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Grenzregion Saarland : Croissants und ebbes zum Frühstück

  • -Aktualisiert am

Bild: Von Zubinski, LABOR, Frankfurt

Die Saarländer pflegen guten Kontakt zu ihrem Nachbarn Frankreich. Junge Menschen tun sich aber mit dem Erlernen der jeweils anderen Sprache nicht leicht.

          Du hast überhaupt keinen französischen Akzent? Das überrascht mich aber.“ „Sind deine Eltern eigentlich aus Frankreich?“ Immer häufiger wird man als Saarländer mit solchen Fragen oder Aussagen konfrontiert. Das Klischee vom saarländischen Franzosen bedient das Saarland allerdings auch selbst allzu gerne in der Außenwerbung mit dem Hinweis auf das „saarvoir vivre“, die französische Lebensart auf saarländische Art und Weise, oder den daran angelehnten Grundsatz: „Hauptsach gudd gess“.

          „In unserer Gesinnung waren wir immer Deutsche“, erklärt Karin Michels freundlich. Die schlanke fast 80-Jährige sitzt entspannt beim Kaffeeklatsch auf der Gartenterrasse ihrer Nachbarin in Güdingen, einem 1974 eingemeindeten Stadtteil von Saarbrücken. Die ehemalige Gynäkologin erzählt bei Kaffee und selbstgebackenem Tante-Erna-Kuchen, einem aus schneckenförmig aufgerollten Kringeln bestehenden Hefegebäck mit viel Butter und Zucker obendrauf, von ihrer Jugend. Sie wurde 1937 geboren, in einer Zeit, in der das Saarland an das Reich angeschlossen war. Davor war das Deutsche Saarland mal französisch, mal deutsch und für kurze Zeit sogar unabhängig.

          Mix aus drei Sprachen

          Von der Terrasse sieht man nach Westen über die bewaldeten Hügel bis nach Frankreich. Wo Deutschland aufhört und wo Frankreich anfängt, kann man nur vage bestimmen; eine markierte Grenzlinie gibt es schon lange nicht mehr. Am Wochenende fährt man über die Grenze, um Baguette, Croissants und „ebbes“ zum Frühstück zu kaufen. Die Kassiererinnen im Supermarkt begrüßen ihre Kunden in einem Mix aus Französisch, Deutsch und Saarländisch. Nicht selten trifft man hier am Wochenende auf mehr Deutsche als Franzosen. Auch umgekehrt kommen viele Franzosen nach Saarbrücken, um einzukaufen oder zu arbeiten. Täglich pendeln 18 000 Franzosen in die Hauptstadt des Saarlandes. Deutlich erkennbar sind die französischen Feiertage. Die Stadtautobahn, die parallel zur Saar läuft, ist überfüllt, und auf den Hinweisschildern steht „Feiertag in France“ geschrieben.

          Sie schickten ihre Kinder „rüber zu den Feinden“

          Das Verhältnis zwischen den beiden Ländern war nicht immer so gut. „Vieles an der Zusammenarbeit scheiterte an der Sprachbarriere“, sagt Karin Michels, „erst Anfang der 60er Jahre endeten die Feindseligkeiten.“ Sie nahm als junges Mädchen an einem Austausch nach Frankreich teil, heute für junge Saarländer fast alltäglich, damals ungewöhnlich. „Mein Vater gab mir einen Brief mit für die Gasteltern, in dem er darum bat, die Feindseligkeiten zu beenden. Sie müssen sich das vorstellen, unsere Eltern schickten ihre Kinder rüber zu den Feinden.“ Seit den 70er Jahren finden vermehrt gemeinsame Projekte in den Bereichen Kunst, Kultur und Bildung statt. Grundsteine dafür legten Konrad Adenauer und Charles de Gaulle mit dem Elysée-Vertrag 1963. Das Festival Perspectives, ein deutsch-französisches Festival für zeitgenössische Bühnenkunst, das 1978 ins Leben gerufen wurde, ist eines der besten Beispiele. Die Aufführungsorte liegen sowohl im Saarland als auch in der französischen Grenzregion.

          Arbeit am Jean-Monnet-Lehrstuhl

          Im Bildungsbereich wird großer Wert auf Bilingualität gelegt. Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer stellte 2003 die „Frankreich-Strategie“ vor; ein Konzept zur Stärkung der grenzübergreifenden Zusammenarbeit. Und die entscheidende Voraussetzung dafür ist, dass die Menschen miteinander sprechen können: auf Deutsch und auf Französisch. „Die Frankreich-Strategie sieht nicht, dass so was auf Freiwilligkeit beruhen muss“, wirft Karoline Schmidt ein. Sie hat 2015 ihren Master of European Law in Lille gemacht und steckt jetzt im Ersten juristischen Staatsexamen. Als studentische Hilfskraft arbeitet sie am Jean-Monnet-Lehrstuhl der Universität des Saarlandes. Karoline Schmidt lernte bereits als Kindergartenkind Französisch von ihrer französischen Tagesmutter. „Die ersten Lieder, die ich gelernt habe, waren auf Französisch. Dieser frühe Kontakt hat auf jeden Fall meine Aussprache verbessert und mir den Zugang zur Sprache erleichtert.“

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