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Esperanto : 16 Grammatikregeln ohne Ausnahme

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Bild: Moni Port

Aalen beherbergt die größte Esperanto-Bibliothek Deutschlands. Diese Sprache verbinde die ganze Welt, sagt der Hüter der 26 000 Bände.

          Alle Menschen auf der Welt müssen sich gegenseitig verstehen können. Das war der Gedanke von Ludwig Zamenhoff, als er die Sprache Esperanto erfand. Er wuchs in Bialystok im Osten Polens auf, das damals zum Russischen Reich gehörte. In der Gegend wurden neben Polnisch auch Deutsch, Russisch und Jiddisch gesprochen. Die Verständigung untereinander funktionierte nicht. So beschloss Zamenhoff, eine Sprache zu erfinden, mit der die Menschen sich verstehen könnten. Er formulierte 16 Grammatikregeln ohne Ausnahmen und versuchte die Wortwurzeln so international wie möglich zu wählen. Das Wort „telefono“ kommt zum Beispiel vom griechischen „tele fon“, „amo“ aus dem Lateinischen, „kolbaso“ vom slawischen „kolbas“, Wurst. Aus dem Französischen kommt die Vorsilbe „mal“, die aus einem Wort das Gegenteil macht. Die deutsche Nachsilbe „in“ wird auch auf Esperanto benutzt, um aus maskulinen Wörtern feminine zu formen.

          Verbot durch die Nationalsozialisten

          Wie der Geschäftsführer der deutschen Esperanto-Bibliothek Aalen und ehemalige Apotheker Karl Heinz Schaeffer erzählt, gab es 1905 den ersten Esperanto-Weltkongress. Drei Jahre später auf dem Weltkongress in Dresden wurde beschlossen, eine Bibliothek zu gründen. Diese erste königlich-sächsische Esperanto-Bibliothek zog 1913 mit ihrem Leiter Albert Schramm nach Leipzig um, der dort Museumsdirektor wurde. Sie musste jedoch 1936 schließen, weil die Nationalsozialisten den Gebrauch von Esperanto verboten hatten. Dasselbe geschah auch unter der Führung Stalins in Russland. Der Bestand von 3000 Bänden in Leipzig entkam den Bücherverbrennungen, da sie an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz verschenkt wurde, wo er sich noch heute befindet.

          Die Stadt spendierte eine Regalanlage

          Anfang der 50er Jahre entstand aus Sammlungen von vier Esperantisten eine Bibliothek im Pfarrhaus des evangelischen Pfarrers in Gächingen, später in Bissingen/Teck. Als Pfarrer Burkhardt pensioniert wurde und aus seiner Wohnung im Pfarrhaus ausziehen musste, suchte man einen neuen Platz für die 10 000 Bücher. Zu dieser Zeit kannten sich der Pfarrer und der begeisterte Esperantist Karl Heinz Schaeffer schon. Da der damalige Bürgermeister der Stadt Aalen sich für Esperanto aussprach und auch der Leiter der Stadtbibliothek die Idee als gut befand, zog die Bibliothek in ein extra Abteil der Stadtbibliothek. Schaeffer, der sich vorwiegend um die Finanzen, den Schriftverkehr und das Personal der Bibliothek kümmert, betont, es sei ein großes Glück gewesen, dass Platz war und von der Stadt eine 30 000 Mark teure, elektrisch verschiebbare Regalanlage gesponsert wurde.

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