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Irak-Krieg Das Melodrama der Rettung von Jessica Lynch

04.04.2003 ·  Ein irakischer Rechtsanwalt hat offenbar die Soldatin Jessica Lynch gerettet, indem er ihren Aufenthaltsort an die amerikanischen Truppen verriet. Die 19-Jährige war vor wenigen Tagen in einer Blitzaktion befreit worden.

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Die Gründe für die schweren Verletzungen der aus irakischer Kriegsgefangenschaft befreiten amerikanischen Soldatin Jessica Lynch sind weiter unklar.

Bei der 19-Jährigen seien zahlreiche Brüche, aber weder Schuss- noch Stichverletzungen festgestellt worden, sagte der Kommandeur des amerikanischen Militärkrankenhauses in Landstuhl, David Rubenstein, am Freitag vor Journalisten. Er machte keine Angaben zu Gerüchten, wonach Lynch während ihrer Gefangenschaft gefoltert worden sein könnte. Es sei weiter unklar, wie und wann die Verletzungen zustande gekommen seien, sagte er lediglich.

Laut Rubenstein sind der rechte Arm, beide Beine, der rechte Fuß und der rechte Knöchel der Soldatin gebrochen. Außerdem habe sie Verletzungen an Rückgrat, Lendenwirbel und Kopf. Lynch sei bereits mehrfach operiert worden. Sie habe trotz der schweren Verletzungen aber ausgezeichnete Heilungschancen. Sie sei bei guter Laune, mache bereits wieder Scherze und habe sich ihr Lieblingsessen bestellt. Derzeit müsse sie allerdings noch künstlich ernährt werden.

Irakischer Retter

Den entscheidenden Hinweis zur Rettung der Soldatin aus der Gefangenschaft in einem Krankenhaus hat ein irakischer Anwalt gegeben. Wie der Militärkorrespondent Joseph Chenelly auf der Webseite des Marine Corps berichtete, hatte ein 32-jähriger Iraker, dessen Name die Alliierten nur mit Mohammed angeben, in der vergangenen Woche die ungewöhnliche Präsenz von mehreren Dutzend Fedajin-Milizionären und Sicherheitsagenten in dem Hospital bemerkt, in dem seine Frau als Krankenschwester arbeitet. Er erkundigte sich nach den Gründen und erfuhr von der verletzten amerikanischen Soldatin.

Mit Hilfe eines befreundeten Arztes konnte der Anwalt die Notaufnahme des Krankenhauses betreten, wo die 19-jährige Soldatin untergebracht war. Durch die Glasscheibe des Raumes beobachtete er dem Bericht zufolge, wie Lynch von einem schwarz gekleideten Agenten geschlagen wurde. Er habe dann entschieden, die Allierten über den Aufenhaltsort der Gefangenen zu informieren.

Rettung dank eindeutiger Skizzen

Der Anwalt lief den Angaben zufolge zehn Kilometer, bis er auf auf einer Straße östlich von Nassirijah auf amerikanische Marineinfanteristen stieß. Auf Forderung der Soldaten kehrte er an den folgenden zwei Tagen in das Krankenhaus zurück, um sich Details über das Gebäude und das Sicherheitspersonal zu merken. Während einer dieser Besuche soll er auch unbemerkt in den Raum geschlüpft sein, in dem Lynch untergebracht war, um die Soldatin zu trösten und ihr Hilfe zu versprechen.

Mit Hilfe der Pläne und Skizzen, die der Anwalt und seine Frau gezeichnet hatten, konnten amerikanische Spezialkommandos die Soldatin in einer Blitzaktion befreien. Mohammeds Informationen seien „perfekt“ gewesen, sagte der amerikanische Oberst Bill Durett. Der Anwalt und seine Familie wurden von den Amerikaner in ein Flüchtlingslager in Umm Qasr ausgeflogen.

Weitere sieben Soldaten vermisst

Wie Rubenstein sagte, ist noch unklar, wann die Soldatin in ihre Heimatstadt Palestine im Bundesstaat West Virginia gebracht werden kann. An die Behandlung in Landstuhl müssten sich umfangreiche Reha-Maßnahmen anschließen. Die junge Frau gehört zur 507. Instandsetzungseinheit aus dem texanischen Fort Bliss, deren Konvoi am 23. März bei Nassirijah in Südirak in einen Hinterhalt geraten war.

Spezialeinheiten hatten sie in der Nacht zum Mittwoch aus einem Krankenhaus nahe Nassirijah befreit. Bei dem irakischen Angriff wurden außer Lynch noch fünf weitere amerikanische Soldaten gefangen genommen, die im irakischen Staatsfernsehen vorgeführt wurden. Sieben weitere Soldaten gelten als vermisst, mindestens zwei wurden bei dem Angriff getötet.

Seit Kriegsbeginn vor zwei Wochen wurden 226 US-Soldaten zur Behandlung nach Landstuhl gebracht, darunter 96 mit Kampfverletzungen. Am Freitag sollten 48 neue Patienten in das Krankenhaus nahe dem Luftwaffenstützpunkt Ramstein eingeliefert werden, von denen dreizehn bei Gefechten verletzt wurden. Das Krankenhaus ist das größte von Amerikanern betriebene Hospital außerhalb der Vereinigten Staaten.

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