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Doping : Beim Pinkeln zuschauen

  • -Aktualisiert am

Bild: Moni Port

„Ich will fairen Sport.“ Ein Schweizer Doping-Kontrolleur über seine Mission zwischen Urin, Blut und Hausbesuchen. Wird jemand erwischt, freut ihn das:

          Der Beruf von Michael Amstutz (Name geändert) beinhaltet vor allem eines: lange Autofahrten. Während dieser Zeit hört der Graubündner oft Hörspiele, die die eintönigen Reisen interessanter machen. Einen festen Arbeitsplatz hat er nicht. Der 38-Jährige ist einer von nur fünf fest angestellten Doping-Kontrolleuren der Stiftung Antidoping Schweiz. Zusätzlich gibt es noch etwa 25 Milizkontrolleure, zum Beispiel Mediziner, die im Nebenjob solche Tests durchführen. Nach einer handwerklichen Lehre arbeitete Michael Amstutz in speziellen Bereichen der Polizei, vor allem beim Personenschutz. Seine Frau wurde schwanger, und er suchte ein weniger intensives Berufsleben. „Im Internet war eine Stelle als Doping-Kontrolleur ausgeschrieben.“ Nach einem Telefonat konnte er bei einer Kontrolle mitgehen. Der Beruf entsprach ihm, und er bewarb sich.

          Er taucht unberechenbar auf

          Seit fast sechs Jahren bekommt Michael Amstutz jetzt schon am Monatsende eine Liste mit den Namen der Athleten, die er im nächsten Monat zu kontrollieren hat. Getestet werden in den meisten Fällen Sportarten, die Swiss Olympic unterstellt sind. Testen darf er nur Männer. Antidoping Schweiz ist zuständig für alle Schweizer Athleten, bekommt aber auch Aufträge von Anti-Doping-Organisationen aus dem Ausland. Für diese wird die Schweizer Organisation bezahlt. Bei 60 Prozent seiner Kontrollen kann der kräftig gebaute Kontrolleur den Zeitpunkt frei auswählen. „Ich muss aber beachten, dass es nicht zu einer berechenbaren Regelmäßigkeit kommt; so können Manipulationen verhindert werden. Bei den anderen 40 Prozent werden mir Ort und Zeitpunkt fix vorgeschrieben“, erklärt der gebürtige Solothurner. Das können Wettkämpfe wie zum Beispiel die Schweizer Langlaufmeisterschaft sein.

          Zwischen 6 und 23 Uhr

          Antidoping Schweiz hat das Recht, während allen 24 Stunden des Tages auf Doping zu testen; die meisten Kontrollen werden aber zwischen 6 Uhr und 23 Uhr durchgeführt. Anhand dieser Vorgaben kann Michael Amstutz seinen Monatsplan frei erstellen. Er muss Ende des Monats einfach von jedem aufgelisteten Athleten eine Probe ins Labor geschickt haben. Für ihn als mehrfachen Vater hat diese Planungsfreiheit Vorteile für den Familienalltag.

          Die besten Schweizer Athleten zahlreicher Sportarten müssen angeben, wann sie in Trainingslagern, bei Turnieren oder zu Hause sind. „Vor allem bei den anderen Sportlern kommt es vor, dass sie gerade im Training oder sonst wo sind, wenn ich ankomme. Dann muss ich warten, bis er zurückkommt. Falls das zu lange dauert, muss ich ein anderes Mal wieder vorbeischauen.“ Es kommt nicht selten vor, dass Michael Amstutz zwei- oder dreimal im Monat denselben Athleten aufsuchen muss. Deswegen kann ein langer Arbeitstag zu Ende gehen, ohne dass er viele Athleten kontrolliert hat.

          Den Sportler nicht aus den Augen lassen

          Bei einigen Sportarten wird neben Urin zusätzlich auch noch Blut abgenommen. Weil Michael Amstutz keine Ausbildung als medizinischer Fachmann hat, darf er die Blutentnahme nicht selbst vornehmen. Er trifft sich dann mit einem entsprechend legitimierten Milizkontrolleur direkt vor Ort. „Und wenn sie gerade nicht pinkeln können, dann warte ich halt.“ Während dieser Zeit darf er den Sportler nicht aus den Augen lassen. Auch beim Pinkeln muss Michael Amstutz zuschauen. Der Urin wird in numerierten Behältern aufbewahrt. Michael Amstutz schickt diese dann direkt in ein unabhängiges Labor. Das Labor gleicht die Nummer mit ihren Informationen zu Geschlecht und Sportart ab, um für die Athleten die von Antidoping Schweiz vorgegebenen Tests machen zu können. Beim Schießen zum Beispiel sind nicht die gleichen Substanzen verantwortlich für eine Verbesserung der Leistungen wie beim Radfahren.

          Das erfährt er erst aus den Medien

          Amstutz kann über interessante Erlebnisse berichten. Dazu gehören Wanderungen auf Berge, weil sich die Sportler in Hotels befinden, zu der keine Straße führt. „Kontrollen bei Behindertensportlern sind meistens auch speziell, da sie je nach Behinderung besondere Hilfe brauchen.“ Da Antidoping Schweiz für alle Schweizer Athleten zuständig ist, kommt es immer wieder vor, dass Michael Amstutz Sportler im Ausland testen muss. So übernachtet er auch mal in einem Hotel oder fliegt sogar bis zu seinen Athleten. Erst aus den Medien erfährt Michael Amstutz jeweils, wenn Personen positiv getestet werden. Ein Doping-Kontrolleur kann in einem Jahr mehrere positive Proben erheben, während in einem anderen keine vorkommen. „Sobald jemand des Dopings überführt wird, freut mich das, denn ich will fairen Sport.“

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          Quelle: F.A.Z.

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