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Afghanische Hochzeit Glück, Gesundheit und Schutz vor dem bösen Blick

In der Nähe von Hannover wird das Eheversprechen, auf Afghanisch Harsossi, zweier junger Menschen gefeiert. Die Gäste, meist afghanischstämmig, kommen aus ganz Deutschland.

© Von Zubinski, LABOR Frankfurt Vergrößern

„Dies ist immer wieder einer der schönsten Anlässe, um sich schick zu machen und seine Familie wiederzusehen", schwärmt Tahmina Rasiqi. Die junge afghanische Frau trägt ein langes, türkisfarbenes Neckholder-Kleid. Vor allem auf die traditionelle Bemalung der Hände mit Henna freut sich die 18-Jährige. Strahlend begrüßt sie Verwandte und Bekannte, die in ihren schönsten Abendroben den Festsaal im Mirage Event House in Wedemark bei Hannover betreten, Dort wird das Eheversprechen, auf Afghanisch Harsossi, von Tahminas Cousin und seiner Verlobten gefeiert.

Die Gäste, die über ganz Deutschland verteilt leben, hinderte kein noch so weiter Anfahrtsweg, um teilzunehmen. Im riesigen Saal tritt ein afghanischer Sänger auf, viele tanzen ausgelassen und zugleich voller Anmut. Nachdem das Brautpaar sich im Nebenraum unter dem Segen eines Mullahs das Jawort gegeben hat, wird das Henna gebracht.

Henna, auch Mehndi genannt, das man aus den Blättern des Hennastrauches durch Trocknen und Zerreiben gewinnt, wird in einer kleinen Schüssel zu dem sitzenden Brautpaar getragen. Nun trägt die Mutter des Bräutigams das braun-grünliche Henna auf die Handinnenflächen der Braut und des Bräutigams auf. Anschließend verbindet sie die Handflächen mit einem Seidentuch, damit die tonartige Konsistenz des Hennas nicht verschmiert und einwirkt.

"Erstmals wurde Henna von unserem Propheten Muhammad benutzt, als dieser heiratete. Da Henna vor allem als Pflege- und Heilmittel diente und heutzutage im orientalischen Raum auch meist noch so verwendet wird, soll es dem Brautpaar Glück und Gesundheit verheißen", erklärt Tahmina. Außerdem solle Henna vor dem bösen Blick schützen. "Nicht überall wird Henna so kunstvoll wie in Indien und Pakistan aufgetragen. In unserem Kulturkreis werden lediglich die Handinnenflächen sowie manchmal die Fußsohlen mit Henna eingefärbt." Nun tragen auch andere, meist weibliche Gäste Henna auf ihre Handinnenflächen auf. "Auch bei Geburten und Taufen sowie bei anderen großen Festen, wie beispielsweise dem Zuckerfest, spielt das Heil- und Pflegemittel Henna eine wesentliche Rolle", berichtet Tahmina weiter. Darüber hinaus gebe es eine besondere Feier vor der Hochzeit, die nur für die Braut bestimmt sei und sich die Henna-Nacht nenne. "An dieser Feier nehmen ausnahmslos Frauen teil, die für die Braut tanzen und die Arme der Braut mit Henna bemalen. Dabei werden meist die Anfangsbuchstaben der Braut und des Bräutigams auf ihren Handrücken aufgetragen."

Tahminas 26-jährige Cousine Taura Rasiqi, die neben ihrer Mutter sitzt, hat voller Vergnügen das Geschehen beobachtet. Die pharmazeutisch-technische Assistentin erzählt, dass der pflanzliche Hennaextrakt in der orientalischen Naturheilkunde gegen Infektionen sowie Lepra und verschiedene Hautkrankheiten angewendet worden sei. Mittlerweile sei die jahrhundertealte orientalische Naturheilkunde durch klinische Tests bestätigt, die insbesondere die keimhemmende Wirkung des Hennaextrakts nachgewiesen hätten. Taura lächelt und sagt: "Entdeckt wurde Henna schon im alten Ägypten, um die Reize und die Schönheit von Frauen hervorzuheben."

Tahmina deutet auf das Brautpaar. Denn jetzt wird das Seidentuch von der Mutter des Bräutigams abgenommen und die getrockneten Reste des hart gewordenen Hennas werden abgewaschen. Übrig bleibt ein großer braun-grünlicher Fleck auf den Handinnenflächen, der erst nach etwa drei Wochen wieder verblasst. Den Rest der Nacht verbringen die Feiernden mit reichlich Essen, Tanzen und guter Unterhaltung. "Der nächste Anlass zur Hennabemalung wird nicht lange auf sich warten lassen", sagt Tahmina. Spätestens bei der Geburt oder Taufe ist Henna im Einsatz.

Jessica Schneider, Herderschule, Kassel

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 31.01.2012, 11:19 Uhr