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Veröffentlicht: 15.05.2017, 12:48 Uhr

Antiquariat Eine Widmung von Kafka wäre großartig

Von Hamburg nach Schweinfurt: Ein Antiquar über die drei großen Herausforderungen seiner Bücherwelt.

von Anna-Katharina Spiegel, Bayernkolleg, Schweinfurt

Leichter Regen fällt auf das Schweinfurter Pflaster. In der Straße, die zum Marktplatz führt, liegt neben einem Museum und der Stadtbibliothek ein kleines Antiquariat. Davor stehen zwei Tische, voll mit Büchern. Die Romane, Klassiker, Kinder- und Fachbücher sind mit Folien abgedeckt, damit sie nicht nass werden. „Und genau das ist nicht gut für das Geschäft“, sagt Ladenbesitzer Marc Lücke. An Schlechtwettertagen kommen kaum Kunden. Auch das Internet ist für den Antiquar ein Problem. „Das drückt die Preise enorm.“ Es sei aber auch eine Chance. Er verkauft Bücher auf Internetplattformen. Kunden hatte er so schon in China, Indien und Australien. Lücke hat noch ein drittes Problem: „Die Sammlerschaft wächst kaum nach.“ Kunden sind bei ihm fast nur die, die seit vielen Jahren aus Leidenschaft sammeln. Früher galten Bücher als Geldanlage, heute zählen nur noch die wirklich teuren dazu, die man sich erst einmal leisten können muss. Wie jeder Antiquar bietet er Regionales an, „das läuft hier am besten“.

Leidenschaft für Science-Fiction-Romane

Seit 26 Jahren ist er in Schweinfurt tätig. Der 55-Jährige hat schon drei Ortswechsel innerhalb der Stadt hinter sich. Angefangen hat alles in seiner Heimatstadt Hamburg. In der „Fundgrube für Bücherfreunde“ hat er eine Buchhändlerlehre im Bereich Antiquariat gemacht. Er habe den klassischen Weg gewählt, viele seien Quereinsteiger, „manche davon Studierte, andere hat die Liebe zum Buch dazu bewogen“. Seine Leidenschaft zu Büchern begann mit Science-Fiction-Romanen. Tolkien war mit 17 sein Lieblingsautor, aber auch Lem, Miéville und Asimov zählten zu seinen Favoriten. „Das tun sie auch heute noch.“ Für eine kurze Zeit war er im Hamburger Antiquariat Dieter Gätjens, der das Buch „Die Bibliothek Arno Schmidts“ geschrieben hat, angestellt.

Schmierereien gehen gar nicht

Als er seine Frau kennenlernte, zog es ihn nach Unterfranken. Etwas ungewöhnlich ist es schon, dass es hier ein Antiquariat gibt. „Schweinfurt ist keine Unistadt. Selbst in Frankfurt haben schon einige Ladengeschäfte zugemacht“, sagt Thomas Reinecke, Deutschlehrer am Celtis-Gymnasium und seit 1998 Kunde. Er ist auf der Suche nach russischer Literatur, die er für ein VHS-Seminar benötigt, das er anbietet – und er hat Glück. Lücke kann behilflich sein: „Ich bekam gestern einen Neueingang.“ Man merkt, dass die beiden sich lange kennen. Sie scherzen miteinander. Die meisten Bücher hier sind gut erhalten. Lücke erklärt, dass er beim Kauf darauf achten muss, ob diese textsauber sind. Irgendwelche „Schmierereien“ und Markierungen gehen nicht. Das heißt nicht, dass in den Büchern nichts Handgeschriebenes stehen darf. Besitzeinträge oder wissenschaftliche Anmerkungen findet er zum Beispiel interessant, auch Stempel seien in Ordnung. Bücher aus Raucherbibliotheken und Verfärbungen sind weitere Gründe, ein Buch nicht zu erwerben. „Das ist ganz schlecht.“

Ganze Bibliotheken im Angebot

Lücke kauft Einzelbände und ganze Bibliotheken. Sein größter Schlag waren hier im Fränkischen einmal mehr als 10 000 Bücher. Viele davon waren aus dem Fachbereich Theologie. Auch wenn er diese Menge sehe, könne er in wenigen Minuten abschätzen, ob er die Bibliothek haben möchte oder nicht. Denn bei jedem Kauf stellt sich die Frage, ob er das vernünftig an den Mann bringen kann. Auf Flohmärkten kauft er grundsätzlich nicht gerne ein. Einmal hat er Bücher in London gekauft.

Skurriles ist dem Antiquar schon einiges passiert. Als er noch in der Fundgrube tätig war, kam einige Zeit lang der Autor Hubert Fichte in den Laden. Dieser veröffentlichte damals seine Interviewbücher. Er zeigte sich jeden Tag, am Ende stellte sich heraus, dass er nur ein Interview von Lücke und seinem Chef wollte, dann aber feststellte, dass das thematisch nicht passte. Unter den Kunden finden sich viele eigenwillige Leute, darunter überaus Mitteilungsbedürftige. Manche schenken ihm Bücherkisten. Seine jüngste Kundin ist fünf Jahre alt, sein ältester Kunde 90. „Der wird sogar noch kommen, wenn er 95 ist. Mit seinem letzten Atemzug wird ihm ein Buch aus den Händen fallen.“

Als Flötenspieler im Krimi

Lücke hat noch eine zweite Leidenschaft, das Gitarrenspiel. Manchmal spielt er im Laden, seine Kunden hören das gern. Sein musikalisches Ich wurde schon in einem Buch verarbeitet. Lothar Reichel, der Schweinfurt-Krimis schreibt, ließ ihn als Flötenspieler in seinem ersten Werk auftreten. Gibt es ein Buch, das Lücke gerne hätte? Ein Kafka-Widmungsexemplar oder die deutsche Erstausgabe von Stokers Dracula, sagt er. „Eine Gutenbergbibel wäre natürlich ein Lottogewinn.“ In der Woche arbeitet er bis zu 50 Stunden. „Mit 65 Jahren werde ich sicher in den Ruhestand gehen.“

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