29.05.2005 · Papst Benedikt XVI. befindet sich derzeit auf seiner ersten Reise seit Amtsantritt. Der eintägige Besuch in der italienischen Adriastadt Bari gilt als „Generalprobe“. Vor 200.000 jubelnden Gläubigen appellierte er dort an die Einheit aller Christen auf der Welt.
Papst Benedikt XVI. hat in einem leidenschaftlichen Appell zur Einheit aller Christen in der Welt aufgerufen. Bei seiner ersten Reise seit Amtsantritt sagte er am Sonntag bei einer Messe im italienischen Bari, er werde sich mit „ganzer Kraft für die Wiederherstellung der vollen und sichtbaren Einheit“ der Christen einsetzen.
Unter dem Beifall von über 200.000 Gläubigen fügte er bei der Zeremonie unter freien Himmel hinzu: „Ich bin mir bewußt, daß für dieses Ziel Zeichen der guten Absicht nicht ausreichen.“ Allerdings äußerte sich Joseph Ratzinger nicht zur Frage eines gemeinsamen Abendmahls zwischen Katholiken und Protestanten.
„Generalprobe“ für Köln
Der eintägige Besuch in der Adriastadt galt als „Generalprobe“ für die erste geplante Auslandsreise des Papstes Mitte August zum katholischen Weltjugendtag in Köln. Die Messe in Bari war von strengsten Sicherheitsmaßnahmen begleitet: Erstmals fuhr der neue Papst nicht mit einem offenen Jeep, sondern - wie sein Vorgänger Johannes Paul II. - im Panzerglas-gesicherten „Papamobile“ durch die Menschenmassen. Der Luftraum über Bari war gesperrt. Als der Papst mit dem Hubschrauber eintraf, standen Abfangjäger des Militärs bereit, berichtete das staatliche italienische Fernsehen. Es seien „konkrete Gesten“ auf dem Weg der Ökumene notwendig, forderte der deutsche Kirchenführer.
Seit Amtsantritt am 19. April hatte sich Ratzinger mehrfach für eine Annäherung der christlichen Kirchen stark gemacht. Allerdings heißt es im Vatikan, vor allem im Verhältnis zu den Orthodoxen hoffe er auf Fortschritte. Die Kirchenspaltung (Schisma) zwischen der Ostkirche und Rom ist rund 1000 Jahre alt. Anlaß der Reise nach Bari war der Abschluß des Eucharistischen Kongresses der katholischen Kirche Italiens. Eindringlich forderte Ratzinger die Katholiken zum sonntäglichen Messebesuch und zur Eucharistie (Abendmahl) auf. „Die Heilige Messe feiern und das Brot der Eucharistie zu essen, sind ein Bedürfnis des Christen“, sagte Benedikt.
Er ging aber nicht auf den Wunsch von vielen Gläubigen vor allem in Deutschland nach einem gemeinsamen Abendmahl von Katholiken und Protestanten ein. Ratzinger hatte als ehemaliger Präfekt der Glaubenskongregation maßgeblichen Anteil an einer Enzyklika, die im Jahr 2003 allen derartigen Hoffnungen eine klare Ansage erteilte.