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Fernsehen : Das FSK-12-Siegel ist jugendgefährdend

Bild: FAZ.NET

Die Freiwilligen Selbstkontrolleure muten unseren Jugendlichen miese, fiese, grauenhafte Filmszenen voller Fäkal- und Gossensprache zu. Es gibt nur einen Rat: Finger weg von diesen Filmen, wenn man seine Kinder liebt.

          Am Rande unseres Streitgesprächs über Konservatismus und Toleranz erzählten wir Roland Koch von unserer Expedition in die Abgründe des Jugendschutzes, von all den miesen, fiesen, grauenhaften Filmszenen, der Fäkal- und Gossensprache, die unsere Freiwilligen Selbstkontrolleure Kindern und Jugendlichen zumuten. Koch meinte sinngemäß, das sei doch schon fast Schnee von gestern, wenn man sich vor Augen halte, was sich jedes Kind im Internet an Pornographie, Perversion und Gewalt anschauen kann. Es war nur eine betrübte Feststellung, aber so ungefähr argumentiert auch die FSK, um ihre hanebüchenen Entscheidungen zu legitimieren: dass andere letztlich ebenso verantwortungslos handeln. Es kommt demnach nicht darauf an, was man selber tut, selbst wenn als Zweck „Selbstkontrolle“ festgeschrieben ist. Und Staat und Kirchen wirken dabei mit. Bei vielen Filmen haben wir uns gefragt: Wie kann das sein? Wie kann man überhaupt auf die Idee kommen, Kinder mit so etwas zu konfrontieren?

          Volker Zastrow

          Verantwortlicher Redakteur für Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Herausbekommen haben wir es nicht. Aber wenn wir raten dürfen: Es hat vermutlich mit Geld zu tun. Zum Beispiel den Werbeeinnahmen, die Fernsehsendern entgehen, wenn Blockbuster erst spätabends gezeigt werden dürfen.

          Die Regisseure von heute können nur Rammelsex

          Wie können Eltern mit dieser Situation umgehen? Man will seine Kinder vor seelischen Verletzungen und Misshandlungen schützen. Das FSK-Siegel, sollte man annehmen, signalisiert, dass ein Film keine Szenen enthält, die so wirken. So mag man glauben, Kinder oder Jugendliche ruhig auch allein Filme anschauen lassen zu dürfen, die das FSK-12-Zeichen tragen. Weit gefehlt, wie unsere Stichproben ergaben. Die Wirklichkeit ist andersherum: Das grüne Zeichen ist ein starker Hinweis darauf, dass der so gekennzeichnete Film für Kinder und Jugendliche unter 16 keinesfalls geeignet ist. Chance: eins zu eins. Steht FSK 12 drauf, bedeutet das: Finger weg, wenn einem etwas an den Kindern liegt.

          Dem kann man auch nicht begegnen, indem man solche Filme mit ihnen zusammen schaut. Denn die üblen Szenen kommen nicht selten aus heiterem Himmel - klar, dann ist der Schockeffekt am größten. Nur sollte man ihn gewiss nicht an Kindern erproben. Dass überdies Schamgrenzen in modernen Filmen mit primitiver Penetranz bei jeder erdenklichen Gelegenheit überschritten werden, ist schon für Erwachsene misslich. Erotik zurückhaltend und feinfühlig, wie etwa in dem Film „Die Geisha“, darzustellen: So etwas beherrschen Regisseure offenbar durchweg nicht mehr, sie können nur Rammelsex. In der Redaktion gingen die Meinungen darüber auseinander, was solche Szenen für Kinder bedeuten - einmal abgesehen vom brutalen Einreißen der Schamgrenze, die sich doch gerade in der Pubertät ausbildet. Manche Szenen mögen Vierzehnjährigen sogar schlechter bekommen als Kindern mit zwölf. Auf eines kann man sich aber verlassen: Das FSK-Siegel selbst ist schon jugendgefährdend.

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