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Veröffentlicht: 03.01.2017, 11:33 Uhr

Grundschule Im Lauf der Zeit wird sie kumpelhafter

Eine Grundschulrektorin aus München über ihre Arbeit und den Sinn strenger Regeln zum Auftakt. Vor allem die Rolle der Eltern hat sich gewandelt.

von Natalie Krischer, Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium, München

1 + 1 ist 2. Weiß ja jeder, oder? Aber wie bringt man das einem Kind bei, das noch gar nicht weiß, was Zahlen sind? Als Grundschullehrer hat man ein einfaches Leben, früh Feierabend, alle paar Wochen Ferien. Dass mehr dahintersteckt, erklärt Pia Homp, Rektorin der Grundschule an der Knappertsbuschstraße in München. Um Grundschullehrer zu werden, studiert man Pädagogik und schließt nach sechs Semestern mit einem Staatsexamen ab, vor allem lernt man die Didaktik der jeweiligen Fächer. „Man kann einem Kind nicht einfach sagen: ,So, das ist B, und das ist C, und jetzt liest du sie mal zusammen.‘ Da steckt eine Methode dahinter, und die lernt man dort“, erklärt die 52-Jährige. „Beispielsweise in Mathe, da fängt man mit einem Spiel an. Also etwas, das die Kinder handelnd macht, danach abstrahiert man es ein bisschen und macht es an der Tafel, beispielsweise mit Bildern. Man zeigt ihnen fünf Kinder, drei Kinder und so weiter. Dann macht man dasselbe mit Pünktchen und schreibt die Zahlen dazu, bis man schlussendlich zum Arbeitsblatt kommt.“

„Dass man sie gut im Griff hat“

Ist man zu nett, wird das schnell ausgenutzt. Ein Grundschullehrer prägt die gesamte schulische Laufbahn eines Kindes. Dabei muss er den schmalen Grat zwischen Autorität und Bezugsperson finden. Das heißt, die Kinder sollen wissen, dass sie sich nicht alles erlauben können, jedoch auch, dass sie bei Problemen zu ihm kommen können. „Manchmal kommt es nach ein paar Monaten schon vor, dass ein Schüler zu mir kommt und so etwas sagt wie: ,Mama, die Toilettenspülung ist kaputt, ääh Frau Homp‘, das ist echt rührend. Aber am Anfang muss man streng sein, so dass die Kinder Respekt vor dir haben. Es muss klare Regeln geben und Konsequenzen, wenn man gegen sie verstößt“, sagt die Mutter zweier Kinder. „Im Laufe des Jahres kann man dann ein bisschen kumpelhafter, kameradschaftlicher werden, aber am Anfang muss man wirklich schauen, dass man sie gut im Griff hat. Denn wenn man dies nicht tut, tanzen sie einem sofort auf der Nase herum.“

Zu Hause gab es nochmal Ärger

Werden die Kinder tatsächlich von Jahr zu Jahr frecher? Zum Teil sei an der Aussage wohl etwas dran, jedoch liege dies nicht an den Kindern selbst, sondern vielmehr an ihren Eltern. „Die Eltern stehen mittlerweile eindeutig mehr hinter den Kindern, als das beispielsweise bei mir früher war. Wenn ich damals Unsinn in der Schule gemacht habe, habe ich es entweder gar nicht erzählt, oder wenn ich es erzählt habe, habe ich zu Hause auch nochmal Ärger bekommen. Das heißt, die Eltern waren früher mehr auf der Seite der Lehrer. Heute muss man sich als Lehrer immer ganz schnell rechtfertigen. Und daher kommen die Kinder natürlich auch mit dem Anspruch, dass sie sich mehr erlauben können. Das ist zwar nicht bei allen so, aber bei vielen.“

Arbeitsblätter müssen vernichtet werden

Regelmäßig wird der Lehrplan geändert, so muss man seine Arbeit stetig umstrukturieren. „Früher haben wir noch Namenwort gesagt, jetzt haben wir einen neuen Lehrplan bekommen, und jetzt sagen wir ab der ersten Klasse Nomen. Das heißt, die Lehrer müssen jetzt die Arbeitsblätter vernichten, wenn sie nicht irgendwo gespeichert sind.“ Die Arbeit ist nicht getan, wenn der Unterricht endet. „Man arbeitet schon ganz schön viel. Offiziell 40 Stunden die Woche, das heißt acht Stunden am Tag. Aber man ist ja meist um 7.15 Uhr in der Schule und bereitet etwas vor, um 12 Uhr endet der Unterricht, aber bis um 14, 15 Uhr hat man immer noch etwas zu tun.“ Hinzu komme das Korrigieren und die Vorbereitung. „Beim Korrigieren sind es ja auch nicht nur Tests, sondern auch Diktate, Arbeitsblätter und Hausaufgaben.“

Was ist das Schwierigste an dem Beruf? Es sei der Umgang mit den Eltern. In der Grundschule sei der Kontakt mit den Eltern am stärksten. Die Kinder seien der positive Ansporn, dem Beruf gerecht zu werden. „Man gibt viel an Zeit, Energie, Emotionalität, aber man bekommt auch viel zurück, das ist das Gute an dem Beruf. Aber es ist auf jeden Fall kein Halbtagsjob, so wie viele das behaupten.“

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