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Turkmenistan Nijasows Verbote

Der kürzlich verstorbene Führer aller Turkmenen Saparmurat Nijasow hat seinem Volk eine ganze Reihe weiser Regeln mit auf den Weg gegeben: Kein Make-up für Fernsehmoderatoren, keine Goldzähne für Lehrer und kein Playback. Von Wladimir Kaminer.

© dpa Vergrößern Vater aller Turkmenen: Saparmurat Nijasow, 1940-2006

Eine Sammlung von Wohltaten des kurz vor Weihnachten persönlich verstorbenen Führers aller Turkmenen Saparmurat Nijasow:

Schließung aller Bezirksbibliotheken:
Der Besuch einer Bezirksbibliothek liegt nicht im Wesen eines echten Turkmenen.

Mehr zum Thema

Verbot von Oper, Ballett, Kabarett und Zirkus, Schließung der staatlichen Philharmonie.
Der echte Turkmene hat kein Ballett im Blut.

Verbot von Make-up für Fernsehmoderatoren, Verbot von Goldzähnen - für Lehrer der Grund- und Hochschule.
Die Goldzähne gehören nicht zu unserer Kultur, sie sind nicht Teil unserer Tradition.

TURKMENISTAN-STATUE-NIYAZOV-DEATH © AFP Vergrößern „Die Goldzähne gehören nicht zu unserer Kultur.”

Schließung aller Krankenhäuser außer dem in der Hauptstadt Aschqabad.
Wenn der Turkmene krank wird, kann er nach Aschqabad kommen.

Außerdem sind in Turkmenistan das Playback-Singen in der Öffentlichkeit und die Nutzung des Internets verboten.

Persönliche Projekte des verstorbenen Präsidenten, die er wegen seines vorzeitigen Todes nicht mehr persönlich zu Ende führen konnte:

Das Pflanzen des Tausendjährigen Waldes in der Wüste um Aschqabad zum Jahr 2015. Auf einer Fläche von tausend Quadratkilometern werden wir Baumarten einpflanzen, die mehrere tausend Jahre wachsen und blühen. Wir werden im Schatten des Tausendjährigen Waldes leben.

In derselben Wüste (mittlere Außentemperatur 40 Grad) ordnete der Führer alle Turkmenen an, ein Gehege mit lebenden Pinguinen einzurichten.

Außerdem beschloß er die Umbenennung aller Straßen von Aschqabad in Zahlen - nach dem Vorbild Mannheims, wobei die Zahl 2000 als Grundzahl genommen wird. Nur Straßen, die seinen Namen oder den seiner nächsten Verwandten trugen, waren von dieser Umbenennung ausgenommen.

Umbenennung der Monate nach den Namen seiner Mutter, seiner Freunde und seiner Lieblingsdichter.

Umbenennung der Wochentage:
Montag - Tag der Taten, Dienstag - Tag der Jugend, Mittwoch - der unweigerliche Mittwoch, Donnerstag - der selige Tag, Freitag - Freitag, Samstag - der geistreiche Tag, Sonntag - Tag der Entspannung.

Wladimir Kaminer, 39, ist Schriftsteller. In diesem Jahr veröffentlichte er „Küche totalitär. Das Kochbuch des Sozialismus“ im Manhattan-Verlag.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

 
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Veröffentlicht: 01.01.2007, 16:01 Uhr