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Berlinerin mit afrikanischen Wurzeln Klein, schwarz, idealistisch

Berlin hat viele Gesichter. Das will die Imagekampagne "be Berlin" zeigen. Eines davon gehört zu Stefanie-Lahya Aukongo.

© Illustration Andrea Koopmann

Berlin hat viele Gesichter. Das will die Imagekampagne "be Berlin" zeigen. Eines davon gehört zu Stefanie-Lahya Aukongo. Auch inmitten von Porträts von Menschen aus aller Welt fällt sie auf. Das ist sie gewohnt. Die 33-Jährige beschreibt sich selbst als "zu klein, zu dick, zu schwarz und mit zu viel Haaren auf dem Kopf". Obwohl es ihr nicht leichtfällt, weil sie immer wieder das Ziel rassistischer Angriffe wird, tritt sie ins Rampenlicht. Mit ihrem Schicksal möchte sie auf die afrikanische Minderheit in Deutschland aufmerksam machen und zeigen, dass man alles schaffen kann, solange man nicht aufgibt.

Lahya trägt mehr Narben auf ihrem Körper und in ihrer Seele als viele andere, trotzdem hat sie nie aufgehört zu kämpfen. Das begann schon vor ihrer Geburt: Im Jahr 1978 herrschte in Namibia Bürgerkrieg. Lahyas schwangerer Mutter gelang die Flucht über die Grenze in das Nachbarland Angola. Dann wurde auch dieses Lager von marodierenden Soldaten angegriffen. Hunderte Menschen, vor allem Frauen, wurden ermordet. Ihre gerade erst 16 Jahre alte Mutter Clementine wurde angeschossen und an der Hüfte verletzt. Mit anderen Schwerverletzten wurde die junge Frau nach Ost-Berlin ausgeflogen und medizinisch versorgt. Die neugeborene Stefanie war bereits bei der Geburt halbseitig gelähmt, durch die Kugel, die ihre Mutter getroffen hatte.

Das Kind kam vorübergehend in eine Pflegefamilie. Später wurden Mutter und Kind in den Bürgerkrieg zurückgeschickt. Erst nach mehr als einem Jahr konnte das schwerbehinderte Mädchen in die damalige DDR zurückkehren, allerdings ohne die Mutter.

So wurde aus der Namibierin eine Berlinerin, die inzwischen darüber lacht, wenn Fremde zu ihr sagen: "Du sprichst aber gut Deutsch." Früh fühlte sie sich durch Blicke und Getuschel oft mehr verletzt als durch offensichtliche Versuche, ihr Schaden zuzufügen. Auf ihre Kindheit in der DDR angesprochen, sagt sie nachdenklich, dass sie dankbar ist, in einem Land aufgewachsen zu sein, wo Frieden herrschte. Sie lächelt, während sie sich daran erinnert, wie sie als Jungpionierin alten Menschen vorgesungen, mit dem Handwagen Sekundärrohstoffe gesammelt oder auf Rügen das Neptunfest gefeiert hat. Heute betrachte sie diesen Staat reflektierter.

Mit dem Wechsel des Systems, den sie in der Zeit ihrer Pubertät erlebte, bekam sie einen Wechsel des sozialen Klimas zu spüren. Mit der verordneten Solidarität war Schluss, stattdessen häuften sich rassistische Übergriffe auf Minderheiten, und sie fragte sich: Wann komme ich dran? Doch alle schlechten Erfahrungen, die sie gesammelt hat, haben auch eine positive Seite: Sie haben sie zu einer Frau werden lassen, die weiß, was sie will. Seit sie klein war, wollte sie etwas für Menschen mit Menschen tun. "Wenn ich Unrecht sehe, muss ich dagegen agieren - unabhängig davon, ob es mir selbst passiert ist oder anderen." Nach ihrem Diplom mit einem Durchschnitt von 1,7 im Bereich Public Management an der Lichtenberger Hochschule für Wirtschaft und Recht fand sie zunächst keine Arbeit. Sie schrieb 380 Bewerbungen. Vergeblich, teilweise kamen Absagen mit der Begründung "Sie als Schwerbehinderte wird man ja kaum wieder los" oder "Sie sind ja schwarz". Das traf sie schwer.

Doch sie gab nicht auf. "Ich werde niemals müde, mich so lange für etwas einzusetzen, bis es in der Gesellschaft akzeptiert wird." Sie veröffentlichte ein Buch über ihr Leben und wird regelmäßig zu Veranstaltungen an Berliner Institutionen und Schulen eingeladen.

Nach drei Jahren fand sie schließlich den ersehnten Arbeitsplatz in Schöneberg bei Pro Afrika e.V. Diese Organisation bemüht sich mit vielen Aktionen darum, das Verständnis für die afrikanische Migranten in Deutschland zu fördern und Projekte in Afrika zu unterstützen. Auf ihre afrikanischen Wurzeln ist Stefanie-Lahya Aukongo stolz. Aber sie sagt auch: "Ich weiß, wie es ist, dem Fremdsein ausgeliefert zu sein, einfach nur deshalb, weil man anders ist. Aber dem kann ich mich nicht entziehen, obwohl ich mich manchmal am liebsten unsichtbar machen würde."

Quelle: F.A.Z.

 
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