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Im Gespräch: Inga Humpe über „36 Grad“ : „Dann verlangsamt man so ein bisschen“

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„Da standen hübsche Jungs rum”: Sängerin Inga Humpe über die Entstehung ihres Erfolgsliedes „36 Grad” Bild: dpa

Inga Humpe, Sängerin des Duos „2raumwohnung“, mag die Hitze. Wenn an diesem Freitag der Sommerhit des Duos, „36 Grad“, zum x-ten Mal im Radio läuft, dann wird sie in Berlin an einem See liegen und afrikanische Gefühle genießen.

          „36 Grad“ ist ein Lied mit langer Haltbarkeit: Seit drei Jahren wird der Hit des Duos „2raumwohnung“ an heißen Sommertagen hoch- und runtergespielt. Entstanden ist es auf einem Hoteldach in Barcelona, an einem Tag, an dem alles stimmte.

          Frau Humpe, vor drei Jahren hatten Sie mit dem Lied „36 Grad“ einen Sommerhit. Heute soll das Thermometer auch bei Ihnen in Berlin bis zu dieser Marke steigen, am Wochenende sogar noch einen Grad höher. Was machen Sie gegen die Hitze?

          Ich mache nichts gegen die Hitze. Ich freu mich immer, wenn es heiß ist. Dann verlangsamt man so ein bisschen und kriegt ein afrikanisches Gefühl. Ich versteh' das auch nicht: Die Leute beklagen sich die ganze Zeit, dass das Wetter schlecht ist. Und wenn es mal warm ist, ist es ihnen gleich zu heiß.

          „36 Grad“ ist dieser Tage wieder oft im Radio zu hören. Können Sie einen guten Sommer an den Verkaufszahlen der Single und den Gema-Einnahmen erkennen?

          Wir nennen das Lied unser Last Christmas. Das läuft jeden Sommer wieder gut und geht wieder ein bisschen in die Charts rein. Wir erneuern es auch immer wieder, letztes Jahr hatten wir eine kubanische Version. Dieses Jahr hatten wir keine Zeit, aber vielleicht machen wir nächstes Jahr wieder einen Mix. Das ist ein Lied mit langer Haltbarkeit.

          War es denn 36 Grad warm, als sie das Lied schrieben?

          Das Lied entstand in Barcelona auf einem Hoteldach. Das war im Mai 2006, es war extrem heiß. Wir waren da mit zwei Freunden, Ulf Sommer und Peter Plate, mit denen wir es auch zusammen geschrieben haben. Es gab einen Pool, da standen hübsche Jungs rum: stimmt alles!

          Sie haben es also quasi live getextet?

          Ja, aber es ist natürlich immer auch Erfundenes drin.

          Wie baut man denn einen Sommerhit?

          36 Grad war nicht geplant, das kann man gar nicht planen. Wenn man einen Sommerhit planen würde, fiele einem sofort der Stift aus der Hand. Bei allen Hits ist es wahrscheinlich so: Man erfasst einen Moment richtig, erlebt ihn voll und stellt ihn in allen Farben dar. In diesem Fall ist es nicht nur der Sommer, sondern auch die Körper und das Flirten. Wenn man das alles intensiv darstellt, verstehen es die Leute besser. Man muss es selbst erleben und toll finden - dann kommt es richtig rüber.

          Kann man bewusst für eine bestimmte Zielgruppe schreiben?

          Wir machen das nicht. Bei Zielgruppe fällt mir null ein. An eine Zielgruppe zu denken ist vermutlich das Gegenteil von Empfinden. Es geht darum, einen einzigartigen, magischen Moment zu sehen, von denen der Tag ja voll ist. Wenn man das mal schafft, einen Gleichklang in der Sichtweise herzustellen, dass mehrere Menschen eine Situation ähnlich erleben - das ist schon mal was besonderes. Das war in Barcelona auf jeden Fall so.

          Gibt es eigentlich in diesem Jahr schon einen Sommerhit?

          Was war denn letztes Jahr der Sommerhit? Ich weiß es gar nicht. Es gibt nicht jedes Jahr einen. Es gibt ja jeweils auch nicht so viele neue Weihnachtslieder. Die Radios und Plattenfirmen wollen das natürlich gern, dass man ein Lied rechtzeitig rausbringt, um es zum Sommerhit zu erklären. Aber ob es einen gibt, das weiß man ja erst im Herbst.

          Zum Beispiel ein Stück von ihrem neuen Album „Lasso Remixe“, das am 2. Juli in den Verkauf kommt? Im Gegensatz zu bisherigen Alben ist es sehr elektronisch. Die sommerleichten Melodien fehlen.

          Es ist ein Remix-Album und eigentlich etwas sehr Klassisches. Wir kommen ja aus der Club-Musik, die sehr elektronisch ist. Wir haben uns auch entwickelt, es ist ja langweilig, zehn Jahre auf den gleichen Sound zu stehen. Wir haben deswegen viel experimentiert, von Popsongs bis zu akustischen Softversionen. Aber das Elektronische ist unser Hintergrund, und deswegen lassen wir es auch weiterleben. Es ist auf jeden Fall gut zum Tanzen. Es sind Remixes mit tollen DJs wie Kalkbrenner oder Blake Baxter. Dieses Album passt auf jeden Fall auf jede heiße Party.

          „36 Grad“ ist aber eben nicht drauf.

          Man muss ja auch immer eine musikalische Idee haben. Die kubanischen Klänge haben sehr gut gepasst. Vielleicht müsste man jetzt mal eine Saint-Tropez-Version machen. Da müsste man jetzt mal schnell hinfahren. Vor ein paar Monaten haben wir übrigens auch eine englische Version von 36 Grad gemacht: 95 degrees. Sie wurde aber noch nicht veröffentlicht.

          95? Wegen der Klimaerwärmung?

          Weil es Fahrenheit sind.

          Und was machen Sie bei den 36 Grad oder 95 Fahrenheit heute?

          Ich werde auf jeden Fall an einem See liegen.

          Inga Humpe

          Inga Humpe ist die Sängerin des Duos „2raumwohnung“, das sie 2000 mit ihrem Lebenspartner Tommi Eckart gründete. Von 1978 bis 1983 war sie Sängerin der „Neonbabies“. Mit DÖF wurde sie durch den Hit Codo (“Ich düse, düse im Sauseschritt“) bekannt. Auch mit ihrer Schwester Annette arbeitete sie zusammen. „Lasso Remixe“, das am 2. Juli 2010 erscheint, ist das neunte Album von „2raumwohnung“.

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