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Veröffentlicht: 04.04.2017, 13:22 Uhr

Everglades Zehn Zentimeter über dem Alligator

Fette Beute für Vögel mit Schlangenhälsen, Brände im Buschland und neugierige Kanufahrer: mit einer deutschen Biologin durch die Mangrovenwälder der Everglades

von Martin Krüger, Albert-Einstein-Gymnasium, Frankenthal
© Claudia Weikert

Hoch türmen sich weiße Wolken über den riesigen Weiten der Everglades in Florida. Ein Kleinbus mit drei Kanus auf dem Anhänger fährt auf der einsamen, in die Jahre gekommenen Straße, die in den Nationalpark führt. Durch weitläufige, von hohen Gräsern und Sumpfzypressen bewachsene Flächen geht es immer tiefer in den Nationalpark. Große, weiße Silberreiher mit langen Hälsen begutachten die Besucher von ihren Bäumen. Hier bietet die Biologin Caren Tautz-Kopania verschiedene Touren an und erklärt das einzigartige Ökosystem.

Fluss aus Gras

Abrupt bremst der Kleinbus: Eine Schildkröte überquert die Straße und verschwindet auf der gegenüberliegenden Seite im „Fluss aus Gras“. Bis zum Horizont sieht man hohe Gräser und niedrige Bäume. Diese stehen im oft nur einige Zentimeter tiefen Wasser, das sich mit einem Meter in der Stunde Richtung Meer bewegt. „Das Wasser hier hat Trinkwasserqualität, da bei seinem gemächlichen Fluss durch das flache Florida alle Unreinheiten herausgefiltert werden“, erklärt die blonde Frau, die vor acht Jahren in die Vereinigten Staaten auswanderte. Nachdem sie den geräumigen Achtsitzer am Ufer eines kleinen Sees geparkt hat, lässt die kleine Gruppe die Kanus ins Wasser. „Diese Seen wurden aus dem ursprünglich flachen Boden ausgehoben, um den Straßenbau durch die größtenteils überflutete Fläche möglich zu machen“, erzählt die Biologin, die Bluse und kurze Hosen trägt und sich mit Kappe und Sonnenbrille vor der Sonne schützt.

Ehrenamtlich im National Park

Auf dem kleinen See erklärt sie die Steuerung der Kanus und zeigt, wie im dichten Mangrovengeflecht gewendet werden kann. „Kurz nach dem ersten längeren Aufenthalt aus Forschungsgründen hier in Florida, zogen wir als Familie nach Miami. Mein Mann war der neue Pfarrer der deutschen Gemeinde in Miami geworden. Ich verbrachte viel meiner freien Zeit wandernd und paddelnd im Everglades National Park. Für mich war es ein faszinierendes Erlebnis, in Südflorida die verschiedenen Ökosysteme zu besuchen, zu erkunden und zu erleben, wie diese einzigartige Lebensgemeinschaft funktioniert.“ Durch eine schmale Lücke in den Mangroven steuern die Kanus auf glasklarem Wasser in den nächsten See. „Eine natürliche Folge meiner Aktivitäten war, dass ich anfing im Everglades National Park und auch Biscayne National Park ehrenamtlich zu arbeiten.“

Wunder der Zypressenwälder

Sie bot ein Programm in deutscher Sprache an und arbeitete bei Dragonfly Expeditions als Guide in Südostflorida, zeigte Kunden von Backroads unter anderem die Wunder der Zypressenwälder und führte bei Tours-in-the-Glades als Wilderness Guide Besucher durch den Everglades National Park. Aufgrund dieser Erfahrung und dem positiven Feedback entstand das Familienunternehmen German Tours Everglades LLC, berichtet die Biologin, die neben Kanutouren auch WetWalks und Nachtwanderungen im Nationalpark anbietet.

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