29.03.2005 · Im Prozeß gegen Michael Jackson sollen fünf weitere Jungen in den Zeugenstand gerufen werden, die nach eigenen Angaben von Jackson unsittlich berührt worden waren. Der Popstar sieht sich als Opfer einer Verschwörung.
Gegen Michael Jackson dürfen nun auch mutmaßliche frühere Opfer vor Gericht aussagen. Richter Rodney Melville gab am Montag einem entsprechenden Antrag von Bezirksstaatsanwalt Tom Sneddon statt. Sneddon kündigte an, er wolle fünf weitere Jungen in den Zeugenstand rufen, die nach eigenen Angaben von Jackson unsittlich berührt worden seien. Der Popstar bezeichnete sich zuvor in einem Interview als Opfer einer Verschwörung.
Sneddon erklärte in Santa Maria, die neuen Vernehmungen würden die von der Verteidigung in Frage gestellte Glaubwürdigkeit des jetzigen Klägers stärken. Die fünf Jungen seien zum Zeitpunkt ihres Kontakts mit Jackson zwischen zehn und 13 Jahre alt gewesen. Unter ihnen ist ein Zeuge, der bereits 1990 Mißbrauchsvorwürfe gegen den Sänger erhoben hatte. Das Verfahren wurde jedoch - ebenso wie ein weiteres 1993 - nach einer Millionenzahlung Jacksons eingestellt.
Nach Ansicht von Beobachtern könnte Melvilles Beschluß entscheidend für den weiteren Verlauf des Prozesses sein. „Wenn zwei oder drei Kinder das Gleiche sagen, steigen die Chancen für eine Verurteilung stark an“, sagte der Rechtsexperte Jim Hammer dem Fernsehsender Fox. Jacksons Verteidiger Thomas Mesereau hatte sich massiv gegen die Vernehmung mutmaßlicher früherer Opfer eingesetzt.
Vergleich mit Nelson Mandela
Jackson bezeichnete sich in einem einstündigen, am Sonntag im Internet veröffentlichten Gespräch mit dem Bürgerrechtler Jesse Jackson als unschuldig. Er bat seine Fans weltweit, für ihn zu beten. „Bitte seid geduldig, bleibt an meiner Seite und glaubt an mich, weil ich völlig, völlig unschuldig bin“, sagte er. „Seid euch bitte im Klaren darüber, daß eine große Verschwörung vor sich geht, während wir sprechen.“ Er beziehe Kraft aus Gebeten, sagte Jackson, Mitglied der Zeugen Jehovas.
Zur Art der vermeintlichen Verschwörung machte Jackson nur Andeutungen: Er sei einer von mehreren schwarzen Berühmtheiten, die grundlos beschuldigt worden seien. Der Popstar nannte in diesem Zusammenhang den früheren südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela, Exboxweltmeister Muhammad Ali und andere. Jackson deutete an, ein Ziel der Verschwörer könnten die Musikrechte sein, den er besitze. Jackson verfügt unter anderem über die Rechte an den Songs der Beatles.
„Schwere Schmerzen“
Der Popstar sagte, er habe seit einem Sturz in der Dusche schwere Schmerzen. Am 10. März war er in Pyjama-Hosen zu spät zum Prozeß erschienen, weil er sich wegen des Rückenleidens nach dem Sturz in einem Krankenhaus habe behandeln lassen müssen. Bei dem Sturz habe er außerdem eine schwere Lungenprellung erlitten und infolge der Verletzung Blut gehustet.
Jackson sagte, er mache jetzt den Tiefpunkt seines Lebens durch. Der Höhepunkt sei 1982 der Erfolg mit dem Album „Thriller“ gewesen. Er habe eine Disco-Version von Tschaikowskys „Nußknacker-Suite“ machen wollen, und das sei ihm wohl auch gelungen, sagte er mit Verweis auf die acht Grammy-Musikpreise, die er für „Thriller“ erhielt. Das Album ist das meistverkaufte der Popgeschichte.