http://www.faz.net/-guy-6qzhw

Flamenco : Kokett kreisende Hüften

  • -Aktualisiert am

Bild: Andrea Koopmann

Flamenco ist stolz und herausfordernd. Schorndorfer lieben den andalusischen Tanz, den ihnen eine berühmte Tänzerin bebringt.

          Bulería, bulería, tan dentro del alma mía, es la sangre de la tierra en que nací.“ Stolz steht David Bisbal auf einem Felsen hoch oben im Gebirge. Hinter ihm erstrecken sich die Berge Andalusiens. Mit halb aufgerissenem Hemd und wilden Locken besingt er inbrünstig die bulería, einen der beliebtesten Flamencotänze. Eine Tänzerin in einem knöchellangen, weißen Kleid lässt ihre Hüften kreisen. Elegant verdreht sie vor Bisbal ihre Arme, Hände und Finger, wirft den Kopf kokett zur Seite, um gleich wieder mit schüchternem Blick aufzuschauen. „Oh bulería, bulería, so tief in meiner Seele verankert, bist du das Blut des Landes, in dem ich geboren wurde.“

          Rund 2100 Kilometer von Almería, der Heimatstadt des bekannten spanischen Sängers, entfernt und 30 Kilometer östlich von Stuttgart trainieren acht solcher Tänzer, wie sie auch in dem Videoclip zu sehen sind. Mit verschiedenfarbigen Röcken, pompös mit Volants, tanzen sie Fandango, Bulería, Alegría. Flamencokunst mitten in Schorndorf. Trainerin Lela de Fuenteprado, eine international gefragte Flamencotänzerin, steht mit dem Rücken zu der Spiegelwand, die Hand gestützt auf einem Gehstock. Mit dem Stock stampft sie auf den Boden, um die betonten Akzente zu verstärken und die Schüler bei den schwierigen Rhythmen zu unterstützen. Jeden falschen Schritt bemerkt sie und verzieht das Gesicht. „Oh, den Schluss müssen wir noch mal machen.“ Kurze Pause.

          Erschöpft von ausschweifenden Armbewegungen

          Die Gruppe, die seit sechs Jahren gemeinsam tanzt und aus sieben Frauen und einem Mann besteht, ist erschöpft von den Taconeos, den Paseos und den ausschweifenden Armbewegungen. Taconeo, das ist die so komplizierte Fußperkussion, bei der der Tänzer mit seinen mit Nägeln beschlagenen Schuhen aufstampft. „Der Tanz ist voller kontrollierter Erotik, ungeheurer Kraft und Körperspannung. Flamenco ist sehr beherrscht und doch ausgesprochen emotional. Kummer, Verzweiflung, Sehnsucht, Glück – alle wesentlichen Gefühle des Lebens werden in ihm besungen und vertanzt“, schwärmt Lela de Fuenteprado, die, seit sie professionell Flamenco tanzt, diesen Künstlernamen trägt. Geboren wurde sie nämlich im unterfränkischen Wiesenbronn. Mit den dunkelbraunen, zurückgenommenen Haaren und dem konzentrierten und dennoch heiteren Blick könnte sie genauso gut aus Sevilla stammen.

          Lela de Fuenteprado ist eine energische Frau, und das im positiven Sinne. Während sie von ihren Auftritten erzählt, hält sie nicht still. Sie rutscht auf ihrem Stuhl hin und her, die mit Goldringen geschmückten Finger zupfen immer wieder an der Mantilla, dem Fransentuch, das um ihre Schultern liegt. Lela steht immer wieder auf und versucht eine Szene aus Mario Mayas Flamencotheater „Ay! Hondo“ nachzutanzen, das mit Hilfe von traditionellem Tanz die lange Verfolgung der andalusischen Sinti und Roma darstellt. Sie holt ihre Alben hervor und zeigt Fotos aus vergangenen Tagen, als sie noch Konzerte mit ihrem Mann Gerhard Graf-Martínez, einem bekannten Flamencogitarrenlehrer, gab. Zu jedem Bild, zu jedem noch so kleinen Detail in ihrem Studio kann sie eine Geschichte erzählen.

          Schwarze Mantilla und selbstgebaute Gitarre

          Weitere Themen

          Ronaldo wütend, Real hilflos

          Primera División : Ronaldo wütend, Real hilflos

          Der Weltfußballer kehrt nach seiner langen Sperre zurück. Doch Madrid trifft das Tor nicht und verpasst einen alleinigen Weltrekord. Die ganze Hilflosigkeit von Real zeigt sich bei einer kuriosen Szene.

          Auf der B1 von West nach Ost Video-Seite öffnen

          Deutschlandreise : Auf der B1 von West nach Ost

          Kurz vor der Bundestagswahl hat sich F.A.S.-Redakteurin Anna Steiner auf eine Reise quer durch Deutschland begeben, um herauszufinden, wie es den Menschen in unserem Land geht.

          Topmeldungen

          Freund im Feindesland: Irans Präsident Rohani vor der UN-Vollversammlung

          Atomabkommen : Mit Iran gegen Trump

          Amerika verdammt das Atomabkommen und schweigt über ein weiteres Vorgehen. Hassan Rohani gibt sich als Freund der Europäer. Die fürchten böse Folgen für Nordkorea.

          Streit in der AfD : Kein Wort, zu niemandem

          Kurz vor der Bundestagswahl kann auch die AfD keinen Skandal mehr gebrauchen. Wie der Vorsitzende Jörg Meuthen verhindern will, dass Äußerungen von Frauke Petry weitere Kreise ziehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.