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Abschied von 2006 Das nächste wird besser!

Die Liste, das ahnte schon Konfuzius, ist eine Form der Literatur, und manche Liste ist die reine Lyrik. In eine solche Liste verpackt erfreuen uns sogar Dinge, über die wir uns geärgert haben. Und so sind wir heiter aus dem Jahr 2006 geschieden, weil...

© dpa Vergrößern Ade 2006, Hallo 2007

Die Liste, das ahnte schon Konfuzius, ist eine Form der Literatur, und manche Liste ist die reine Lyrik. Sprache in ihrer knappsten Form, Aussagen, die evident schon dadurch werden, daß sie dastehen - und der, der sie liest, kann damit spielen. Ein ganzes Jahr in Listen: Das ist nicht die Hausordnung im Reich der Erinnerung, und es ist schon gar nicht eine Aufzählung von Befehlen, Vorschriften, Meinungen. Es sind Listen, die sich, wie François Jullien einmal geschrieben hat, frei mit der Ordnung der Dinge vergnügen. Und genau darum geht es in diesem Feuilleton: Auf die Liste gebracht, sind selbst jene Dinge ein Vergnügen, über welche wir uns geärgert haben.

Und so scheiden wir heiter aus dem Jahr 2006,

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weil 16 Prozent Mehrwertsteuer eh viel zuwenig waren;

weil wir auf entspannten Patriotismus gut verzichten können, wenn er sich durch das Tragen schwarzrotgoldener Irokesenperücken manifestiert;

weil wir auf entspannten Patriotismus überhaupt gut verzichten können;

weil zuviel Mozart war - und zuwenig Schostakowitsch;

weil dann eben im nächsten Jahr Philip Roth den Nobelpreis für Literatur mal aber wirklich bekommt;

weil langsam genug Leute Borat verklagt haben;

weil Günter Grass;

weil schlimmer als Grass nur die Erklärungen seiner Fürsprecher waren, wonach eine Mitgliedschaft in der SS plötzlich eine zeithistorische Petitesse gewesen sein soll;

weil im neuen Jahr hoffentlich wieder bessere Buchtitel erfunden werden als Eichendorff-Abwandlungen wie „Die Habenichtse“;

weil wir das Wort des Jahres, das seltsamerweise nicht zu solchem gewählt wurde, nicht mehr hören wollen: „Migrationshintergrund“;

weil wir dann doch zuviel Zeit auf Youtube verbracht haben, ohne uns richtig zu amüsieren;

weil wir wenigen, die wir gar keine Zeit auf Youtube verbracht haben, dauernd lesen mußten, was wir alles verpassen;

weil sehr viel mehr gammelte als Fleisch;

weil die SPD einen Vorsitzenden, der sich zu selten rasierte und stolz auf seine provinzielle Aura war, ersetzt hat durch einen Vorsitzenden, der sich zu selten rasiert und stolz auf seine provinzielle Aura ist;

weil der Karikaturenstreit eher die Karikatur eines Streits als ein Streit über Karikaturen war;

weil wir nur deswegen nicht mitbekommen haben, daß sehr viele Menschen über die Witze von Maddin und Mario Barth lachen;

weil es auch nichts hilft, daß die „Bild“- Zeitung jetzt von ihren Lesern gemacht wird;

weil Gerhard Schröder voraussichtlich nie wieder ein Buch schreiben wird, das dann auch noch - von wem eigentlich? und warum? - wie bekloppt gekauft wird;

weil wir uns an Schröder gerne anders erinnert hätten als im Zusammenhang mit den Dunkelmännern von Gasprom, das aber nun nicht mehr geht;

weil der Absturz einer Figur wie Peter Hartz eigentlich nicht lustig ist, wenn zu viele Menschen monatlich zuwenig Geld unter seinem Namen erhalten;

weil das erste Jahrzehnt des neuen Jahrtausends dann auch bald rum ist, das immer noch keinen Namen außer dem doofen Notnamen „Nullerjahre“ hat;

weil Britney Spears sich fürs neue Jahr hoffentlich ein paar gute Vorsätze macht und man sich um ihre Kinder dann vielleicht nicht mehr ganz so viele Sorgen machen muß;

weil Uwe-Karsten Heye leider recht hatte: Der Osten ist wunderschön, weltoffen und sicher, außer man kommt von woanders;

weil man auf „Spiegel online“ von Woche zu Woche beobachten mußte, wie der Hobby-Blogger Matthias Matussek immer wahnsinniger wurde;

weil wir immer noch nicht verstanden haben, was die Leute von der „Zentralen Intelligenz Agentur“ eigentlich den ganzen Tag lang machen;

weil wir ständig das Wort „frauenaffin“ hören mußten;

weil doch eigentlich bald alle Rezepte von Fernsehköchen gekocht sein müßten und wieder Platz wäre für vielleicht mal einen guten Spielfilm, tolle Serien oder anderes;

weil Bruno, der Bär, zwar tot ist, aber die Probleme bleiben;

weil die Hoffnungen des Journalismus auf einem kasachischen Antisemiten und einem Alkoholiker aus Grevenbroich ruhen;

weil wer den vorherigen Punkt nicht verstanden hat, kommendes Jahr hoffentlich nicht ganz soviel schläft (na gut: a) Borat, b) Horst Schlämmer);

weil der Microsoft-Chef Steve Ballmer seinen Kindern den Ipod und das Googeln verboten hat - und die Streber halten sich tatsächlich dran;

weil plötzlich alle sagten: „ich denke“, wo sie „ich glaube“ sagen wollten - als ob uns so eine dumme Floskel schon wieder zum Land der Denker machte;

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