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Flucht : Prinz auf der Flucht

  • -Aktualisiert am

Bild: Andrea Koopmann

Prince Wale Soniyiki sollte in seiner Heimat den Thron besteigen. Aber er musste fliehen. Heute hilft der nigerianische Prinz in Kroatien anderen Flüchtlingen.

          Onipara of Ipara“, „Herrscher des Volkes Ipara“, lautet der Titel des Thronfolgers des Volkes in Nigeria, zu dem sieben Millionen Menschen gehören. Prince Wale Soniyiki sitzt aber nicht auf dem Thron, sondern in Kroatien. Sein Weg war voller tödlicher Gefahren. 1985 wurde Soniyiki in Jos City, der Hauptstadt des Bundesstaates Plateau, in Zentralnigeria geboren. Diese Region liegt zwischen dem muslimischen Norden und dem christlichen Süden. Besonders wenn Wahlen sind, kommt es zu brutalen Zusammenstößen.

          Leid und Verzweiflung sind groß

          Ein Großteil der Bevölkerung lebt in Armut. „Weil Leid und Verzweiflung so groß sind, werden Menschen verrückt, wenn es um Geld geht. Um einen Monat gut zu überleben, braucht man etwa 150 Euro, ungefähr der Preis für ein Paar gute Markenschuhe in Europa.“ Es fehle an Bildung. „Staatliche Schulen streiken. Jugendliche geraten früh auf die schiefe Bahn.“ Weil viele Menschen ungebildet und arm sind, seien sie bestechlich. „Während der Wahlkampagnen werden Eier und Brot an das hungrige Volk verteilt. Das reicht, damit sie ihr Kreuz an der richtigen Stelle machen. Leider unterstützen sie dadurch die Korruption.“

          Die Wiedergeburt Afrikas sichern

          Eine Hoffnung sieht er in den Afrikanern, die nach Europa gegangen sind und hier ausgezeichnete Schulen sehen. „Afrikaner machen im Westen Erfahrungen mit dem Steuerrecht, lernen Rechnungen zu bezahlen und nicht Korruption. Das sind die Leute, die die Wiedergeburt Afrikas sichern können.“ Soniyiki fordert deshalb: „Gebt kein Geld nach Afrika, denn das kommt oft in die Hände korrupter Politiker. Nur eine vernünftige Bildung kann uns helfen.“ In seinem Gesicht und auf seinen Händen hat er Narben, weitere habe er auf dem Rücken, erzählt er. Sie wurden ihm als Teil seiner Kultur beigebracht, als er ein Baby war.

          Mit dem Sprung rettet er sich

          Im Alter von zwölf Jahren zog er nach Ipara, im Südwesten Nigerias. Da er der mögliche Thronfolger ist, übernimmt ein „Kingmaker“ einen Teil seiner Erziehung. Doch im Dezember 2011 passiert in Kuru, der Heimatstadt seiner Mutter, ein Zwischenfall, der sein Leben aus der Bahn wirft. Terroristen der islamistischen Miliz Boko Haram überfallen Kuru. „Ich wusste, dass ich mich verstecken muss, sobald ich jemanden Dschihad rufen höre. So schnell ich konnte, sprang ich in das nächstmögliche Versteck, ein Schlammloch im Straßengraben, der als Abwasserkanal dient.“ Der Sprung rettet ihm das Leben, doch er muss mitansehen, wie zwei Brüder brutal erschlagen werden. Im Graben verletzt er sich schwer an Glasscherben, zunächst spürt er keinen Schmerz. Er steht unter Schock.

          „Gerechtigkeit für meine Brüder“

          Kaum haben die Terroristen den Ort verlassen, droht neue Gefahr. „Es besteht eine Art Sicherheitsdienst, die Joint Task Force, JTF, die kommt, um einzugreifen und die Lage zu beruhigen. Doch anstatt ihnen zu helfen, wurden Verletzte getötet mit der Behauptung, sie seien selbst Terroristen.“ Soniyiki flüchtet sich erneut in den Graben, um nicht selbst umgebracht zu werden. „Ich brauchte zwei Monate, um mich zu erholen.“ Danach geht er zu den Behörden, um den Vorfall anzuzeigen. „Ich wollte nur Gerechtigkeit für meine Brüder.“ Abends ruft ein Militärchef an: Er solle seine Aussage zurückziehen. Soniyiki weigert sich. „Ich habe doch mit eigenen Augen gesehen, was geschehen ist!“ Drei Mal kommen die Sicherheitskräfte der JTF, schlagen ihn fast zu Tode.

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