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Veröffentlicht: 10.04.2017, 13:47 Uhr

Glockengießen Glockenguss in der Garage

Ein geschultes Ohr hört sogar den Gießer der Glocke heraus: Benediktinermönch Michael über das Glockengießen in der Eifel.

von Simon Runkel, Megina-Gymnasium, Mayen
© Andrea Koopmann

Festgemauert in der Erden – so wie Schiller es in „Das Lied von der Glocke“ beschreibt, wurden in der Glockengießerei der alten Benediktinerabtei Maria Laach, in der Vordereifel am berühmten Laacher See gelegen, seit 1999 Glocken hergestellt. Sie war eine von insgesamt sieben Gießereien in Deutschland und stand unter der Leitung von Michael Reuter. Gebürtig stammt der 57-Jährige aus Münster in Westfalen. Er kam 1980 mit 20 Jahren nach Maria Laach und wurde Mönch des Klosters. Mit Hilfe dreier weiterer Mitarbeiter wurden hier in 17 Jahren mehr als 2000 Glocken gefertigt.

Für die Abteikirche Maria Laach

„Nachdem die Glocken der Abteikirche Maria Laach saniert wurden, war ich durch diese Arbeit so fasziniert, dass ich unbedingt selbst Glocken gießen wollte. Durch das Lesen von Literatur und nach dem Prinzip learning by doing eignete ich mir das Wissen über das Glockengießen an.“ Bruder Michael erinnert sich genau an das erste Mal in der Garage, die als Werkstatt diente: „Wir fühlten uns wie kleine Kinder an Weihnachten, die ihre Geschenke erwarteten“, sagt der 1,90 Meter große Mann. „Wir probierten das Gießen einfach aus und hofften, dass es gelingt.“

Ton, Klangbild und Gewicht

Denn eigentlich ist der Herstellungsprozess langwierig und muss genauestens geplant werden, da die Fertigungszeit einer Glocke je nach Größe von zwei Wochen bis zu einem Vierteljahr variieren kann. „Das in Deutschland vorgeschriebene Lehmformverfahren erfordert enorm lange Trockenzeiten und damit Wartezeiten.“ Mit einer Formschablone aus Holz legt der Glockengießer bereits zu Beginn Ton, Klangbild, Durchmesser und Gewicht der späteren Glocke fest. „Wie er das errechnet, das ist ein streng gehütetes Gießergeheimnis.“ Mit dieser sogenannten Rotationsschablone wird eine dreiteilige Lehmform gefertigt, bestehend aus dem inneren Kern, dem äußeren Mantel und der dazwischen liegenden „Falschen Glocke“. Diese dient als Platzhalter für die spätere Metallglocke. Sie wird vor dem Guss aus der Glockenform entfernt und der dadurch entstehende Hohlraum mit Metall, der Glockenbronze aus 78 Prozent Kupfer und 22 Prozent Zinn, ausgegossen.

Die Größte wiegt vier Tonnen

Dazu wird die gussfertige Form vorher in einer Grube eingestampft und nach dem Erkalten der Glocke, das zwischen einigen Stunden und vier Wochen dauert, wieder ausgegraben und der Lehm zerschlagen. „Die freigelegte Glocke wird gereinigt, auf korrekten Ton geprüft und, falls erforderlich, nachgestimmt. Obwohl der Klang einer Glocke von vielen Faktoren abhängig ist, kann ein geschultes Ohr den Gießer einer Glocke erkennen.“ Die größte Glocke aus Maria Laach ist die „groote Bomm“ in der katholischen Stadtkirche in Kleve am Niederrhein. Sie wiegt annähernd vier Tonnen und hat knapp zwei Meter Durchmesser und Höhe. Die kleinste gefertigte Glocke hat einen Durchmesser von 15 Zentimer und wiegt etwa drei Kilogramm, eine Haustürglocke. Die Gießerei fertigte als Wirtschaftsbetrieb für jeden potentiellen Kunden. „Wir waren oft erstaunt, dass evangelische Kunden vorsichtig anfragten, ob wir denn auch für sie arbeiten würden“, sagt er lächelnd.

Es gab zu wenig Aufträge

Bei der Herstellung läuft nicht immer alles perfekt. Das schlimmste Ereignis war für Bruder Michael die Gasexplosion beim Guss einer Drei-Tonnen-Glocke. „Es flog einiges Metall durch die Luft. Ein Wunder: Es gab keine nennenswerten Verletzungen.“ Das schönste Erlebnis war der Guss des Geläutes für Rott am Inn. „Ein Großgeläute als Abschluss meines aktiven Tuns und der Übergabe an meinen Nachfolger, das nahezu perfekt aus der Grube kam.“ Letztendlich musste die Laacher Glockengießerei 2015 wegen zu geringer Auftragslage ihren Betrieb einstellen. Bis 2016 wurden bereits angenommene Aufträge noch ausgeführt. Bruder Michael gab zuvor die Leitung ab: „Die Glockengießerei war sozusagen mein Kind. Das aus der Hand zu geben war ein schweres Opfer. Meine Gesundheit lässt aber nichts anderes zu, da ich an der Parkinsonschen Krankheit leide. Es gilt, diese Tatsache anzunehmen und mit der verbleibenden Kraft noch so manches Gute im Glockenwesen zu begleiten.“

Einsatz für die Erfurter Domglocken

Aktuell hat Bruder Michael die ehrenvolle Aufgabe, den Dombaumeister von Erfurt bei der Betreuung der berühmten Gloriosa, der größten der Erfurter Domglocken, zu unterstützen. „Seit die Glocke 1985 zum ersten Mal gesprungen war und im Turm geschweißt wurde, hat diese Glocke einen eigenen Sachverständigen. Diese Aufgabe habe ich und stelle durch Läuteprobe mit den anderen Beauftragten der Erfurter Glocken fest, ob alle Parameter der Läutetechnik erfüllt sind.“

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