu arbeiten. Deshalb meldete sie sich online bei mehreren Agenturen an. Wochen später – Lara hatte die fixe Idee, Model zu werden, schon längst vergessen – kam der unerwartete Anruf: „LuxArtis Modelmanagement, schönen guten Tag.“

          Eine Assistentin der Agentur sagte der 17-jährigen Schülerin aus Frankfurt, dass die Agentur sich für sie interessiere, Lara jedoch innerhalb von zwei Tagen noch mehr Fotos von sich schicken solle. Zusammen mit ihrer besten Freundin machte sie sich an die Arbeit, und eine Woche später kam der ersehnte Brief mit der Bestätigung der Teilnahme an dem Casting in Hamburg.

          Bedenken der Mutter

          Die Eltern, die mit dem Satz „Wir fahren nach Hamburg zu einem Modelcasting!“ überrumpelt wurden, unterstützten ihre Tochter, so gut es ging. Gemeinsam suchten sie eine Jugendherberge und verplanten die restliche Zeit, die sie in Hamburg sein würden. Außerdem kochte die Mutter bis zum Casting für Lara extra fettarmes Essen, es gab viel Salat und Obst. Süßigkeiten standen nicht auf dem Tagesplan. Die Mutter unterstützte Lara sehr in ihrem Vorhaben abzunehmen, machte ihr aber ihre Bedenken deutlich, als sie direkt nach dem Essen joggen gehen wollte: Sie solle es nicht übertreiben.

          Die acht Wochen bis zum Casting wurden mit täglichem Sport, gesunder und wenig Nahrung ein kleiner Albtraum. Zwischendrin wollte die Schülerin alles hinschmeißen, disziplinierte sich jedoch selbst und schaffte es, bis zum Casting eine sportlichere, straffere und vor allem schlankere Figur zu bekommen. Innerhalb von drei Monaten nahm Lara etwa zehn Kilo ab und wog bei einer Größe von 1,79 Meter nun 62 Kilo.

          Irritationen im Freundeskreis

          Das tägliche Laufen, das Treppen hoch- und runterrennen, die Sit-ups, Liegestütze und das Schwimmen hatten sich gelohnt. Und nicht nur Lara bemerkte die Veränderung an ihrem Körper. Von ihren Freundinnen wurde sie auf ihre neue schlanke Figur angesprochen. Auch entfernte Bekannte, denen sie auf der Straße begegnete, fiel die Veränderung auf, auch sie äußerten sich nur positiv darüber. Doch manchmal empfanden Laras Freundinnen ihren Sport- und Schlankheitswahn zu extrem. Beim gemeinsamen Essen, beim Ausgehen oder beim Kaffeetrinken bestellte sich Lara entweder gar nichts oder nur fettarmes Essen. Doch das Befremden der Freunde lag auch daran, dass Lara ihnen nicht erzählt hatte, dass sie zu einem Modelcasting eingeladen worden war. Nur die Familie und die beste Freundin waren eingeweiht.

          Verführerisch in die Kamera schauen

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