06.01.2003 · Der Irrflieger von Frankfurt ist nach Ansicht der Staatsanwaltschaft nicht zurechnungsfähig. Der Vorfall hat eine Diskussion um die Sicherheit der Kleinflugplätze ausgelöst.
Einen Tag nach dem Flugzeug-Krimi über Frankfurt ist der verwirrte Pilot in die Psychiatrie eingewiesen worden. Der Haftrichter des Frankfurter Amtsgerichts schickte den 31 Jahre alte Studenten Franz Stephan Strambach am Montagabend vorläufig in das Psychiatrische Krankenhaus im nordhessischen Haina. Zuvor hatte der Chaos-Pilot eine erste Vernehmung bei der Polizei abgebrochen. Das Flugzeug-Drama vom Sonntag löste eine Diskussion um die Sicherheit von Kleinflugplätzen aus.
Anwalt Eckhart C. Hild bezeichnete den 31 Jahre alten Psychologie-Studenten am Montag als völlig übermüdet und nicht vernehmungsfähig. Er habe die Vorgänge noch nicht verarbeitet. Der Staatsanwaltschaft zufolge hat Strambach in dem nicht unterschriebenen Protokoll die ihm vorgehaltenen Taten im Wesentlichen eingeräumt und auch sein Motiv bekräftigt. Im Funkverkehr während seines Chaos-Fluges am Sonntag hatte er angegeben, an die 1986 getötete US-Astronautin Judith Resnik erinnern zu wollen. Über die beim Challenger-Absturz umgekommene Frau hat Strambach eine Fan-Homepage im Internet eingerichtet. Er sei in sie verliebt, sagte er dem Funk-Protokoll zufolge. Er hatte während seines Fluges sogar mit dem Bruder der Astronautin gesprochen.
Sicherheit von Kleinflughäfen erhöhen
Die Sicherheitsmaßnahmen auf den Kleinflughäfen sollen laut Bundesverkehrsministerium verschärft werden. Mehrere Bundesländer kündigten Überprüfungen an. Bereits nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 habe die Regierung mehrmals die zuständigen Länder zu entsprechenden Regelungen aufgefordert. Den Ländern sei eine Frist bis zum 31. Januar gesetzt worden.
Ein Abschuss des Fliegers stand nach Angaben des Verteidigungsministeriums während des Irrfluges über Frankfurt nie zur Debatte. Sehr schnell sei klar geworden, dass sich in dem Kleinflugzeug außer dem Treibstoff keine anderen Explosivstoffe befanden. Ressortchef Peter Struck (SPD) verlangte in Wiesbaden eine klare rechtliche Grundlage für einen Abschuss im Notfall.
Strengere Kontrollen auf Kleinflugplätzen
Die Pilotenvereinigung Cockpit verlangte eine strengere Abschottung von Privatfliegern auf den großen Flughäfen. Andernfalls könnten sie unkontrolliert und womöglich mit Waffen an Bord in den Sicherheitsbereich der kommerziellen Verkehrsflugzeuge
gelangen, sagte Cockpit-Sprecher Georg Fongern. Aus dem Vorfall müssten Konsequenzen gezogen werden, hieß es auch beim größten deutschen Flughafenbetreiber in Frankfurt, der den Verkehr zwei Stunden einstellen musste. Der Deutsche Aero Club, die bundesweite Dachorganisation von rund 100.000 Luftsportlern, hält Personenkontrollen wie an internationalen Drehkreuzen hingegen für eine Überreaktion.
Die Fluglizenz des Chaos-Piloten Strambach ist nach Auskunft des Regierungspräsidiums Darmstadt Ende des Jahres 2000 nicht verlängert worden. Er hatte im Alter von 18 Jahren einen Flugschein für einmotorige Maschinen erworben.
Mutter: "Ich bin schuld"
Als Straftatbestände kommen nach vorläufiger Einschätzung räuberische Erpressung mit einer Höchststrafe von 15 Jahren, Störung des öffentlichen Friedens, Bedrohung, Nötigung und eventuell gefährlicher Eingriff in den Luftverkehr in Frage, sagte Oberstaatsanwalt Job Tilmann. Die Mutter des Piloten bezichtigte sich im TV-Sender RTL selbst. „Ich glaube, ich bin schuld, weil ich ihm von Kindheit an alle Schwierigkeiten aus dem Weg geräumt habe“, sagte Ruth Strambach.