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Judo : Hinfallen und wieder aufstehen

  • -Aktualisiert am

Bild: Christopher Fellehner

Charakterschule Judo: Der Sport schult den Körper und das Durchhaltevermögen. Nicht nur Alina Böhm hat es im Judozentrum Heubach weit gebracht.

          Es ist still. Ein Kinderstimmchen ertönt: „Mokuso - Rei.“ 16 Kinder in Weiß springen auf und verbeugen sich vor einer Frau mit Brille und rot-schwarzer Kleidung. So verläuft die sogenannte Angrüßung beim Kindertraining des Judozentrums Heubach. Der Verein der Kleinstadt 70 Kilometer östlich von Stuttgart ist einer der erfolgreichsten im Landesverband Württemberg. Der Nachwuchs, Kinder unter zwölf und unter zehn Jahren, trainiert zweimal in der Woche unter der Leitung von Martina Hanke. Ihre Gürtelfarben reichen vom Weiß des Anfängers bis zu Gelb-Orange der Kinder, die drei, vier Jahre Judo machen. Die Judoka stellen sich in einer Reihe dem Trainer gegenüber auf, geordnet nach Farben. Sie knien. Nun sagt der Ranghöchste „Mokuso“. Darauf folgt eine Pause und dann „Rei“. Alle verbeugen sich. Nach dem Aufstehen verbeugen sie sich ein weiteres Mal im Stehen.

          Ehrgeiziger Kampf um die Strafe

          Zum Aufwärmen gibt es ein Fangspiel: Drei Fänger sollen die Gruppe durch Berühren fangen, aber man kann von Kameraden durch einen Wurf befreit werden: Dabei stellt sich der Gefangene mit ausgestreckten Armen hin, und der Befreier greift in die Jacke und an den Arm des Gefangenen. Er stellt sein Bein hinter das Bein des anderen und drückt ihn nach hinten um. Diesen Wurf nennt man O-soto-otoshi. Tanja, Jasmin und Luca haben innerhalb von zwei Minuten alle gefangen. Die Kinder lieben das Spiel, ehrgeizig kämpfen sie um die „Strafe“ von fünf Holger für die Verlierer. Während eines Holgers müssen die Hände hinter dem Rücken sein, zuerst kniet man sich hin und legt sich dann auf den Bauch. Als Nächstes muss man von der linken zu rechten Schulter rollen und danach aufstehen, ohne die Hände zu benutzen.

          Auf einer Matte knien die Gewichtsklassen

          „Jedes Training hat ungefähr den gleichen Ablauf, sagt Hanke: „Auf die traditionelle Begrüßung folgt das Aufwärmen, meist ein Spiel, und anschließend der Technikteil. Zum Schluss kommen noch Trainingswettkämpfe und das Abgrüßen.“ Sven Albrecht, Haupttrainer der Jugendlichen, erklärt: „Das Kämpfen macht den Kindern immer besonders viel Spaß.“ Bei den Kleinen verlaufe alles noch spielerisch. Auf einer Weichbodenmatte knien sich die Kinder ähnlicher Gewichtsklasse gegenüber hin und versuchen sich gegenseitig hinauszuschieben. Wer den Boden berührt oder aufsteht, verliert. „Das ist für viele Kinder am Anfang schwer, sie sind gewohnt, alles zu bekommen. Aber nun müssen sie sich ihren Vereinskameraden, zum Teil sogar Kleineren, geschlagen geben“, sagt der große, schwarzhaarige Mann mit Brille. Die Gegner verbeugen sich respektvoll voreinander. Nach dem „Hajime“ beginnt der Kampf. Bald hört man das erste Kinderlachen. Es gebe kein Kind, das sich nicht auf die nächste Chance freue. Dann folgt das Sumo: Es geht darum, den Gegner im Stand von der Matte zu schieben, auf den Boden zu zwingen oder, im Idealfall, zu werfen. Durch Judo werde man selbstsicherer, sagt der Grund- und Hauptschullehrer Albrecht. Man lerne, sich durchzubeißen, und vor allem steigere man das Durchhaltevermögen.

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