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Flugverein : Bei Speck heben die Oberländer regelrecht ab

  • -Aktualisiert am

Ein Schweizer Flugverein geht auch mit Laien in die Luft. Der Privatpilot Adrian Álvarez über seine Faszination der Grashüpfer.

          Adrian Álvarez blickt auf die Graspiste des Flugplatzes Speck. Der Pilot sitzt in der towerähnlichen, gläsernen Veranda, in der das Betriebsbüro des Flugplatzes ist. Auf seinem Schreibtisch liegt ein Funkgerät mit Kabel, auf einem Monitor sind überwachte Flugzeuge zu sehen. Seit 14 Jahren ist der 37-Jährige in der Flugsportgruppe Zürcher Oberland. Seit zehn Jahren trägt er als Stellvertreter des Flugdienstleiters dazu bei, dass der Flugbetrieb des Kleinflugplatzes bei Fehraltorf im Zürcher Oberland reibungslos funktioniert. Vom Büro überblickt er konzentriert die 600 Meter lange Graspiste und kommuniziert über Funkgeräte mit den Piloten in der Luft. „Fliegen ist und bleibt etwas ganz Besonderes. Man weiß nie, was einen beim nächsten Flug erwartet“, sagt der Sohn eines Spaniers und einer Schweizerin.

          Sein erster Alleinflug

          Nach der Lehre als Elektromonteur begann er mit 23 Jahren bei der Flugsportgruppe Zürcher Oberland seine Ausbildung zum Privatpiloten. Heute fliegt er Motorflugzeuge und gibt sein Wissen weiter, indem er Privatpiloten in Abendkursen auf das Navigationssystem Garmin 1000 umschult. Er nimmt die theoretischen Vorprüfungen der Flugschüler ab, um zu sehen, ob sie für die Theorieprüfung beim Bundesamt für Zivilluftfahrt angemeldet werden können. Álvarez würde es reizen, sich zum Fluglehrer ausbilden zu lassen. Obwohl er nicht Linienpilot wurde, sein Traumberuf, ist er als Systemtechniker am Flughafen Zürich nahe am Geschehen. An seinen ersten Alleinflug erinnert er sich gut. „Es war besonders aufregend, weil ich nicht wusste, wann ich zum ersten Mal alleine fliegen würde und vom Fluglehrer überrascht wurde, als dieser mir mitteilte, dass er mich heute nicht begleiten würde.“

          Durch Gegenlicht aufs Stoppelfeld

          Von den durchschnittlich 20 Stunden, die Álvarez jährlich in der Luft verbringt, sind ihm Flüge über dem Nebelmeer und mit großartigem Licht besonders in Erinnerung geblieben. Manche Lichtverhältnisse sind anderen schon zum Verhängnis geworden. Vor zwei Jahren wurde ein Pilot bei der Landung vom Gegenlicht getäuscht und nahm ein neben der Graspiste liegendes Stoppelfeld als Piste wahr. Beim Auftreffen auf das Feld bemerkte er den Irrtum und steuerte das Flugzeug in Richtung Piste. Dabei überrollte es eine Ackerfurche, Propeller und ein Flügel wurden beschädigt. Zum Glück blieb es beim Sachschaden, der Pilot und seine beiden Passagiere blieben unversehrt.

          Bis zu 200 Starts und Landungen

          Laub weht über den Boden, als zwei Vereinsmitglieder in einer weiß-roten Siai-Marchetti F.260 C mit dröhnendem Geräusch auf die Piste rollen. Der Propeller dreht. Wasser spritzt auf, als der Flieger über die Piste saust. Die beiden heben an diesem bewölkten Sonntagnachmittag ab und verschwinden am Horizont. „Die wollen über den Wolken fliegen, dort, wo die Sonne scheint“, sagt Álvarez. An sonnigen Tagen kann man auf dem Platz bis zu 200 Starts und Landungen beobachten. Die Flugzeuge starten ihren Flug in verschiedene Regionen. Eine moderne Cessna 172 braucht ab dem Flugplatz Speck lediglich 20 bis 25 Minuten, bis sie den Bodensee erreicht hat. Sonnige Tage führen auch Zuschauer hierher, die lieber am Boden bleiben. „Viele Familien mit Kindern fahren mit dem Velo hierher, um den Fliegern zuzuschauen“, berichtet Álvarez, der Vater eines siebenjährigen Mädchens und eines zweijährigen Jungen ist. Es gibt ein Restaurant und einen Spielplatz.

          Die Cessna ist ein gutmütiges Flugzeug

          Die Flugsportgruppe Zürcher Oberland entstand 1948 durch den Zusammenschluss von Segel- und Motorflugpiloten des ländlichen Zürcher Oberlands. Damit ihre Kleinflugzeuge nicht mehr an Bäumen angebunden werden mussten, baute die Gruppe einen Hangar in der Nähe von Hittnau. Vier Jahre später entstand der Kleinflugplatz in Speck-Fehraltorf nahe des Pfäffikersees und ist der erste Minergie-zertifizierte Kleinflugplatz des Landes.  Nachdem der Hangar in Speck durch einen Brand zerstört wurde, entstanden zwei neue Hallen. Hier stehen und hängen zahlreiche Motor- und einige Segelflugzeuge, 15 gehören dem Verein. Álvarez steht neben einem weißen, zweiplätzigen Schulterdecker. „Diese Cessna 152 ist ein gutmütiges Flugzeug. Fast jeder Pilot hat sie einmal geflogen, selbst in den Büschen Afrikas kann man mit ihr landen“, schmunzelt er.

          Nach der Weiterbildung zum Gletscher

          Die vielen Oldtimer-Flugzeuge lassen die Halle wie ein historisches Museum erscheinen. Ein dunkelgelber Doppeldecker Bücker Jungmann, der einst in der spanischen Luftwaffe eingesetzt wurde, und eine Pilatus P-2, ein originales, altes Kampfflugzeug der Schweizer Armee, sind nur zwei historische Exemplare, die hier untergebracht sind. Der rund 480 Mitglieder zählende Verein ermöglicht auch Laien große Erlebnisse. Sowohl Motor- als auch Segelflüge sind für Passagiere möglich. Außergewöhnlich sind Gletscherflüge, die nach einer Weiterbildung durchgeführt werden können. Dafür steht eine dunkelgelbe Piper PA18 „Super Cub“ bereit. Sie besitzt Kufen, so dass sie auf einem Schneefeld, wie dem Vorabgletscher in Laax, aufsetzen kann. Die Herausforderung für die Piloten wird mit einer prächtigen Aussicht auf die stille Schneelandschaft belohnt. Selbst im Winter, wenn die Piste in Speck mit Schnee bedeckt ist, läuft der Betrieb. Bei gut präparierter Piste können die Kleinflugzeuge problemlos starten.

          Quelle: F.A.Z.

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