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Jackson-Prozeß Zwei Bilder von Michael Jackson

01.03.2005 ·  Es gibt nicht nur einen Michael Jackson. Diesen Eindruck vermittelten die Eröffnungsplädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung im Mißbrauchsprozeß gegen den King of Pop.

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Zwei vollkommen unterschiedliche Porträts von Michael Jackson haben die Anklagebehörde und die Verteidigung in ihren Eröffnungsplädoyers von dem Popstar gezeichnet. Während Staatsanwalt Tom Sneddon dem 46 Jahre alten Musiker als skrupellosen und intriganten Kinderschänder darstellte, dessen Angestellte selbst vor Todesdrohungen nicht zurückschrecken, behauptete Jacksons Verteidiger Tom Mesereau, sein Mandant sei Opfer einer geldgierigen und gewissenlosen Mutter, die ihren eigenen krebskranken Sohn benutzt habe, um Jackson durch falsche Vorwürfe zu Zahlungen zu zwingen. Sneddon und Mesereau kündigten an, sie hätten verläßliche Zeugen, die ihre jeweilige Darstellung bestätigen würden.

Der Staatsanwalt konkretisierte die Mißbrauchsvorwürfe gegen Jackson, indem er darlegte, der Popmusiker habe sein damals dreizehn Jahre altes Opfer im Frühjahr 2003 masturbiert und dabei selbst onaniert. Schon beim ersten Besuch des Jungen auf der Neverland-Ranch im Jahr 2000 habe Jackson dafür gesorgt, daß der Minderjährige in seinem Schlafzimmer übernachten dürfe. Und schon damals habe er den Jungen und andere Minderjährige, unter ihnen auch seinen eigenen Sohn Prince Michael, mit sexuellen Darstellungen im Internet und in einschlägigen Magazinen konfrontiert, "anstatt ihnen Peter Pan vorzulesen". Das könne er durch beschlagnahmtes Material beweisen, auf dem sich Fingerabdrücke Jacksons und des Jungen befänden, sagte Sneddon, der dem Popsänger außerdem vorwarf, seinem Opfer "Wein, Wodka und Whisky" verabreicht zu haben.

Auf einer Stufe mit Diana

Erstmals gab das Gericht auch die Namen von fünf Personen aus dem Umfeld Jacksons bekannt, mit denen der Musiker sich nach Darstellung der Staatsanwaltschaft zur Freiheitsberaubung und Erpressung der Opferfamilie verschworen hat. Die Staatsanwaltschaft legte dar, daß Jacksons Angestellte im Februar 2003 angewiesen worden seien, den Jungen nicht von der Ranch zu lassen. Damit habe eine Ausweitung des Skandals nach der britischen Fernsehdokumentation verhindert werden sollen, in der Jackson behauptet hatte, fremde Kinder in seinem Bett schlafen zu lassen. Dem Jungen sei von einem Angestellten Jacksons gedroht worden, seiner Mutter werde etwas Schlimmes zustoßen, wenn er sich nicht füge.

Die Verteidigung wies diese Schilderungen als "völlig falsch" zurück. Mesereau beklagte, Jackson sei Opfer seiner "Gutmütigkeit", seines "Idealismus" und womöglich auch seiner "Naivität" geworden, als er sich bereit gefunden habe, der Mutter des Jungen zu helfen, der sich damals einer Krebsbehandlung unterziehen mußte. Der Anwalt schilderte, daß die Mutter zuvor schon vergeblich andere Prominente wie den Boxer Mike Tyson und den Talkmaster Jay Leno um finanzielle Hilfe gebeten habe, bis sie schließlich bei Jackson Erfolg gehabt habe, der der Familie großzügig Geschenke gemacht habe. Erst als der Mutter klar geworden sei, daß sie nicht ewig auf die Unterstützung Jacksons zählen könne, sei sie von ihren früheren Lobpreisungen des Popstars abgerückt und habe nach Beratung mit einem Anwalt die Mißbrauchsgeschichte erfunden.

Mesereau nutzte die Tatsache, daß der Produzent der Jackson-Dokumentation, Martin Bashir, auch einen Film über Prinzessin Diana gedreht hatte, um seinen Mandanten auf eine Stufe mit der auch in Amerika weiterhin verehrten Prinzessin zu rücken. Ebenso wie die Prinzessin, mit der Michael Jackson befreundet gewesen sei, habe er sich stets für Kinder auf der ganzen Welt engagiert.

Jesse Jackson kritisiert Geschworenenauswahl

Unterdessen kritisierte der schwarze amerikanische Politiker und Bürgerrechtler Jesse Jackson die Auswahl der zwölf Geschworenen. Unter diesen sei kein einziger Schwarzer, bemängelte Jackson, der mit dem Sänger nicht verwandt ist. Auch daß wiederholt geheime Informationen über den Prozeß an die Öffentlichkeit gelangt seien, werfe die Frage auf, ob es sich um ein faires und unparteiisches Verfahren handele, kritisierte der Bürgerrechtler.

Die seit Beginn des Verfahrens vor dem Gerichtsgebäude der 77.000-Einwohner-Stadt Santa Maria ausharrenden Fans des „King of Pop“ werden es von nun an noch schwerer haben, ein Blick auf ihr Idol zu erhaschen. Für die jetzt eingeleitete heiße Phase des Prozesses ließ das Gericht die Barrikaden vor dem Eingang auf fünf Meter erhöhen. Für den sogenannten „Jahrhundertprozeß“ sind etwa 1100 Journalisten akkreditiert. Mit einem Urteil wird nicht vor dem Sommer gerechnet.

Quelle: gel./F.A.Z., 02.03.2005 / FAZ.NET mit Material von dpa, AFP, AP
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