http://www.faz.net/-gum-c6w

Im Gespräch: Wir sind Helden : „Mal gucken, wer noch mitkommt“

  • Aktualisiert am

Im Gespräch: Jean-Michael Tourette (Keyboard, Gitarre) und Judith Holofernes (Sängerin) Bild:

Nach drei Jahren Pause stellen Wir sind Helden ein neues Album vor. Ein Gespräch mit Sängerin Judith Holofernes und Keyboarder und Gitarrist Jean-Michel Tourette über Kinder, Klischees und Vergänglichkeit.

          Blicken wir zurück: Im Jahr 2003 waren Wir sind Helden die neue deutsche Pop-Sensation. Für diese Zeitung traf sich die Band damals mit Sigmar Gabriel, seinerzeit Pop-Beauftragter der SPD. Sie, Frau Holofernes, waren zu Gast bei Harald Schmidt, damals geistig-moralische Instanz der Nation. Heute ist Sigmar Gabriel Parteichef, Harald Schmidt ist immer noch im Fernsehen, aber irgendwie egal geworden. Wo stehen Wir sind Helden heute?

          Holofernes: Der Platz, den Harald Schmidt hat, ist vielleicht gar nicht der allerschlechteste.

          Inwiefern?

          Holofernes: Es ist für uns schon lange ein Wunsch gewesen, irgendwann mal eine Band zu sein, die Platten veröffentlicht und deren Musik man mag oder nicht. Natürlich ist es für Ruhm und Ehre hilfreich, wenn's um die Band herum was zu erzählen gibt, was nicht Musik ist, und wir müssen auch dankbar dafür sein, dass wir so sehr als Phänomen wahrgenommen wurden. Aber Spaß macht das nicht, wenn sich so viel an einem spiegelt. Ich habe meinen Wunsch, mit Musik bekannt zu werden, auch nie mit einem kompetitiven Drang verbunden. Die ganzen "Echos" und die Frage, ob man bei "Rock am Ring" vor dem oder nach dem spielt: Ich bin ganz froh, dass wir, glaube ich, aus der Nummer jetzt raus sind.

          Glanz und Gloria: Die Helden bei der Verleihung des „Echo” im April 2004

          Sie wollen auch nicht mehr als Sprachrohr angesehen werden?

          Holofernes: Sprachrohr für was?

          Für eine bestimmte Generation und ein bestimmtes Milieu.

          Tourette: Wir wollten das nie als Geißel am Fuß haben. Es hat uns schon geschmeichelt, was da mit uns passiert ist. Je mehr man aber als Phänomen gilt, desto mehr Eindeutigkeit und Konstanz wünschen sich die Leute: Sie möchten dann auch, dass es immer schön so weitergeht. Wenn man dann unter dem Radar ein wenig abtaucht, muss man sich gar keine Gedanken mehr machen, diesen Ansprüchen zu genügen.

          Für drei Jahre waren Sie ziemlich aus dem Blickfeld verschwunden. Jetzt erscheint Ihr neues Album. Mancher wird sagen . . .

          Holofernes: „Die gibt's noch?“

          Tourette: Was ja toll ist. Ich höre von vielen Leuten, dass sie schon gespannt sind - auch deshalb, weil sie erwarten, dass wir uns verändert haben. Von einem Erwartungsdruck kann man sich auch auf einem unphänomenalen Wege nicht ganz frei machen. Aber es fühlt sich deutlich entspannter an.

          Holofernes: Richtig Pause gemacht haben wir ja nur ein halbes Jahr lang. Es war eigentlich eine Pause vom Draußensein. Wir waren in den letzten acht Jahren immer auf Tour, haben dann die nächste Platte geschrieben, sind mit Textskizzen ins Studio, haben dann erst geprobt und geguckt, ob wir das überhaupt spielen können. Bei unserer zweiten Platte "Von hier an blind" haben wir zu Studiozeiten abends noch Tanzunterricht genommen, um das "Gekommen, um zu bleiben"-Video zu drehen.

          Der Plan, sich mehr Zeit zu lassen, dürfte auch Ihren neuen Lebensverhältnissen geschuldet sein: Frau Holofernes, Sie haben inzwischen zwei kleine Kinder, Sie, Herr Tourette, eines.

          Tourette: Zeit wird, ganz plump gesagt, kostbarer.

          Holofernes: Man bewertet Sachen viel stärker danach, ob's das wert war, ob es Spaß gemacht hat und ob auch Energie zurückgekommen ist. Es kommt jetzt noch viel früher der Impuls: Muss das sein?

          Sind Sie damals eher unfreiwillig in die Rolle als Sprachrohr gedrängt worden, oder haben Sie sie bereitwillig akzeptiert?

          Holofernes: Wir haben sie nur so halb akzeptiert. Ich habe alles Mögliche getan, um auszubüxen. Schon beim Songwriting fürs zweite Album haben wir versucht, Türen weiter aufzumachen, die eigentlich auch auf dem ersten schon offen waren. Aber es gibt auch Verführungen: Kurzzeitig denkt man, dass das ja okay ist, immer so viel zu reden - bis man merkt: Am besten gesagt hab' ich's immer noch in dem Lied.

          Kann es euphorisierend sein, wenn man merkt, dass viele Leute einem zuhören?

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn (v.l.n.r.), hier auf einer Veranstaltung in Idar-Oberstein, wollen Angela Merkel an der Parteispitze beerben.

          Zweite CDU-Regionalkonferenz : „Eine unbezahlbare Marketingshow“

          „Wir brauchen euch drei gemeinsam“, meint Julia Klöckner bei der zweiten Regionalkonferenz im Kampf um den CDU-Vorsitz. Doch die Kandidaten versuchen, sich von den Konkurrenten abzusetzen – zum Beispiel beim Migrationspakt. Mit Erfolg?

          Saudi-Arabien : Ein Kronprinz in der Defensive

          Meist geht die Welt nach der Tötung eines Regimekritikers schnell zur Tagesordnung über. Im Fall Khashoggi ist das anders – und das liegt vor allem an Muhammad Bin Salman. Ein Kommentar.
          Ein Mann wird gegen Grippe geimpft.

          Gesundheit : Deutschland geht Grippe-Impfstoff aus

          Wegen großer Nachfrage gibt es in vielen Regionen einen Mangel an Grippe-Impfstoffen. Möglicherweise wollen sich mehr Menschen wegen der Grippe-Welle im vergangenen Jahr schützen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.