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Hausmeister : Schulfrei gilt für ihn nicht

  • -Aktualisiert am

Ein langer Schultag und mittags noch ins Studio: Erik Thomas ist gelernter Schreiner und arbeitet als Hausmeister in Bad Kreuznach.

          Erik Thomas erledigt alle anfallenden Arbeiten an der Berufsbildenden Schule Wirtschaft in Bad Kreuznach. „Ja klar, ich spiele in den Ferien mit den anderen Hausmeistern in der Schule Versteckfangen“, antwortet er mit gespieltem Ernst auf die Frage, was er denn in den Schulferien mache. An Humor scheint es dem 34-jährigen Hausmeister nicht zu mangeln. Früher habe er beim Stichwort Hausmeister sofort an dicke, kleine, alte Männer gedacht, die schlecht gelaunt in ihren grauen Kitteln durch die Schule schleichen. Jetzt ist Erik Thomas selbst Hausmeister und will so gar nicht in dieses Klischee passen. Er ist athletisch gebaut, seine tiefschwarzen Haare sind immer top gestylt, oft trägt er Jeans und T-Shirts, die einen Blick auf sein Tattoo am rechten Arm freigeben. Als Hausmeister arbeitet Thomas manchmal auch an den Wochenenden und in den Ferien.

          Wenig Berührungspunkte mit den Lehrern

          Er ist verantwortlich für die Pflege und Instandhaltung der Einrichtung, sorgt dafür, dass Fenster und Türen funktionieren, und kümmert sich um Heizung und Licht. Dass man auf seine Arbeit nicht verzichten kann, wird besonders deutlich, wenn er einmal nicht da ist. Während seines letzten Urlaubs ging zeitweise weder das Licht auf der Toilette, noch funktionierte die Heizung in einigen Klassenräumen. Zu den Lehrern habe er ein freundschaftliches Verhältnis, auch wenn es kaum Berührungspunkte gebe. „Lehrer kommen nur, wenn sie etwas wollen“, scherzt er.

          Spanisch spricht er fließend

          Als gelernter Schreiner ist er viel herumgekommen, hat in mehreren Betrieben gearbeitet und war drei Jahre in Spanien. Dort arbeitete er an Yachten und lernte nebenbei fließend Spanisch. Dass er Hausmeister wurde, war reiner Zufall. Er hat sich auf den Rat seines Vaters hin beworben, der eine Stellenanzeige in der Zeitung gelesen habe. Gegen 200 Bewerber habe er sich durchgesetzt und bekam einen Festvertrag. Er erledigt seine Arbeit mit Spaß und empfindet sie als abwechslungsreich. Seine Tätigkeit umfasst 46 Wochenstunden. „Ich mache morgens die Schule an“, sagt er. Seine Schritte hallen in den leeren Gängen, wenn er um 6.30 Uhr beginnt. Feierabend ist um 17.45 Uhr.

          Zwei alte Motorräder

          Den langen Tag unterbricht eine längere Mittagspause, in der er sich aber keine Erholung gönnt. Erik Thomas geht dann einer Nebenbeschäftigung nach und arbeitet in einem Fitnessstudio in Bad Kreuznach. Seine freie Zeit verbringt er in seinem Garten oder bei gutem Wetter auf einem seiner beiden alten Motorräder, die ihm sein liebstes Hobby sind. So genießt er fahrend Landschaft und Natur. Er nimmt an einem jährlichen Benefiz-Footballspiel teil, um Spenden für ein Kinderheim zu sammeln, und organisiert einen Weihnachtsmarkt mit familiärer Atmosphäre. Interesse an der ihm angebotenen Hausmeisterwohnung der Schule hatte Thomas nicht. Er wohne lieber zusammen mit seiner Freundin in einem der umliegenden Dörfer. Für die viele Zeit, die er in der Schule verbringt, hat er natürlich auch ein Plätzchen für sich: Sein Raum im Foyer ist nicht breit, dafür aber recht lang. Für dringende Notfälle hat er seine Handy-Nummer am Türschild angebracht. Bei Anruf ertönt die Titelmelodie der US-amerikanischen Serie „Das A-Team“.

          Werkzeug und jede Menge Nippes

          Das Zimmer wirkt recht vollgestellt, aber keinesfalls unordentlich. Er lege Wert auf Ordnung, auch zu Hause. An den Wänden stehen hohe Schränke, auf denen sich ein kleiner Kühlschrank befindet, gefüllt mit Sektflaschen, die er zu Weihnachten geschenkt bekommen hat. Hier lagert Thomas neben sämtlichen für seine Arbeit benötigten Werkzeugen und jeder Menge Nippes auch einen kleinen A-Team-Bus. Hinter dem Schreibtisch mitten im Raum steht eine alte Kasse, von der er schmunzelnd erzählt, dass er sie toll finde, sie aber leider nicht bedienen könne. Er stehe einfach auf alte Sachen. Nicht zu übersehen ist die einladende Ledercouch. Sie stammt aus dem Personalratsbüro der Schule und wird für ein Mittagsschläfchen oder eine kleine Pause zwischendurch genutzt. Einmal hat ihm eine spezielle Anstrengung einen wunderbaren Ausblick auf Bad Kreuznach beschert: „Ich habe mal die Couch auf das Dach der Schule getragen, um das Feuerwerk vom Bad Kreuznacher Jahrmarkt zu schauen.“

          Quelle: F.A.Z.

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