08.05.2007 · Der israelische Archäologe Ehud Netzer hat südlich von Jerusalem das Grab von König Herodes entdeckt. Die Stätte liege im nordöstlichen Teil des Festungspalastes Herodium. Seit dem Jahr 1972 suchte der Archäologe nach dem geheimnisvollen Grab.
Von Jörg Bremer, JerusalemSchon seit den fünfziger Jahren wurde nach dem Grab von Herodes dem Großen gesucht. Der jüdische Historiker Flavius Josephus hatte in seiner „Geschichte des jüdischen Krieges“ geschrieben: „Da zog man mit dem Leichnam 200 Stadien weit zum Herodion, wo er dem Befehle des Verstorbenen gemäß beigesetzt wurde.“ Im großen Ostturm wurde nach dem Sarkophag gesucht und in dem „Grabpalast“ vor der künstlichen Anhöhe. Nun hat der israelische Archäologe Professor Ehud Netzer das Geheimnis gelöst: Am nordöstlichen Aufgang, am Ende einer monumentalen Treppenreihe, fand er ein vollkommen zerstörtes Mausoleum und Reste eines Sarkophags.
Von 37 bis 4 vor Christus hatte der Vasallenkönig der Römer das Land regiert - brutal, eifersüchtig, aber auch machtvoll. Er stiftete in Jerusalem den prachtvollen jüdischen Tempel und auf einer angeschütteten Höhe in Caesarea am Mittelmeer den römisch-heidnischen Gegentempel. Immer auf der Suche nach einem Platz mit großartigem Blick, günstigen Winden und Licht baute er am Nordrand eines Felsens über dem Toten Meer die Festung Masada. Als seine Grabstätte aber errichtete er etwa zwölf Kilometer südlich von Jerusalem eine Burg. Flavius Josephus berichtet, Herodes habe die Anlage an dieser Stelle errichten lassen, weil der König dort einen großen Sieg über die Hasmonäer errungen hatte.
Vier Stockwerke hoch Geröll
Der König ließ den Palast in einen Berg setzen und rundherum etwa vier Stockwerke hoch Geröll anlegen, so dass die Bauten nicht gesehen werden konnten. Aus der Ferne ist nur der stumpfe Bergkegel zu erkennen, der 758 Meter über den Meeresspiegel aufragt und höher ist als die umliegenden Hügel. Das Wasser wurde rund um den Berg in großen Zisternen gesammelt. Am Fuß des Hügels - die Gegend war zuvor nicht besiedelt - ließ Herodes in Nord-Süd-Achse eine kleine Ortschaft anlegen, rund um einen 70 mal 46 Meter großen und drei Meter tiefen Teich. Dort wurden auch Lagerhäuser errichtet und Gebäude für die Sklaven. Als Herodes qualvoll gestorben war, brachte man seinen Leichnam von seinem Winterpalast in Jericho nach Judäa in die Palastfestung, die seinen Namen trug.
Seit dem Jahr 1972 suchte Ehud Netzer immer wieder einmal in seiner Archäologenkarriere nach dem geheimnisvollen Grab. Jetzt entdeckte er unter einer byzantinischen Klosteranlage das zerstörte Mausoleum, von dem nur noch ein Podium erhalten ist. Gut dekorierte Architekturelemente weisen darauf hin, dass hier kein Gewöhnlicher beerdigt wurde. Zudem fand Netzer ungezählte Steinreste eines wohl fast zweieinhalb Meter langen Sarkophags aus dem örtlichen Sandstein, der wohl mit zahlreichen Rosetten verziert war. „Das ist hier schon etwas ganz Besonderes“, sagte Netzer. „So einen Sarkophag sehen wir sonst hier nicht.“
Eine Inschrift fand Netzer nicht. Wahrscheinlich wurde die Grabanlage des verhassten „Puppenkönigs“ schon bald nach seiner Grablegung zerstört. Netzer glaubt, das sei in der ersten jüdischen Revolte gegen die Römer zwischen 66 und 72 nach Christus geschehen. Das Herodion, mit dem Herodes „einen Berg versetzte“, liegt in den besetzten Gebieten östlich von Bethlehem und wird doch von der israelischen Parkbehörde betreut. Nachdem das Grab so lange Zeit weder auf der Burg noch auf dem Gelände des Grabpalastes mit seinem großen Wasserbecken und dem Ritualbad gefunden worden war, hatten viele schon angenommen, Flavius Josephus habe sich geirrt.
Jörg Bremer Jahrgang 1952, politischer Korrespondent für Italien und den Vatikan mit Sitz in Rom.
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