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Sonntag, 12. Februar 2012
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Jubiläum des Verbands deutscher Prädikatsweingüter Mit dem Glas in der Hand durch die Stadt

07.09.2010 ·  Zu seinem hundertsten Geburtstag präsentiert der VDP fast 1000 junge deutsche Weine in Berliner Galerien. In 57 Kunststätten der Stadt kostet man sich durch die Weinsorten der 192 Winzer - ein vielfältiges Vergnügen.

Von Andreas Platthaus
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Strahlende Sonne über der Stadt, alle Karten ausverkauft, mit 2009 ein hochgelobter Weinjahrgang im Gepäck, fast doppelt so viele Weingüter wie im Vorjahr und zudem der eigene hundertste Geburtstag: In diesem Jahr herrschte pures Wohlgefallen bei der Berliner Präsentation des VDP, des Verbands deutscher Prädikatsweingüter. Zum Jubiläum hatte man sich etwas einfallen lassen. War auf der jeweils am ersten Septemberwochenende ausgerichteten und als „GutsWein“ betitelten Veranstaltung bislang alles auf einen Veranstaltungsort konzentriert, verteilte man nun 192 Winzer auf 57 Kunstgalerien in der Stadt. Einen Namen für diese Präsentation brauchte es da nicht mehr. Man behalf sich mit banalen Formulierungen wie „ein Dialog zwischen Wein und Kunst“ oder „Weltklassekunst trifft Weltklassewein“ und schrieb auf das Plakat nur: „Ich hasse schlechten Wein!“

Dieses Motto allerdings bezeichnete aufs Schönste die Geschichte des VDP, der 1910 als Verband deutscher Naturweinversteigerer begann und 1971 vor dem Aus stand, als das neue Weingesetz den eingeführten Begriff „Naturwein“ (der nichts anderes meinte als einen Wein ohne Zusatzstoffe) verbot. Da aber im Verband die Elite deutscher Winzer versammelt war, die sich auch durch andere neue Regeln des Gesetzes (Stichwort: Einzellage-Großlage) benachteiligt sah, weil damit die Qualitätskriterien verwischt und die Käufer getäuscht würden, benannte man den Verband in VDP um und betreibt seitdem den Kampf gegen das ungeliebte Gesetz mit der stärksten Waffe, über die ein Winzer verfügt: mit guten Weinen.

Der VDP zählt 196 Mitgliedsbetriebe

Und tatsächlich ist die Bedeutung des VDP seitdem stetig gewachsen. Waren es 1971 noch 75 Mitgliedsbetriebe, sind es heute 196; der jüngste ist der famose Klaus Zimmerling aus Dresden, als erst viertes ostdeutsches Gut. Wer im hiesigen Weinbau einen Namen hat oder sich einen machen will, ist vertreten. Die strengen Regularien und Kontrollen bei der Weinerzeugung haben den VDP-Betrieben einen hervorragenden Ruf beschert. Dass der deutsche Wein im höheren Preissegment seit Jahren international an Beliebtheit gewinnt, ist vor allem ihr Verdienst. Das Selbstbewusstsein des Verbands zeigte sich, als er 2002 ein eigenes Klassifizierungssystem einführte, das das deutsche Weingesetz nur noch als Rahmenbedingung betrachtet.

Seitdem sind die Weine der Mitgliedsbetriebe in drei Klassen unterteilt: Gutswein, Ortswein oder Erste-Lage-Wein. Die erste Gruppe umfasst alle nach dem Standard des VDP hergestellten Weine, für die zweite ist eine Erzeugung in klassifizierten Lagen vorgeschrieben, und die dritte Einstufung erfordert die Kultivierung der Trauben in „Ersten Lagen“: besonders guten, historisch meist schon seit Jahrhunderten eingeführten Weinbergen. Diese Weine dürfen, sofern sie trocken ausgebaut sind, „Großes Gewächs“ (analog zum französischen „Grand Cru“) genannt werden, allerdings laut Weingesetz nicht explizit auf dem Etikett; dort steht nur GG. Als Weißweine kommen sie erst am 1. September des Jahres nach der Ernte in den Verkauf; bei Rotweinen dauert es noch ein Jahr länger.

2009 wird als bestes Weinjahr gefeiert

Deshalb war die Berliner Veranstaltung auch die erste Leistungsschau für die Großen Gewächse der Jahre 2009 (weiß) und 2008 (rot). Weil 2009 als bestes Weinjahr seit langem gefeiert wird, erregte vor allem die Verkostung der Weißweine großes Interesse. Allerdings war der Ausschank in den Galerien auf jeweils fünf Weine pro Winzer beschränkt, und dabei machten Große Gewächse nur den kleineren Teil aus. Erst am Montag wurden in der Baden-Württembergischen Landesvertretung an der Tiergartenstraße dann alle neuen Großen Gewächse präsentiert, fast 400.

Eines wurde dort klar: 2009 ist ein gutes, aber kein überragendes Jahr, zumindest nicht für Riesling, den prestigeträchtigsten deutschen Wein. Natürlich gibt es grandiose Beispiele: bei Dönnhoff von der Nahe etwa, wo zwar nach einer schlechten Blüte 30 Prozent weniger Ertrag erzielt, aber die Qualität gesichert wurde,während manche Winzer durch das meist perfekte Weinwetter mit sehr hohen Mostgewichten und entsprechend hohen Alkoholgraden zu kämpfen hatten.

Regionale Eigenheiten fügen sich nicht immer dem Verband

Dass Klassifikation und Jahrgang nur Anhaltspunkte für Qualität sind, zeigt sich Jahr für Jahr bei Joh. Jos. Prüm von der Mosel, einem der auf der ganzen Welt namhaftesten deutschen Güter, das gar keine Großen Gewächse herstellt, obwohl es über beste Lagen verfügt, und in Berlin mit den Weinen vertreten war, die man zur Zeit zeigen wollte: frucht- und edelsüße Rieslinge der Jahrgänge 2004 bis 2008. Es waren wieder einmal die besten.

Das zeigt: Die regionalen Eigenheiten fügen sich nicht immer der strikten Linie des Verbands. Wo etwa in Rheinhessen strikt die Dreier-Klassifizierung beachtet wird, ist das an der Mosel oder dem Rheingau als den traditionsreichsten Anbaugebieten ganz anders. Dort ist bis zu einem Drittel der Weinberge Erste Lage, also fällt die Unterscheidung schwer. Der VDP hat sich bei seiner Aufteilung am burgundischen Schema orientiert, aber auch dort sind es einzelne Winzer, die den Erfolg garantieren: Ein Charmes-Chambertin von Claude Dugat etwa ist besser und auch teurer als der gleiche Wein von den meisten anderen Erzeugern. Käufer sind deshalb zu Recht mehr an den Namen der Weingüter interessiert als an Lagen, die ja im Besitz von diversen Winzern sein können.

Das neue Konzept zahlte sich aus

Das hat auch der VDP begriffen. Auf einem faszinierenden „Weinparcours“, den Helena Mariscal Vilar und Christina Fischer im Auftrag des Verbands entwickelt haben, konnte man in Berlin die Unterschiede zwischen Rebsorten, Terroirs oder Jahrgängen schmecken – und auch zwischen Winzern, die mit demselben Terroir oder sogar derselben Lage arbeiten.

Diese deutsche Vielfalt wurde in Berlin mustergültig vorgeführt – der VDP hatte sanften Druck auf seine Mitglieder ausgeübt, damit auch ja alle zum Geburtstag kamen. So war etwa Wöhrwag aus Württemberg erstmals da, und gleich mit einem wunderbaren Riesling Mineral. Der Erfolg des neuen Konzepts war groß, auch wenn die Kunst, zumal am späteren Nachmittag, nur wenig Beachtung bei den „Schnutentunkern“ fand, und es ernste Versorgungsengpässe bei den Gläsern in den Galerien gab. Die meisten Besucher liefen notgedrungen mit dem Glas in der Hand durch die Stadt. Das wiederum hatte Charme.

Zu seinem hundertsten Geburtstag präsentiert der VDP fast 1000
junge deutsche Weine
– in Berliner Galerien.
Von Andreas Platthaus

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